Al-Dschasira-Journalisten in Ägypten zum Tode verurteilt

Ägypten wirft dem TV-Sender Al-Dschasira vor, die Muslimbrüder zu unterstützen. Erneut gibt es ein Urteil gegen Mitarbeiter des Kanals. Zwei Journalisten wurden zum Tode verurteilt. Nun steht noch eine Stellungnahme des ägyptischen Grossmuftis aus.

Wegen Verrats von Staatsgeheimnissen hat ein Gericht in Kairo zwei Mitarbeiter des Nachrichtenkanals Al-Dschasira sowie vier weitere Angeklagte zum Tode verurteilt. Ihnen war vorgeworfen worden, heikle Informationen an das Emirat Katar weitergegeben zu haben, wie die Nachrichtenseite Al-Ahram meldete.

Urteil noch nicht definitiv

Die beiden Al-Dschasira-Mitarbeiter und eine weitere angeklagte Journalistin wurden in Abwesenheit verurteilt, da sie sich ausserhalb des Landes aufhalten. Das Urteil gegen den ebenfalls angeklagten ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi wurde hingegen auf den 18. Juni verschoben, wie der Richter erklärte.

Logo von Al-Dschasira. Im Hintergrund Silhouette eines Mannes. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mitarbeiter von Al-Dschasira wurden zum Tode verurteilt. Dem Sender wird vorgeworfen, die Muslimbrüder zu unterstützen. Reuters

Bei den Todesstrafen handelt es sich um vorläufige Urteile. Der Richter überwies die Fälle an Ägyptens Grossmufti Schauki Allam, der als höchste religiöse Instanz des Landes zu dem Richterspruch eine Stellungnahme abgeben muss, die jedoch nicht bindend ist.

Der zum Tode verurteilte Al-Dschasira-Journalist Ibrahim Hilal sagte dem Sender, das Urteil komme nur wenige Tage nach einem «der grössten Verstösse gegen die Pressefreiheit in Ägypten». Sicherheitskräfte hatte am Sonntag bei einer Razzia in der Kairoer Zentrale des Journalistenverbandes zwei Reporter festgenommen.

Nicht zum ersten Mal TV-Mitarbeiter verurteilt

Der Nachrichtenkanal Al-Dschasira wird von Katar finanziert. Die Regierung in Kairo wirft dem Sender vor, die in Ägypten verbotenen islamistischen Muslimbrüder zu unterstützen. Im vergangenen Jahr waren drei Reporter des Senders zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil sie die Organisation unterstützt haben sollen. Zwei von ihnen wurden von Präsident Abdel Fattah al-Sisi begnadigt. Der dritte, der Australier Peter Greste, hatte vor dem Urteil das Land verlassen.