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Herzspezialist ordnet ein Emotionen an der WM: Warum Fussball wortwörtlich ans Herz geht

Ein spannender Match an der Fussballweltmeisterschaft kann den Körper belasten. Aber es gibt auch positive Wirkungen.

Achterbahnfahrt der Gefühle: Für den Körper ist Match-Schauen ein Auf und Ab wie auf einer Achterbahn. Das sagt Jan Kleeberger, Herzspezialist am Universitätsspital Zürich. Der Körper stosse sowohl auf der Achterbahn als auch beim Fussballschauen Adrenalin aus, das löse eine ähnliche Fluchtreaktion aus wie bei Gefahr. «Der Körper kann da gar nicht unterscheiden, ist das nun Penaltyschiessen oder eine echte Gefahr», sagt Kleeberger, der die Situation als Fussballfan auch aus eigener Erfahrung kennt. Darum stiegen sowohl Pult als auch Blutdruck – da sei ein intensives Fussballspiel durchaus vergleichbar mit einem leichten Ausdauertraining.

Schlecht fürs Herz: Die höhere Belastung des Körpers während des Match-Schauens kann buchstäblich aufs Herz gehen. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2014 hat festgestellt, dass sich während wichtiger Fussballspiele die Wahrscheinlichkeit von Herzinfarkten um das Zweieinhalbfache erhöhen kann, sagt Kleeberger, Oberarzt der Klinik für Kardiologie am Universitätsspital Zürich. Das sei auch durchaus plausibel, denn das Adrenalin sorge nicht nur für höheren Puls und Blutdruck, sondern auch dafür, dass die Blutplättchen eher verklumpen. «Gerade bei empfindlichen Leuten kann das dann auch mal in einer Herzkranzarterie hängenbleiben, dieses verklumpte Blut. Und das kann dann zu einem Herzinfarkt führen.» Ob das eigene Team dabei führt oder hinten ist, spiele dabei keine Rolle – entscheidend sei dabei die Aufregung an sich.

Risikofaktoren verschlimmern die Belastung: Zur Gefahr wird ein Fussballspiel aber nur für Menschen, die schon eine Vorbelastung haben, wie Herzspezialist Kleeberger sagt. Das betreffe insbesondere Menschen, die lange geraucht haben, die schon länger unter Bluthochdruck leiden, hohe Cholesterinwerte oder ein familiäres Risiko haben. Betroffene sollten weitere Belastung vermeiden, also beispielsweise nicht auch noch exzessiv Alkohol trinken während des Matches.

Wie sehr leiden England-Fans? BBC hat den Test gemacht (engl.)

Gut für den Geist: Fussballschauen kann aber auch positive Effekte haben, betont Jan Kleeberger – vor allem, wenn man das Spiel gemeinsam mit anderen schaue. Das setze dann das Sozialhormon Oxytocin frei, das für stärkere Bindungen sorge und für soziale Integration. «Und gute soziale Bindungen sorgen dafür, dass man ein geringeres Risiko hat, langfristig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.» Gerade bei älteren Menschen sei nämlich Einsamkeit schlecht fürs Herz. Zudem sei das ein guter Ausgleich, um einfach mal für mindestens zwei Stunden abzuschalten. Und letztlich habe dieses leichte Auf und Ab ja eben den Effekt eines leichten Ausdauertrainings.

Zusatzgefahr Hitze: Derzeit gibt es noch ein zusätzliches Risiko für den Kreislauf: Die Hitze sorge dafür, dass die Blutgefässe weit würden, sagt Kleeberger. Darum müsse das Herz ohnehin mehr arbeiten. Deswegen sei es noch wichtiger, ausreichend zu trinken, und wenn möglich dafür zu sorgen, dass man das Spiel an einem möglichst kühlen Ort schauen könne.

Nicht nur beim Fussball: Kardiologe Kleeberger vermutet, dass auch das Schauen anderer Sportarten ähnliche Effekte haben könne. Allerdings seien Effekte des Fussballs als weltweit populärste Sportart schlicht besser untersucht.

SRF 4 News, 24.06.2026, 17:15 Uhr ; 

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