Kommunikation ist nicht nur ein menschliches Phänomen. Für Tiere ist sie überlebenswichtig – ob bei der Partnersuche, zur Konfliktlösung oder im Zusammenleben der Gruppe.
Tiere kommunizieren vor allem über Körpersprache, Lautäusserungen und Geruch, zum Beispiel durch Duftmarkierungen. Dabei geht es sowohl um Einwegkommunikation als auch um echte Dialoge: Wenn ein Jungtier friert und zittert, reagiert das Elterntier und wärmt es – ohne Rückmeldung. In Tiergruppen hingegen finden komplexe Austausche statt, an denen manchmal mehrere Individuen gleichzeitig beteiligt sind
Die zu kommunizierende Botschaft ergibt sich stets aus dem Gesamtbild: Ein wedelnder Hundeschwanz allein sagt wenig aus. Erst zusammen mit gerunzelter Stirn, gesträubtem Nackenfell oder Körperhaltung ergibt sich der vollständige Sinn. Grundlegende Signale sind angeboren, die feine Anwendung aber wird gelernt – etwa, wann und wie intensiv ein Hund knurrt.
Wie Tiere den Menschen manipulieren
Haustiere wie Hunde und Katzen haben eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt: Sie verstehen es bestens, uns Menschen dazu zu bringen, ihnen zu geben, was sie brauchen. «Man könnte fast sagen, sie manipulieren uns sehr geschickt», sagt Verhaltensbiologin Marianne Heberlein, «nicht umsonst sagt man gelegentlich: Die Katze hat sich den Menschen zum Butler gemacht.»
Diese Kompetenz ist teils angeboren, teils sehr früh erlernt. Je mehr Menschenkontakt ein Tier von klein auf hatte, desto besser kann es mit uns kommunizieren. Katzen, die merken, dass ein bestimmtes Miauen immer zum Ziel führt, setzen es gezielt ein. Manche Hunde bringen sogar die leere Wasserschüssel zum Menschen.
Wissenschaftliche Studien zeigen: Tiere können auch aktiv mit Symbolen kommunizieren lernen. Pferde drücken auf einem Touchscreen-ähnlichen Gerät Bilder, um «Auslauf» oder «Wasser» zu signalisieren. Damit entwickeln Mensch und Tier eine gemeinsame Basisform der Verständigung – noch keine Sprache im linguistischen Sinn, aber weit mehr als blosse Konditionierung.
So verbessern Sie die Kommunikation mit Ihrem Tier
- Tiere sind keine Menschen! Seien Sie sich stets bewusst, dass alles, was Sie über Ihr Tier denken, Ihrer Vorstellung entspringt. Das Tier hat von sich aus keinen Plan von seinem Dasein.
- Zuerst beobachten, dann interpretieren. Schauen Sie Ihr Tier an, ohne sofort eine Geschichte darüber zu erfinden. Viele Details – ein leichtes Anspannen, eine Veränderung der Haltung – gehen verloren, wenn wir zu schnell unsere eigenen Gefühle projizieren.
- Körpersprache schlägt Worte. Tiere reagieren primär auf unsere Haltung, Bewegung und Blickrichtung – nicht auf das gesprochene Wort. Wörter helfen primär uns Menschen, zu kommunizieren und zu koordinieren. Dem Tier selbst nützen sie wenig.
- Gegenseitigkeit zahlt sich aus. Wer rücksichtsvoll auf sein Tier eingeht, bekommt mehr Vertrauen zurück. Das verbessert die Kommunikation auf beiden Seiten.
- Grenzen respektieren. Tiere suchen unter Umständen sehr wohl die Nähe zum Menschen und spenden so bewusst oder unbewusst Trost. Aber nicht alle! Beobachten Sie, ob Ihr Tier Distanz sucht – und nehmen Sie sich dann zurück. Das ist keine Ablehnung, sondern ein klares Signal, das es zu respektieren gilt.