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International Anschlag in Orlando: «Inspiriert vom IS»

Nach dem Attentat von Orlando bleibt die Frage, ob der Mörder Omar Mateen seine Tat im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) durchgeführt hat. Die bisherigen Indizien sprechen zwar eher dagegen, trotzdem hat er ganz im Sinne der Terrororganisation gehandelt.

Legende: Video FOKUS: Wie ein Mann eine Nation in Trauer versetzt abspielen. Laufzeit 07:21 Minuten.
Aus 10vor10 vom 13.06.2016.

Am Tag nach dem grausamen Anschlag auf einen Nachtclub in Orlando, stellt sich die Frage, in welchem Auftrag der Attentäter Omar Mateen gehandelt hat. Kurz vor dem Anschlag hat er die amerikanische Notruf-Nummer angerufen und so öffentlich dem Islamischen Staat die Treue geschworen.

Bild des Attentäters
Legende: Omar Mateen war wohl ein Einzeltäter, der jedoch ganz im Sinne des IS gehandelt hat. Keystone

Heuert der IS nun bereits weltweit Einzeltäter an, um in der westlichen Welt Anschläge zu verüben? Markus Kaim, Sicherheits-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, hält dies für unwahrscheinlich.

«Es gibt zwar eine Verbindung zum IS, aber es liegen keine Indizien vor, dass die Tat von der Terrororganisation gesteuert, geplant oder logistisch unterstützt wurde.» Die Terrortat gehöre eher in die Kategorie: «vom IS inspiriert».

IS hat die Tat wohl kaum gesteuert

Ausserdem gebe es Parallelen zwischen dem Orlando-Attentat und jenem von San Bernadino im vergangenen Dezember, so Kaim. Bei beiden Ereignissen handele es sich um eine kleine Zahl von Personen, die zuvor nie straffällig geworden seien und sich erst kurz vor der Tat öffentlich für den IS ausgesprochen hätten. Zumindest beim Attentat im kalifornischen San Bernadino kann eine Planung durch den IS weitgehend ausgeschlossen werden.

Jason Burke, Korrespondent des englischen Guardian, stützt die These von Kaim und führt drei weitere Argumente an, die gegen eine direkte Beteiligung des IS am Anschlag sprechen:

  • Obwohl der IS für seine Homophobie bekannt ist, seien Homosexuelle nie Ziel von grossangelegten Gewalt-Ereignissen gewesen und stünden nicht im Fokus der Terrormiliz.
  • Die Terrormiliz habe sich über eine ihr nahestehende Nachrichtenagentur zum Anschlag bekannt. Allerdings sei das Bekenntnis so knapp formuliert gewesen, dass der IS kaum über vertiefte Informationen über den Anschlag verfügt haben könne.
  • Es sei üblich, dass Kämpfer des IS stets ihrem «Kalifen» Abu Bakr al-Bagdadi die Treue schwören würden und nicht dem «Kalifat» an sich. Mateen habe diese Regel nicht befolgt und seine Loyalität dem IS als Ganzes ausgesprochen. Dies zeige, wie wenig er über den IS wusste und dass er sich erst in jüngster Zeit radikalisiert habe.

Dem IS ist egal, wer Gewalt verübt

Letztlich sei es für den IS aber egal, ob ein Anschlag von ihm durchgeführt oder nur von ihm inspiriert worden sei. Dieser Meinung ist die New York Times-Journalistin Rukmini Callimachi.

Legende: Video FOKUS: Donald Trump und Hillary Clinton nehmen Stellung abspielen. Laufzeit 02:52 Minuten.
Aus 10vor10 vom 13.06.2016.

Massenmorde wie jene in Orlando seien explizit erwünscht und ein zentrales Element der IS-Propaganda. Bereits im Spetember 2014 hat der IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani alle Sympathisanten dazu aufgerufen Terrorakte im Namen der Terrororganisation auszuüben – und zwar ohne Erlaubnis. Mit einem einfachen Bekenntnis zum Terrorstaat, werde der Täter gemäss Callimachi für alle IS-Anhänger von einem einfachen Mörder zu einem heroischen Gotteskämpfer.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Nach neuen Meldungen war der Täter eventuell selber homophil. Diese Vermutung hatte ich bereits Gestern. Für bestimmte Muslime ist diese sexuelle Neigung schlimmer als der Tod, weil die Familie und der grösste Teil des sozialen Umfeldes das als kranke Todsünde ansehen. Dabei sollten aufgeklärte Menschen begriffen haben, dass das in der Natur etwas ganz Normales ist. Doch der Druck in bestimmten Ethnien ist riesig, wie früher auch in Europa.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Ein Moslem mit Verbindungen zum Daesh (IS) mag Homosexuelle nicht und erschiesst sie im Namen seiner Märchenreligion. Und nun soll es an den liberalen Waffengesetzen liegen. Weil sich sonst islamische Attentäter von Waffenverboten aufhalten lassen. Für die Ermordung von 2.700 Menschen am 9/11 brauchten ein Handvoll Islamisten 4 Tepichmesser. Ein Auto ist auch eine Mordwaffe, wie man regelmässig erfährt. Rucksackbomben kann fast jeder bauen. Auch ohne Schusswaffen kommen Terroristen gut aus.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Wieder gibt es die Hetze gegen die "Waffen". Ganz vorne kommt Obama mit seiner ewigen Wiederholung. Eindeutig ist es Hetze gegen Waffen, aber vor allem gegen Präsident Trump, wenn man genau hin hört: Man fragt ob dieser Anschlag hätte verhindert werden können, wenn man keine Muslime mehr nach USA einwandern liesse. Natürlich NEIN! Wohlweislich fragt man aber nicht, ob der Anschlag hätte verhindert werden können, wenn das Waffengesetz in USA strenger gewesen wäre. Denn auch hier bestimmt NEIN!
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    1. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Mit diesen ewig doofen Fragen und Anklagen, den tausenderlei Rezepten, moralischen Ermahnungen, durchsichtigen Relativierungen, die allesamt schon abgestanden und schimmlig sind, will man nur eines zudecken, was als Fragestellung riesig im Raum steht: Was soll dieser Import des Islam nach Amerika und Europa, wozu sich all diese unlösbaren fremden Probleme aufhalsen zu den unzähligen ebenfalls nie gelösten oder neu geschaffenen Problemen?!
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