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«Keine 10-Millionen-Schweiz» Was ausländische Medien aus dem Schweizer Abstimmungskampf lesen

Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» der SVP findet ein internationales Echo, das den üblichen Rahmen einer Schweizer Volksabstimmung übersteigt.

Eine wichtige Rolle für das besondere Interesse an der Initiative spielt die Tatsache, dass diese eine fixe Obergrenze von 10 Millionen Menschen für die Schweiz vorsieht. Das US-Magazin «Time» betont diesen Aspekt: «Falls sie angenommen wird, könnte die feste demografische Obergrenze der Schweiz die erste ihrer Art sein, die gesetzlich verankert wird.»

Kühe auf verschneitem Feld mit Plakaten im Hintergrund.
Legende: Ein Ja-Plakat zur 10-Millionen-Initiative, aufgenommen am 12. Mai auf einem Bauernhof in St. Margrethenberg. KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Die «New York Times» schreibt, das Schweizer Votum über eine Bevölkerungsobergrenze «veranschaulicht, wie sehr die Ausländerfeindlichkeit in Europa seit der Migrationskrise zugenommen hat, die den Kontinent vor zehn Jahren erschütterte».

Die Zeitung stellt fest, dass auch europäische Regierungen ihre Einwanderungspolitik seit den Jahren 2015 und 2016 verschärft hätten, «als mehr als eine Million Menschen, die vor Krieg und Armut flohen, mit dem Boot an den Küsten des Kontinents ankamen».

«Alte Schweizer Idee des guten Ausländers»

In deutschen Medien nehmen Schweizer Journalisten die Strategie der SVP unter die Lupe. «Die Zeit» wirft der grössten Partei der Schweiz vor, zum System der Kontingente und zum ungerechten, auf Ausbeutung basierenden Saisonnierstatut zurückkehren zu wollen, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt.

«Arbeitsam, austauschbar, entrechtet: Mit ihrer 10-Millionen-Initiative belebt die SVP die alte Schweizer Idee vom ‹guten Ausländer wieder: Er kommt, wenn man ihn braucht – dann haut er wieder ab», schreibt die deutsche Zeitung.

Der «Spiegel» stellt zwei wesentliche Unterschiede zu anderen Abstimmungen über die Migrationspolitik fest, welche die SVP trotz des Widerstands aller anderen Parteien gewann.

Diesmal seien nicht nur Asylsuchende betroffen, sondern auch hochqualifizierte Arbeitskräfte aus der EU, die den grössten Teil der Nettozuwanderung ausmachten.

Und die SVP setze auf eine vorsichtigere Strategie, um auch ausserhalb ihrer traditionellen Wählerschaft zu überzeugen. «Die Partei verzichtet auf aggressive, ausländerfeindliche Plakate mit schwarzen Schafen oder Messerangreifern. Stattdessen betont sie sozialpolitische Themen wie steigende Mieten oder die Überlastung der Infrastruktur», erläutert das Magazin.

Sorgen der grossen Konzerne

Andere Medien konzentrieren sich auf die Folgen einer Kündigung des Abkommens über die Personenfreizügigkeit mit der EU, welche die Initiative als letztes Mittel vorsieht.

«The Guardian» berichtet über die Bedenken der Wirtschaft. So stellt die Zeitung fest, dass multinationale Konzerne wie Roche, UBS und Nestlé befürchten, eine Annahme der Initiative könnte das mit Brüssel ausgehandelte Paket bilateraler Abkommen gefährden, «auf dem ein Grossteil des Wohlstands der Schweiz beruht».

Die britische Zeitung erinnert auch daran, dass «viele Schweizer Unternehmen auf Arbeitskräfte aus der EU angewiesen sind, ohne die sie ins Ausland abwandern müssten, was sich auf die Steuereinnahmen und die Dienstleistungen auswirken würde».

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg betont die mit dem Wirtschaftswachstum verbundenen sozialen Spannungen. Laut dem Bericht besteht trotz des Reichtums des Landes ein anhaltender Unmut: Nicht alle hätten das Gefühl, einen fairen Anteil am Kuchen zu bekommen. «Hinter den Luxusschaufenstern, den unberührten Seen und den schneebedeckten Bergen schürt dies eine Ablehnung von Eingewanderten», so Bloomberg.

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Legende: SRF

News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 14. Juni 2026.

Tagesschau, 3.6.2026, 19:30 Uhr;weds

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