Ägypten schiebt Al-Dschasira-Journalisten Peter Greste ab

Nach 400 Tagen im Gefängnis ist der australische Reporter von Al-Dschasira, Peter Greste, aus Ägypten abgeschoben worden. Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat ein entsprechendes Dekret unterschrieben. Zwei Journalisten von Al-Dschasira bleiben aber weiterhin inhaftiert.

Baher Mohammed, Mohammed Fahmy und Peter Greste in weisser Gefängniskleidung vor Gericht in Kairo. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Peter Greste (R) ist nach Zypern abgeschoben worden. Baher Mohammed (L) und Mohammed Fahmy (M) bleiben weiter in Haft. Keystone

Nach 400 Tagen im Gefängnis ist der australische Reporter Peter Greste, der für Al-Dschasira arbeitet, aus Ägypten abgeschoben worden. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat ein entsprechendes Dekret unterzeichnet.

Die australische Aussenministerin Julie Bishop bestätigte die Ankunft von Greste auf Zypern. Er sei von Kairo nach Larnaka geflogen, wo er von australischen Konsularbeamten empfangen wurde. Bishop hat mit ihm kurz nach der Freilassung gesprochen, berichtet der britische «Guardian». «Er war ungemein erleichtert und freue sich extrem, nach Australien zu seiner Familie heimzukommen», sagte sie gegenüber Reportern in Sydney.

Präsidiales Dekret zur Abschiebung

Laut dem «Guardian» bestätigte ein Sprecher des ägyptischen Innenministeriums, dass ein präsidiales Dekret vorliege, in dem Greste für die Verbüssung seiner verbleibenden Haftstrafe nach Australien abgeschoben werde. Das Aussenministerium habe sich mit der australischen Botschaft abgesprochen. Greste sei um 16:10 Uhr Ortszeit aus Kairo abgeflogen. Der Erlass erlaubt es ausländischen Strafgefangenen, ihre Haft im Heimatland abzusitzen.

Al-Dschasira will Freilassung aller Journalisten

In einer Presseerklärung rief der Fernsehsender Al-Dschasira in Katar die ägyptische Justiz dazu auf, nach Greste auch die beiden anderen Journalisten Mohammed Fahmy und Baher Mohammed freizulassen. Die Justiz habe «die Macht, das heute noch anständig zu beenden», hiess es.

Die drei Journalisten waren Ende 2013 in einem Hotel in Kairo festgenommen worden. Sie hatten über die Muslimbruderschaft berichtet, die kurz zuvor in Ägypten als Terrororganisation verboten wurde. Ägypten warf ihnen daraufhin die Unterstützung der Bruderschaft und damit einer terroristischen Organisation vor. Ein Gericht verurteilte sie im Juni 2014 zu Haftstrafen zwischen sieben und zehn Jahren. Das Urteil stiess weltweit auf scharfe Kritik.

Abschiebung nur von Ausländern

Nach Grestes Freilassung zählt nun auch die Familie von Mohammed Fahmy auf eine baldige Freilassung. «Wir hoffen, er kommt als nächstes dran», sagte seine Verlobte der Deutschen Presse-Agentur. Fahmy hat die Nationalität von Ägypten und Kanada. Nach dem von Al-Sisi offenbar bereits im November erlassenen Dekret können verurteilte Ausländer in ihre Heimat ausgewiesen werden. Fahmys Familie machte keine Angaben, ob er für das Dekret seine ägyptische Staatsbürgerschaft aufgibt.

Zumindest der dritte Journalist, der Ägypter Baher Mohammed, ist von dieser Regelung ausgeschlossen. Er kann allein auf die Justiz hoffen: Anfang Januar hatte ein Gericht in Kairo einen Berufungsprozess für die drei Journalisten angesetzt. Ein Termin steht bisher jedoch noch nicht fest.