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Roveredo «Die Mafia agiert heute wie multinationale Unternehmen»

Nach der Verhaftung von vier Mafiosi im bündnerischen Roveredo wurden Massnahmen ergriffen, welche den künftigen Zuzug von Mafiosi verhindern sollen. So können Ausländerinnen und Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung B ihre Vorstrafen und laufenden Verfahren selbst deklarieren. Zudem ist es obligatorisch, dass für eine Aufenthaltsbewilligung im Misox – zu dem auch Roveredo gehört – der Strafregisterauszug geprüft werden muss.

Der Journalist Ciro Formisano zeigt sich skeptisch, wie er im Interview mit dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz, RSI, sagt.

Zur Person

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Ciro Formisano hat sich als Journalist auf die Mafia spezialisiert, konkret auf die Clans von Ercolano – jener Region, aus der einige der in Roveredo verhafteten Mafiosi stammen.

Daneben ist er auch als Schriftsteller tätig und hat das Buch «Scacco alla camorra» geschrieben. Darin geht es um die Gemeinschaft von Ercolano, welche gegen die dortige Mafia Widerstand leistet.

RSI: Als wie wirksam beurteilen Sie diese Massnahmen?

Ciro Formisano: Diese Massnahmen stellen sicher ein wichtiges Signal dar, auch wenn ich nicht glaube, dass es ausreicht. Es ist ein erster Schritt, aber nicht der grundlegende. Es sind Hindernisse, die die Mafia theoretisch leicht umgehen kann, indem sie auf unbescholtene Kollaborateure zurückgreift. Meiner Meinung nach müssen wir die Regeln ein wenig ändern, ein System zur klaren Rückverfolgung von Finanzströmen und auch von Rechnungen einführen, wie das italienische Steuerkonto, um rechtzeitig undurchsichtige Transaktionen abzufangen und mit Präventivmassnahmen – etwa Beschlagnahmungen – das Vermögen der Mafiosi zu treffen.

Das Interview mit Ciro Formisano mit deutschen Untertiteln

Aus welchem Grund entscheiden sich Mitglieder der Camorra, gerade in die Schweiz, nach Graubünden zu ziehen?

Die Mafia agiert heute wie multinationale Unternehmen. Sie haben ihren Hauptsitz in den Herkunftsgebieten und Betriebsstätten auf der ganzen Welt. Sie suchen wirtschaftliche Möglichkeiten, Aufträge, staatliche Gelder, und sie treffen sich mit Kanzleien von Notaren und Treuhändern. Sie haben die Schusswaffen weggelegt. Man bedenke nur, dass man für einen Mord lebenslänglich riskiert, für eine gefälschte Rechnung, mit der man Millionen von Euro bewegen kann, höchstens ein paar Monate Haft.

Luftaufnahme einer Stadt mit Häusern, Strassen und umliegender Landschaft.
Legende: Die Gemeinde Roveredo im Kanton Graubünden. Hier wurden vier Mitglieder der Mafia verhaftet. KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Die Bündner Regierung hält eine aktive Rolle verschiedener Akteure im Kampf gegen die Mafia für unerlässlich. Was halten Sie davon?

Giovanni Falcone (der berühmte Mafiajäger) sagte, dass der Kampf gegen die Mafia nicht auf die Arbeit der Justiz beschränkt werden darf. Es braucht Zusammenhalt. Jeder muss seinen Teil erledigen.

Sie sagten, dass die Mafia sich weiterentwickelt, ihr kriminelles Geschäft diversifiziert hat. Glauben Sie, es ist möglich, diese Dynamiken tiefergehend zu verstehen, um sie wirksam zu bekämpfen?

Die Mafiadynamiken rechtzeitig zu erfassen, ist leider fast unmöglich, vor allem, weil die Mafia einen Vorsprung, mehr Geld, mehr Kompetenzen und mehr Ressourcen hat. Sie hat Hacker und Fachleute im Dienst, welche beispielsweise im Darknet unterwegs sind. Auf der anderen Seite gibt es in den italienischen Staatsanwaltschaften noch Computer aus den 90er-Jahren. Meiner Meinung nach muss man in neue Fachkräfte investieren und diese angemessen bezahlen, um zu verhindern, dass diese für die Mafia arbeiten. Nur so können wir vielleicht beginnen, die neueren Strukturen ihrer Wirtschaft zu verstehen.

Das Gespräch führte Grigioni Sera / RSI

Die Dokumentation über die Mafia in Roveredo mit dt. Untertiteln:

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RSI Info, 3.7.2026, 8:52 Uhr ; 

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