Mauersegler gehören zu den aussergewöhnlichsten Vögeln unserer Breiten. Sie verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Luft: Sie fressen, schlafen und paaren sich im Flug, ohne je zu landen.
Umso verletzlicher sind sie in der kurzen Phase, in der sie zum Brüten an Land zurückkehren. Hitzewellen, die häufiger und intensiver werden, verwandeln ihre Nistplätze unter Dächern oder in Gebäudenischen zunehmend in gefährliche Fallen.
Der Sprung ins Leere als letzter Ausweg
An Tagen mit starker Hitze kann die Temperatur in diesen Verstecken auf bis zu 60 Grad steigen. Die Jungvögel sind noch nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur ausreichend zu regulieren. Sie drohen zu dehydrieren oder an einem Hitzeschlag zu sterben.
Unter diesen extremen Bedingungen zeigen junge Mauersegler ein Verhalten, das auf den ersten Blick unverständlich wirkt: Sie verlassen das Nest und stürzen sich in die Tiefe, obwohl sie noch nicht fliegen können. Dabei handelt es sich nicht um einen Irrtum, sondern um eine Überlebensstrategie. Im Nest zu bleiben, würde fast sicher den Tod bedeuten. Der Sturz auf den Boden gibt ihnen zumindest eine geringe Chance, zu überleben.
Ohne Hilfe sind die Vögel verloren
Das weiss man auch im Centre Ornithologique de Réadaptation in Genf. Innerhalb von nur drei Tagen nahm das Zentrum rund 40 junge Mauersegler auf – noch vor dem Höhepunkt der Hitzewelle. Viele weitere Tiere seien vermutlich verendet, ohne gefunden worden zu sein.
«Ohne menschliche Hilfe ist ein Mauersegler am Boden verloren», erklärt Florian Bertolini gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. Er ist Biologe und Artenschutzexperte.
Die Jungvögel können nicht wieder abheben und ziehen sich beim Aufprall oft Brüche an Flügeln oder Beinen zu. Manche erleiden zudem Verbrennungen, wenn sie auf aufgeheiztem Asphalt oder Pflaster landen.
Besonders geschwächte Tiere werden in einer Aufzuchtstation betreut. «Wir bringen sie in einen Inkubator, um eine geeignete Temperatur zu gewährleisten», erklärt Bertolini. Anschliessend werden sie einzeln, rund um die Uhr, gefüttert. Pro Tag erhalten sie etwa zehn Grillen – ein Futter, das reich an Fett ist und sich gut eignet.
Städte müssen sich anpassen
Die Hitze ist nicht die einzige Herausforderung für Mauersegler. Durch die Urbanisierung sind viele natürliche Nistplätze verschwunden. Sanierungen und moderne Fassaden ohne Spalten oder Hohlräume erschweren die Suche nach geeigneten Brutplätzen zusätzlich.
Deshalb beginnen mehrere Städte, speziell angepasste Nistkästen zu installieren. An der Universität Genf wurden beispielsweise nach der unbeabsichtigten Zerstörung mehrerer Nester bei Bauarbeiten zahlreiche künstliche Nisthilfen angebracht. In diesem Jahr wurden sie erstmals von Mauerseglern angenommen.