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Martina Mousson, gfs.bern: «Thema ist in Mitte der Gesellschaft angekommen»
Aus News-Clip vom 19.08.2021.
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Erste SRG-Umfrage «Überfällig!» – Klare Mehrheit für die «Ehe für alle»

  • Die «Ehe für alle», über die am 26. September abgestimmt wird, geniesst derzeit in der Bevölkerung grosse Unterstützung.
  • In der ersten SRG-Umfrage sprechen sich 69 Prozent für die Vorlage aus, 29 Prozent sind dagegen. Ein Meinungsumschwung ist unwahrscheinlich.
  • Nur Angehörige christlicher Freikirchen und die SVP-Basis lehnen die gleichgeschlechtliche Ehe mehrheitlich ab.

Gemeinsam mit Italien bildet die Schweiz eine Insel in Westeuropa, wenn es um die «Ehe für alle» geht: In beiden Ländern ist nur die eingetragene Partnerschaft möglich. Die gleichgeschlechtliche Ehe – verbunden mit entsprechenden Rechten und Pflichten – existiert nicht.

Bald könnte unser südlicher Nachbar alleine dastehen – wenn man vom Vatikan und weiteren Kleinstaaten absieht: So sprechen sich gemäss der ersten SRG-Umfrage über zwei Drittel der Befragten für die «Ehe für alle» aus.

Pattsituation bei der Initiative Kapitalbesteuerung

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Pattsituation bei der Initiative Kapitalbesteuerung

Die Juso-Initiative «Löhne entlasten, Kapital gerecht besteuern» ist gemäss SRG-Umfrage verhalten in den Abstimmungskampf gestartet. 46 Prozent der Befragten befürworten zurzeit die Vorlage, 45 Prozent lehnen diese ab. Zum Artikel

Breite gesellschaftliche Akzeptanz

Für Martina Mousson vom Forschungsinstitut gfs.bern, das die Umfrage im Auftrag der SRG SSR durchgeführt hat, ist eine Annahme der Vorlage damit sehr wahrscheinlich. «Das Thema ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, gerade auch junge Menschen sind mit einer grossen Selbstverständlichkeit damit aufgewachsen. Heute sehen wir das Resultat davon.»

Ganze 72 Prozent der Befragten finden denn auch, dass die «Ehe für alle» ein längst überfälliger Schritt in Richtung Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare sei.

Für die Politologin reiht sich die «Ehe für alle» in eine regelrechte Abstimmungstradition ein: 2005 wurde über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare abgestimmt; auch beim Urnengang zum Antidiskriminierungsgesetz von letztem Jahr waren Schwule und Lesben ein Thema. «Und jedes Mal war die Unterstützung relativ breit. Die Ablehnung beschränkte sich auf die bekannten Kreise.»

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Mousson: «‹Ehe für alle› stützt sich auf Abstimmungstradition»
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Mehrheitlich gegen die «Ehe für alle» sind derzeit nur Angehörige von Freikirchen und die SVP-Basis, die damit der Parteispitze folgt. Demgegenüber sprechen sich auch Angehörige der reformierten und katholischen Kirchen klar für die zivile Ehe gleichgeschlechtlicher Paare aus.

Aber: Es gibt durchaus Elemente in der Vorlage, die polarisieren. So sollen gleichgeschlechtliche Paare künftig Kinder adoptieren oder per Samenspende zeugen dürfen. «Die Frage der Regenbogenfamilien liefert Stoff für Diskussionen», so Mousson. Konkret werde etwa debattiert, ob durch eine Samenspende für lesbische Paare den Kindern quasi per Gesetz der Vater verboten werde.

Auch in der politischen Mitte gibt es eine kritische Auseinandersetzung mit gewissen Aspekten der Kinderfrage. «Nährboden für Diskussionen gibt es noch bei der Wählerschaft der ‹Mitte› und der FDP», führt die Politologin aus. Hier gibt es starke Minderheiten von 45 bis 49 Prozent, die finden, dass Kinder Vorbilder aus beiden Geschlechtern brauchen und die Ehe als Verbindung von Mann und Frau betrachten.

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Mousson: «Frage der Regenbogenfamilien wird diskutiert»
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Dass auf diesem Nährboden die Saat für einen Meinungsumschwung gelegt werden kann, sei aber angesichts der klaren Mehrheitsverhältnisse unwahrscheinlich, bilanziert Mousson.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 2. und 16. August 2021 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 22’427 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1202 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1202 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 21’225 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Die Aufteilung der Befragten insgesamt auf die Sprachregionen ist wie folgt: 16’624 Personen in der Deutschschweiz, 4’534 in der Romandie und 1’269 in der italienischsprachigen Schweiz.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern führt zwei Umfragen zur Abstimmung vom 26. September 2021 durch. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern.

Abstimmungsspecial

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Heute Morgen, 20.08.2021, 06 Uhr

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104 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
    Der homosexuelle englische mehrfache Olympiamedalliengewinner im Turmspringen, der häckeln als Hobby hat und dessen Sohn sein grösster Fan ist, hat mich begeistert.
  • Kommentar von Ueli Feuz  („Üeu“)
    Ehe für alle OK. Aber Kinder nur mit leiblichem Vater und leiblicher Mutter und so im Sinne der Kinder
    1. Antwort von Fabian Oberlin  (fabian.oberlin)
      Das verstehe ich nicht. Alleinerziehende Eltern sind ja auch akzeptiert. Da sollten ja zwei des selben Geschlechts nicht "schlechter" sein...
  • Kommentar von Nico Stäger  (Nico Stäger)
    Es geht hier doch primär um ein Recht jedes Kindes auf einen uneingeschränkten Zugang zum biologischen Vater. Wir wissen doch, wie sehr viele Kuckuckskinder, Verdingkinder, etc. ein Leben lang darunter leiden, dass sie den biologischen Vater nicht kennen. Selbstverständlich Ja, zu einer Ehe für Alle; aber eben auch ein klares Nein zu Egoismus in der "Kinderproduktion".