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Kommunikation der Tiere Wieso Hunde so gut die Absichten der Menschen erkennen

Neuere Studien zeigen auf, wieso Hunde besser als jede andere Art die Handlungen der Menschen lesen und mit ihnen kommunizieren können.

In unserer Beziehung zu Hunden neigen wir dazu, Kommunikation und Sprache zu verwechseln. Sprache im menschlichen Sinne besteht aus Symbolen, Syntax, Abstraktion. Kommunikation ist älter und weiter gefasst: ein Geflecht aus Gesten, Rhythmen, Blicken und geteilten Erwartungen. In diesem ursprünglichen Raum brillieren Hunde seit Jahrtausenden, ohne jemals Worte gebraucht zu haben, um uns zu verstehen – und verstanden zu werden.

In den letzten Jahren haben einige Forschungen begonnen zu messen, was Hundebesitzer und -besitzerinnen intuitiv wissen. An der Universität Genf haben beispielsweise Neurowissenschaftler gezeigt, dass wir spontan Rhythmus und Melodie unserer Stimme verändern, wenn wir mit einem Hund sprechen, und uns dabei den Wahrnehmungsdynamiken seines Gehirns annähern: eine Form natürlicher Abstimmung zwischen verschiedenen Arten.

Schauen Sie den Dokumentarfilm von RSI zur Sprache von Hunden:

In der Zwischenzeit deuten Experimente der Neurophysiologie an der Universität Eötvös Loránd in Budapest darauf hin, dass Hunde nicht nur auf erlernte Befehle reagieren: Sie bilden mentale Repräsentationen von Objekten und Situationen und sind überrascht, wenn unsere Handlungen ihre Erwartungen verletzen. Das ist keine Sprache im menschlichen Sinne: Es ist eine komplexe kommunikative Kompetenz, die aus der Koevolution entstanden ist.

Zu diesen Ansätzen gesellt sich die technologische Kreativität. In den USA wurden am Georgia Institute of Technology – Pionier im Bereich Tier-Computer-Interaktion – Geräte entwickelt, die eine Berührung mit der Schnauze oder eine Körperhaltung in für den Menschen verständliche Signale verwandeln. Im Working Dog Center der Universität von Pennsylvania wiederum experimentiert man mit leichten Vibrationen, die am Körper des Hundes angebracht werden, um ihn in lauten Umgebungen oder bei schlechter Sicht zu leiten und so den Tastsinn in einen neuen Kommunikationskanal zu verwandeln.

Und dann gibt es die künstliche Intelligenz: In den Labors der UC San Diego analysieren Algorithmen Körperhaltungen, Schwanzbewegungen und Mikroverhalten, um emotionale Zustände zu erkennen, die das menschliche Auge kaum wahrnehmen würde. Nicht um Hunde in unsere Sprache zu «übersetzen», sondern um ihre Kommunikationsfähigkeit zu entdecken. Tiere besser zu verstehen, bedeutet nämlich nicht, sie zu vermenschlichen, sondern ihre Andersartigkeit zu akzeptieren, die Signale zu verstärken, die sie bereits nutzen, eine «Sprache» aufzubauen, die unweigerlich auf halbem Weg entsteht.

Verstehen Hunde auch Wörter?

Zu den faszinierendsten und umstrittensten Themen der zeitgenössischen Forschung gehört die Frage: Inwieweit verstehen Hunde menschliche Wörter? Und wenn wir sehen, wie sie Tasten drücken, die Wörter wie «draussen», «spielen» oder «Hilfe» «aussprechen», erleben wir dann das Entstehen einer Form von Sprache oder ein raffiniertes assoziatives Lernen?

Ein schwarzer Hund auf einem Trottoir, der von einer Person an der Leine gehalten wird; beide werfen Schatten.
Legende: Wer mit Hunden lebt, weiss intuitiv, was die Forschung jetzt auch messen kann: Hunde haben besondere Fähigkeiten in der Kommunikation mit Menschen. KEYSTONE/DPA/Ralf Hirschberger

Studien an Tausenden Hunden zeigen ein komplexes und überraschendes Bild. Hunde verwenden Sprache nicht wie wir: Sie bilden weder unendliche noch abstrakte Sätze. Aber sie übertreffen jede andere Art darin, unsere Absichten zu lesen und mit unserer Denkweise zusammenzuarbeiten.

Was die Forschung nahelegt, ist ein Perspektivenwechsel: Es geht nicht darum, Hunden beizubringen, wie wir zu sprechen, sondern fähiger zu werden, ihre Art der Kommunikation zu hören.

RSI, Il giardino di Albert, 23.5.2026, 17 Uhr

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