Es wird gedrückt, gedreht und herumgefingert. Was einst als Kinderspielzeug galt, liegt heute auf Bürotischen und in Therapieräumen: Fidget Toys – zu Deutsch etwa «Zappel-Spielzeuge» – sollen gegen Stress, Unruhe und Konzentrationsprobleme helfen.
Schon früher wurden Quetschbälle – oft leicht ironisch – als «Stressbälle» verkauft. Kein Vergleich zur heutigen Produktvielfalt, sagt Dominique Druey vom Winterthurer Spielwarengeschäft Jugglux: «Mittlerweile gibt es fast wöchentlich neue Ware, die man bestellen könnte.»
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Bild 1 von 6. Kleine Helfer für unruhige Hände: Spielwarengeschäfte wie Jugglux in Winterthur führen heute eine breite Auswahl verschiedenster ausgefallener Fidget Toys. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 6. Kleine magnetische Kugeln mit verschiedenen Oberflächen reizen den Tastsinn und lassen sich zwischen den Fingern rollen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 6. Drücken, schieben, klicken: Ein Fidget Cube bündelt verschiedene Funktionen in einem kleinen Würfel. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 6. Dieser transparente Quetschwürfel ist mit Maltose gefüllt und kehrt nach dem Zusammendrücken langsam wieder in seine Ursprungsform zurück. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 6. Die beweglichen Glieder dieses Fidget Toys lassen sich beliebig verdrehen. Gemäss Dominique Druey sei dieses Fidget Toy insbesondere bei Menschen auf dem Autismusspektrum beliebt. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. Der Klassiker: Einfache Quetschbälle – damals noch leicht ironisch als Stressbälle bezeichnet – verkaufte Jugglux bereits vor rund 20 Jahren. Bildquelle: SRF.
Taucht ein neues Produkt auf Social Media auf, wollen es alle sofort haben. «Die Kunden kommen und fragen: ‹Habt ihr das schon?› Das hat in den letzten ein, zwei Jahren wirklich stark zugenommen.»
ADHS trifft Fidget-Boom
Der Hype wird durch ein weiteres Social-Media-Dauerthema befeuert: ADHS. Viele Fidget Toys werden bei Konzentrationsproblemen oder innerer Unruhe angepriesen und als «ADHS-Spielzeug» vermarktet.
So werden alltägliche Verhaltensweisen rasch mit ADHS gleichgesetzt. Psychologin Victoria Block warnt vor solchen Schlüssen: «Das Bedürfnis, herumzufingern, ist erst einmal in keiner Form ein Hinweis auf eine psychische Erkrankung, sondern etwas sehr Menschliches.»
Der Ursprung des «Zappeldrangs»
Denn dass Menschen Bewegung nutzen, um besser bei der Sache zu bleiben, ist nichts Neues: Wippende Füsse, Notizblock-Kritzeleien oder nervöses Kugelschreiber-Gedrücke kennen die meisten von sich selbst oder von ehemaligen Sitznachbarn.
Langes Stillsitzen und Konzentrieren verlangen Kontrolle. Irgendwann wächst der Bewegungsdrang. Fidget Toys geben diesem Drang bloss einen neuen Kanal.
Für das wirkliche Wiederherstellen der Konzentration funktioniert das nicht.
In Studien konnte durch den Einsatz von solchen Spielzeugen jedoch keinerlei Verbesserung von Konzentration und Leistung festgestellt werden, weiss auch Sport- und Bewegungswissenschaftler Sebastian Ludyga: «Im Bereich Stressreduktion, Angstreduktion, da funktioniert das gut. Aber für das wirkliche Wiederherstellen der Konzentration nicht.»
Wer geistig wieder auf Touren kommen will, sollte besser aufstehen. Eine Bewegungspause lasse Körper und Gehirn hochfahren. Dadurch würden Ressourcen frei, die danach für die Arbeit bereitstünden.
Fünf bis zehn Minuten mit spürbar höherer Herzfrequenz würden laut Ludyga genügen, um danach bis zu zwei Stunden leistungsfähiger zu sein. Sinnvoll sei die Bewegung insbesondere dann, wenn die Konzentration üblicherweise absackt – beispielsweise zur Mittagszeit.
Nicht jeder Quetschball hilft
Wer dennoch auf kleine Zappel-Spielzeuge als Unterstützung setzt, sollte leise Gegenstände wählen, die sich bedienen lassen, ohne hinzusehen. «Wenn ein Gegenstand blinkt, Geräusche macht, sich stark bewegt, bunt oder zu interessant ist, leidet die Konzentration noch mehr», sagt Block.
Bei länger anhaltenden Konzentrationsschwierigkeiten sollte der Griff zum nächsten Quetschball, gemäss den Fachpersonen aus Psychologie und Bewegung, nicht die erste Massnahme sein. «Die allererste Empfehlung wäre abzuklären, ob die Person genug schläft, ob sie sich gut ernährt und ob sie sich im Alltag genug bewegt», sagt Block.
Gerät einer dieser drei Bereiche aus dem Lot, könne rasch der Eindruck entstehen, die eigene Konzentration lasse nach. Ein Fidget Toy kann dann zwar die unmittelbare Unruhe besänftigen – die Ursache behebt es aber nicht.