Amoklauf in München: Das Protokoll zum Nachlesen

Beim Amoklauf eines 18-Jährigen in München sind – inklusive Täter – zehn Menschen ums Leben gekommen. Dutzende weitere wurden verletzt. Die Polizei spricht von einem Einzeltäter. Kanzlerin Merkel und Innenminister Thomas de Maizière lobten die Arbeit der Sicherheitskräfte. Der Ticker zur Bluttat.

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Bildlegende: Trauer in München: Eine Familie zündet Kerzen im Gedenken an die Opfer an. Reuters

Amoklauf in Münchner Einkaufszentrum

Der Ticker ist abgeschlossen.
  • In einem Einkaufszentrum in München hat es am frühen Freitagabend eine Schiesserei gegeben.
  • Die Münchner Polizei bestätigt neun Todesopfer durch Schüsse, überwiegend Jugendliche. 27 Menschen wurden verletzt. Viele davon verletzten sich aber nicht durch Schüsse, sondern als sie in Panik gerieten.
  • Laut Polizei ist der Täter ein 18-jähriger Deutsch-Iraner der als Einzeltäter gehandelt und sich dann selbst getötet hat.
  • Der Täter hatte keinen Bezug zum IS, interessierte sich aber für Amokläufe. Er war zudem depressiv.
  • Er hatte eine Pistole und 300 Schuss Munition dabei.
  • Womöglich gibt es eine Verbindung zum Attentat von Anders Breivik in Norwegen, das sich am Freitag zum fünften Mal jährte.
  • 15 :32

    De Maizière: «Keine nachrichtendienstliche Erkenntnisse zum Täter»

    Der Amokläufer von München war nach Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt. «Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt», sagte er am Samstag in Berlin.

    Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. «Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person.» De Maizière bestätigte, dass der 18-jährige Deutsch-Iraner nach bisherigen Informationen «mit hoher Wahrscheinlichkeit» als Einzeltäter gehandelt habe.

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    Bildlegende: «Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat der Täter alleine gehandelt»: Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Keystone

  • 15 :30

    Bayerischer Innenminister will Fehlalarme untersuchen

    Angesichts Tausender Notrufe in den Stunden nach dem Amoklauf in München will der bayerische Innenminister Joachim Herrmann den Ursachen für die zahlreichen Fehlalarme auf den Grund gehen.

    «Wir werden versuchen, einigermaßen nachzuvollziehen, inwieweit manche Anrufe und manche Behauptungen wirklich Folge irriger Wahrnehmung waren», sagte der Minister am Samstag nach einer Sondersitzung des bayerischen Kabinetts.

    Er wolle niemanden, der eine Gefahr sehe, von einem Notruf abhalten, betonte Herrmann. «Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Aber wenn jemand das missbraucht, ist das schändlich.»

    Der Innenminister beklagte, es werde täglich «sehr viel Blödsinn in sozialen Netzwerken verbreitet». In einer schwierigen Situation, etwa wenn wenige Polizeikräfte vor Ort seien oder sie wegen eines Notrufs unnötig an einen anderen Ort geschickt würden, könne ein bewusst falscher Anruf das Leben von Menschen gefährden.

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    Bildlegende: «Es wird täglich sehr viel Blödsinn in sozialen Netzwerken verbreitet»: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Keystone

  • 15 :09

    Polizeiermittlungen in Gang

    Die Polizei ermittelt noch immer vor Ort. Sie bittet auf Twitter für Verständnis dafür, dass keine Autos aus dem Parkhaus des Einkaufszentrums weggefahren werden dürfen.

    Tweet Polizei München

  • 15 :05

    Pressekonferenz der Bundeskanlerin ist beendet

    Die Bundeskanzlerin hat ihre Stellungnahme zum Amoklauf in München geschlossen.

  • 15 :04

    Merkel: «Wir werden nicht ruhen, bis wir die Hintergründe kennen»

    Merkel erklärt: «Wir werden herausfinden, was genau hinter der Tat in München stand.» Auch werde man nicht ruhen, «bis wir präzise wissen, wie sich der Täter von Würzburg radikalisierte».

    Der Staat und die Sicherheitsbehörden würden auch weiterhin alles daran setzen, «um die Sicherheit und die Freiheit aller Menschen in Deutschland zu sichern.»

  • 14 :56

    Merkel: «Kann jeden verstehen, der mit Beklommenheit auf eine Menschenmenge zugeht»

    Zu den Terroranschlägen und zur Amoktat in München erklärt Merkel: «Immer sind es Orte, bei denen es jeden von uns hätte treffen können.» So könne sie jeden verstehen, der «heute mit Beklommenheit auf eine Menschenmenge zugeht und im Hinterkopf die Frage hat, ob er dann sicher ist».

    Zuversicht könne einem in solchen Momenten vor allem eines geben: Die «grossartigen» Sicherheitskräfte. Die Münchner und die bayerische Polizei habe in der vergangenen Nacht zusammen mit anderen Polizeikräften hochprofessionelle Arbeit geleistet. Sie habe «eine Millionstadt in einer über Stunden unübersichtlichen Lage» gesichert und besonnen kommuniziert. «Sie geben alles, genauso wie die Rettungskräfte», so Merkel.

    Auch den Münchnern spricht die Kanzlerin einen «besonderen Dank» aus. Sie hätten ruhig auf die Aufforderungen der Polizei reagiert, sich gegenseitig unterstützt, Wohnungen für Fremde geöffnet. «Damit haben sie gezeigt, wie wir in einer freien und mitmenschlichen Gesellschaft zusammenleben.» Darin liege die grösste Stärke Deutschlands.

    Zudem bedankt sie sich bei den vielen Ländern und Offiziellen, die ihr Beileid bekundeten und ihre Unterstützung zusagten.

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    «Mein besonderer Dank geht an die Münchner»

    1:50 min, vom 23.7.2016

  • 14 :44

    Merkel: «So eine Nacht ist schwer zu ertragen»

    Merkel sagt, alle seien auch mit ihren Gedanken bei den Verletzten. «Mögen sie rasch und vor allem vollkommen genesen.» Und dafür sämtliche Unterstützung finden.

    «So ein Abend, so eine Nacht sind schwer zu ertragen. Sie sind umso schwerer zu ertragen, da wir viele Schreckensnachrichten binnen ganz weniger Tage hinnehmen mussten», erklärt Merkel mit Bezug auf die Anschläge in Nizza und Würzburg. Noch immer ringten Schwerverletzte mit ihrem Leben. «Meine Gedanken sind auch heute bei ihnen.»

  • 14 :39

    Merkel: «Eine Nacht des Schreckens»

    Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt an einer Pressekonferenz: «Hinter uns, vor allem hinter den Menschen in München, liegt eine Nacht des Schreckens.»

    Alle stünden noch unter dem Eindruck der Bilder und Augenzeugeberichte des Vorabends. Neun Menschen seien tot, getroffen von den Kugeln eines einzelnen Täters.

    Die Kanzlerin sei eben über den neusten Stand der Ermittlungen informiert worden. Die Zusammenarbeit zwischen Bundesbehörden und den Behörden in Bayern sei von Anfang an nahtlos und eng gewesen. Dafür dankt Merkel.

    «Wir alle trauern mit schwerem Herzen um die, die nie mehr zu ihren Familien zurückkehren werden.»

    Angela Merkel Bild in Lightbox öffnen.

    Bildlegende: Nimmt Stellung zum Amoklauf in München: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Keystone

  • 14 :23

    Pressekonferenz von Angela Merkel

    Um 14.30 Uhr wird Bundeskanzlerin Angela Merkel Stellung nehmen zum Amoklauf von München.

  • 13 :45

    «Papa, die schiessen noch»

    Ein kleiner Junge versucht Teelichte an der provisorischen Gedenkstätte anzünden. Immer wieder müht er sich mit dem Feuerzeug ab, immer wieder löscht ein sanfter Wind die Flamme. Der Dreijährige war mit seinem Vater beim Einkaufen, als die Schüsse fielen.

    «Ich wohne gleich um die Ecke, ich habe meinen Sohn so schnell wie möglich nach Hause gebracht», erzählt der Mann mit kurdischen Wurzeln, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Er wirkt geschockt.

    «Ich habe die Verletzten gesehen, zwei Leichen, die bluten», erinnert er sich. «Ich habe mit einer Mutter eines Verletzten gesprochen, dass es ihren Sohn gut geht und er sagte, ich will nicht sterben aber ich sterbe. Das hat mich fast fertig gemacht.» Auch sein Sohn muss das Erlebte noch verarbeiten. «Der Junge fragt mich immer wieder: Papa, die schiessen noch. Schrecklicher Moment, den wir gesehen haben.»

    Kleiner Junge zündet Teelichter an Bild in Lightbox öffnen.

    Bildlegende: Verarbeitung des Erlebten: Ein kleiner Junge zündet Teelichter an. Reuters

  • 13 :41

    «Das war Mein Sohn»

    Mit einem Strauss roter Rosen steht Naim Zabergja etwas unsicher auf der Rückseite des Olympia-Einkaufszentrums (OEZ) im Nordwesten Münchens. In der Hand hält er ein Foto: Der 20-Jährige darauf lächelt offen und freundlich in die Kamera, die Haare sorgsam gestylt. «Das war mein Sohn», sagt Zabergja und hält die Fotografie in die Kamera.

    Das OEZ in einem der ärmeren Stadtviertel im Nordwesten Münchens, in dem viele Migranten wohnen, bietet viele Restaurants und Geschäfte. Alle namhaften Ketten sind hier vertreten. Bei Jugendlichen ist es ein beliebter Treffpunkt.

    Auch Zabergjas Sohn hatte sich dort mit einem Freund verabredet. An diesem schwülwarmen Sommerabend sassen sie draussen, sie wollten eine Limo trinken. Doch dann kam der Amokschütze und feuerte Schüsse ab.

    «Sein Freund ist weggelaufen, meinen Sohn hat er getötet», erzählt Zabergja, der aus dem Kosovo stammt. Seine Stimme wird heiser, doch er redet weiter. Zwei Töchter hat er noch, vier Enkelkinder. Dijamant war der einzige Sohn, geboren in München. Der 20-Jährige machte eine Ausbildung am Flughafen. Dass er jetzt tot sein soll - für den Vater nur schwer zu begreifen.

    Mann mit Rosen in der Hand spricht mit einer Polizistin Bild in Lightbox öffnen.

    Bildlegende: Trauernder Vater: Naim Zabergja spricht mit einer Polizistin über den Verlust seines Sohnes. Reuters

  • 12 :51

    Staatsempfang abgesagt

    Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat nach dem Amokauf von München den Staatsempfang zum Beginn der Bayreuther Festspiele am Montag abgesagt. Dies gebiete der Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen, teilte er nach einer Sondersitzung des bayerischen Kabinetts in München mit.

  • 12 :47

    Die Medienkonferenz ist beendet

    Die Ermittler beschliessen die Medienkonferenz zum Amoklauf von Freitagabend.

  • 12 :33

    Anders Behring Breivik als Vorbild?

    Die Ermittler gehen von einem Zusammenhang mit dem Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik aus. «Diese Verbindung liegt auf der Hand», sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

    Video «Behörden erwägen Zusammenhang mit Breivik-Atentat» abspielen

    Behörden erwägen Zusammenhang mit Breivik-Atentat

    0:22 min, vom 23.7.2016

  • 12 :28

    Opferbezug zum Täter?

    Es ist noch nicht klar, ob es Opfer gab, die einen Bezug zum Täter hatten. Das werde untersucht, dazu werde das gesamte Umfeld des 18-Jährigen untersucht.

  • 12 :25

    Der Münchner Polizeipräsident spricht vor den Medien

    Video «Hubertus Andrä zu den Hintergründen der Tat» abspielen

    Hubertus Andrä zu den Hintergründen der Tat

    1:05 min, vom 23.7.2016

  • 12 :13

    Nur Einheimische unter den Opfern

    Die Toten stammten alle aus München und Umgebung. Es seien keine Auswärtigen oder Touristen betroffen gewesen, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä.

  • 12 :12

    Kein Abschiedsbrief gefunden

    Bisher wurde kein Abschiedsbrief des Täters gefunden. Die Eltern des 18-Jährigen seien nicht mehr vernehmungsfähig gewesen.

  • 12 :10

    Überwiegend jugendliche Opfer

    Die Getöteten sind überwiegend unter 20 Jahre alt. Bei den Opfern handelt es sich um drei 14-Jährige, zwei 15-Jährige, einen 17-Jährigen, einen 19-Jährigen, einen 20-Jährigen und eine 45-Jährige. Drei Opfer sind weiblich.

    Ein Vater zeigt ein Bild seines getöteten Sohns. Bild in Lightbox öffnen.

    Bildlegende: Ein Vater zeigt ein Bild seines getöteten Sohns. Keystone

  • 12 :08

    Ladete der Täter die Opfer in den McDonalds ein?

    Es gab bereits Hinweise darauf, dass der Täter einen Facebook-Account gefälscht und über diesen Personen an den Tatort eingeladen haben könnte. Die Polizei bestätigte, dass vieles dafür spreche, dass der Täter tatsächlich über Facebook verbreitete, dass er im McDonalds etwas spendieren wolle. Dies müsse allerdings noch verifiziert werden.