Amoklauf in München – was man bisher weiss

Bei der Attacke bei einem Münchner Einkaufszentrum gab es bisher neun Todesopfer und Dutzende Verletzte. Die Polizei geht von einem Einzeltäter ohne Verbindungen zu Terrororganisationen aus, der sich nach der Tat selbst gerichtet hat: ein 18-jähriger Deutsch-Iraner. Die Fakten im Überblick.

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Der Kenntnisstand am Samstagmittag

2:17 min, aus Tagesschau am Mittag vom 23.7.2016

Was ist passiert?

Am frühen Freitagabend gab es beim Olympia-Einkaufszentrum in München eine Schiesserei. Nach Angaben der Polizei hatte ein 18-jähriger Jugendlicher in einem McDonald's-Schnellrestaurant erste Schüsse abgegeben und feuerte danach auch vor dem Einkaufszentrum aus seiner Pistole. Danach ergriff er die Flucht.

Erste Berichte über Schüsse in der Münchner Innenstadt bestätigten sich nicht. Auch geht die Polizei davon aus, dass es keine weiteren Täter gegeben hat. Augenzeugen hatten von bis zu drei Tätern gesprochen, die rund um das Einkaufszentrum Schüsse abgegeben haben sollen.

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Die Polizei bestätigte bisher neun Todesopfer. Insgesamt 27 Menschen seien verletzt worden, 10 davon schwer. Nicht alle Verletzen sind aber durch Schüsse verletzt worden: Zu ihnen werden auch jene Personen gezählt, die sich verletzten, weil sie in Panik davonrannten.

Was weiss man über den Täter?

Beim mutmasslichen Schützen handelt es sich um einen 18-jährigen deutsch-iranischen Schüler aus der bayerischen Landeshauptstadt, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. «Tat und Täter hatten keinerlei Bezug zum Thema Flüchtlinge», so Andrä. Der junge Mann litt an einer depressiven Erkrankung und war deshalb in psychiatrischer Behandlung. Die Polizei geht von einem klassischen Amoklauf aus.

Der Täter habe sich nach dem Amoklauf selbst gerichtet. Seine Leiche wurde rund einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt gefunden. Nach Angaben eines Polizeisprechers erhöht sich die Zahl der Toten der Schiesserei mit dem Fund der Leiche auf zehn.

Zuvor ging die Polizei von drei flüchtigen Tätern mit «Langwaffen» aus, da sich zwei Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort entfernten. Die Polizei bestätigte jedoch, diese hätten mit der Sache nichts zu tun. Es gebe auch keine Anhaltspunkte, dass eine Langwaffe im Einsatz gewesen sei.

Was weiss man über das Tatmotiv?

Das Tatmotiv war auch am Samstag noch immer unklar. Die Ermittler schliessen einen islamistischen Hintergrund mittlerweile jedoch aus und gehen von einem klassischen Amoklauf aus. Darauf deuteten ein Buch und mehrere Zeitungsartikel hin, die im Zimmer des Täters gefunden wurden. Ausserdem erwäge man auch einen Bezug zum Amoklauf des Rechtsextremisten Anders Breivik in Norwegen vor exakt fünf Jahren. «Diese Verbindung liegt auf der Hand», sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä.

Erste Ermittlungsergebnisse deuten ausserdem darauf hin, dass der Täter in psychiatrischer Behandlung war. Dabei soll es sich «um eine Erkraunkung aus dem depressiven Formenkreis» gegangen sein.

Welche Massnahmen wurden getroffen?

  • Die Bürger wurden über das Smartphone-Warnsystem Katwarn aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Auch sollten keine Menschen aus dem Umland mehr in die bayerische Landeshauptstadt fahren. Inzwischen wurde die Warnung aufgehoben.
  • Ärzte wurden zu Münchner Spitälern gerufen. «Es wurde der Alarm Massenanfall Verletzte ausgelöst», sagte der Sprecher des Universitäts-Klinikums Grosshadern. Das sei vor allem zur Vorsorge geschehen.
  • Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert. «Der Zugverkehr wurde komplett eingestellt», teilte die Deutsche Bahn mit. Die Züge aus allen Richtungen seien vorzeitig an Bahnhöfen im Umland gestoppt worden. Inzwischen wurde der Nahverkehr wieder freigegeben.
  • Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann setzten ein Krisentreffen in der Staatskanzlei in München an.
  • Innenminister Thomas de Maizière traf sich noch vor dem Mittag mit den Spitzen von Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst und Bundeskriminalamt. Danach folgt eine Sitzung des Sicherheitskabinetts mit Kanzlerin Angela Merkel.