Am Iran scheiden sich die Geister

Israels Premier Netanjahu traut der Charme-Offensive des neuen iranischen Präsidenten Rohani nicht: Vor seiner Abreise in die USA kündigte er klare Worte zum Thema an. Sein achtes Treffen mit US-Präsident Obama steht im Zeichen Irans und der Krise in Syrien.

«Ich gehe davon aus, dass es ein richtiges Business-Meeting wird», sagt Gisela Dachs gegenüber SRF. Die Journalistin lebt in Tel Aviv und ist Korrespondentin für «Die Welt».

Es ist kein Geheimnis, dass sich Barack Obama und Benjamin Netanjahu eher schwertun miteinander. Doch beide hätten schon vor längerer Zeit beschlossen, dass ihr persönliches Verhältnis keine Rolle spielen dürfe, erklärt die Journalistin weiter. Die Zusammenarbeit als Regierungschefs stehe bei beiden im Zentrum.

Grossaufnahme von hinten-rechts: Obama (inks) und Netanjahu im Profil. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Obama und Netanjahu beim letzten Treffen in Israel im März. Reuters

Iran ist Hauptthema des Treffens

Das heutige Treffen in Washington wird mit Spannung erwartet: Wie bewerten die beiden Regierungschefs den Fortgang des Atomstreits mit dem Iran? Obama hat kürzlich erstmals mit dem neuen Präsidenten Hassan Rohani telefoniert. Anschliessend sagte der US-Präsident, er halte eine diplomatische Lösung mit Teheran für möglich.

Dies sieht Netanjahu äusserst skeptisch: Gisela Dachs sagt, der israelische Premier wolle zuerst konkrete Beweise sehen für Nicht-Existenz des iranischen Atomprogramms, bevor an eine Aufhebung der Sanktionen zu denken sei. Insofern übernehme Netanjahu die Rolle des Spielverderbers.

Sie gehe davon aus, dass er Obama zur Untermauerung seiner kritischen Haltung auch nachrichtendienstliches Material vorlegen werde. Israel glaubt nach wie vor, dass der Iran entgegen den eigenen Angaben an einer Atombombe baut.

Gespräch mit Gisela Dachs, Journalistin in Tel Aviv.

3:49 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.09.2013

Wie stark ist Obama?

Derzeit wird in Israel jede Geste des US-Präsidenten haargenau mitverfolgt: Quasi als Generalprobe für den Fall Iran werde Obamas Verhalten in der Syrien-Frage beobachtet, erklärt die Journalistin in Tel Aviv: «Welche Stärke strahlt Obama aus? Droht er etwas an und tut dann doch nichts?» Deshalb seien die Israelis auch sehr skeptisch, wenn Obama nun von der möglichen Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran spreche – ohne irgendwelche Beweise, dass es kein Atombomben-Programm gibt.

Denn ausser der Rhetorik habe mit Rohani im Vergleich zu dessen Vorgänger Ahmadinedschad nichts geändert: Auch letzterer habe stets betont, das Atomprogramm habe nur zivilen Charakter, sagt Dachs mit Blick auf die Haltung der Israelis. «Es ist ein neuer Tonfall da – das ist alles.» Nur, dass Rohani nicht mehr gegen Israel und die Juden hetze, sei anders.