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Boom der Fidget Toys Kneten und Klicken für die Konzentration – hilft das wirklich?

Fidget Toys versprechen weniger Stress und mehr Fokus. Wem sie helfen – und welche Alternativen es gibt.

Es wird gedrückt, gedreht und herumgefingert. Was einst als Kinderspielzeug galt, liegt heute auf Bürotischen und in Therapieräumen: Fidget Toys – zu Deutsch etwa «Zappel-Spielzeuge» – sollen gegen Stress, Unruhe und Konzentrationsprobleme helfen.

Schon früher wurden Quetschbälle – oft leicht ironisch – als «Stressbälle» verkauft. Kein Vergleich zur heutigen Produktvielfalt, sagt Dominique Druey vom Winterthurer Spielwarengeschäft Jugglux: «Mittlerweile gibt es fast wöchentlich neue Ware, die man bestellen könnte.»

Taucht ein neues Produkt auf Social Media auf, wollen es alle sofort haben. «Die Kunden kommen und fragen: ‹Habt ihr das schon?› Das hat in den letzten ein, zwei Jahren wirklich stark zugenommen.»

ADHS trifft Fidget-Boom

Der Hype wird durch ein weiteres Social-Media-Dauerthema befeuert: ADHS. Viele Fidget Toys werden bei Konzentrationsproblemen oder innerer Unruhe angepriesen und als «ADHS-Spielzeug» vermarktet.

So werden alltägliche Verhaltensweisen rasch mit ADHS gleichgesetzt. Psychologin Victoria Block warnt vor solchen Schlüssen: «Das Bedürfnis, herumzufingern, ist erst einmal in keiner Form ein Hinweis auf eine psychische Erkrankung, sondern etwas sehr Menschliches.»

Der Ursprung des «Zappeldrangs»

Denn dass Menschen Bewegung nutzen, um besser bei der Sache zu bleiben, ist nichts Neues: Wippende Füsse, Notizblock-Kritzeleien oder nervöses Kugelschreiber-Gedrücke kennen die meisten von sich selbst oder von ehemaligen Sitznachbarn.

Langes Stillsitzen und Konzentrieren verlangen Kontrolle. Irgendwann wächst der Bewegungsdrang. Fidget Toys geben diesem Drang bloss einen neuen Kanal.

Für das wirkliche Wiederherstellen der Konzentration funktioniert das nicht.
Autor: Sebastian Ludyga Sportwissenschaftler Universität Basel

In Studien konnte durch den Einsatz von solchen Spielzeugen jedoch keinerlei Verbesserung von Konzentration und Leistung festgestellt werden, weiss auch Sport- und Bewegungswissenschaftler Sebastian Ludyga: «Im Bereich Stressreduktion, Angstreduktion, da funktioniert das gut. Aber für das wirkliche Wiederherstellen der Konzentration nicht.»

Person mit EEG-Kappe sitzt vor einem Computerbildschirm.
Legende: An der sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel wird untersucht, wie vorgängige Bewegung Hirnströme und Ergebnisse in kognitiven Tests beeinflusst. SRF

Wer geistig wieder auf Touren kommen will, sollte besser aufstehen. Eine Bewegungspause lasse Körper und Gehirn hochfahren. Dadurch würden Ressourcen frei, die danach für die Arbeit bereitstünden.

Fünf bis zehn Minuten mit spürbar höherer Herzfrequenz würden laut Ludyga genügen, um danach bis zu zwei Stunden leistungsfähiger zu sein. Sinnvoll sei die Bewegung insbesondere dann, wenn die Konzentration üblicherweise absackt – beispielsweise zur Mittagszeit.

Nicht jeder Quetschball hilft

Wer dennoch auf kleine Zappel-Spielzeuge als Unterstützung setzt, sollte leise Gegenstände wählen, die sich bedienen lassen, ohne hinzusehen. «Wenn ein Gegenstand blinkt, Geräusche macht, sich stark bewegt, bunt oder zu interessant ist, leidet die Konzentration noch mehr», sagt Block.

Hitze: Wenn der Quetschball zur Gefahr wird

Box aufklappen Box zuklappen

Mit Gel gefüllte Quetschbälle – sogenannte Squishies – können sich bei starker Hitze aufblähen und platzen. In den USA erlitt eine 13-Jährige Verbrennungen, nachdem ein Squishie in einem aufgeheizten Auto geplatzt war und heisses Silikongel austrat.

Britische Kinderspitäler warnen zudem vor einem Social-Media-Trend: Kinder erhitzen Squishies in der Mikrowelle, um sie weicher zu machen. Ein Spital in Glasgow behandelte innert acht Monaten sechs verletzte Kinder, teils mit schweren Verbrennungen.

Hersteller warnen davor, die Produkte zu erhitzen, einzufrieren oder in die Mikrowelle zu legen. In der Schweiz sind zum Zeitpunkt des Berichts keine entsprechenden Fälle bekannt.

Bei länger anhaltenden Kon­zentra­tions­schwierig­keiten sollte der Griff zum nächsten Quetschball, gemäss den Fachpersonen aus Psychologie und Bewegung, nicht die erste Massnahme sein. «Die allererste Empfehlung wäre abzuklären, ob die Person genug schläft, ob sie sich gut ernährt und ob sie sich im Alltag genug bewegt», sagt Block.

Gerät einer dieser drei Bereiche aus dem Lot, könne rasch der Eindruck entstehen, die eigene Konzentration lasse nach. Ein Fidget Toy kann dann zwar die unmittelbare Unruhe besänftigen – die Ursache behebt es aber nicht.

10vor10, 27.7.2026, 21:50 Uhr;weds

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