«Arctic Sunrise»: Russen müssen Schiff und Crew freigeben

Russland soll das beschlagnahmte Greenpeace-Schiff gegen Kaution freigeben. Auch dessen Crew müsse frei gelassen werden, entschied der Internationale Seegerichtshof. Russland argumentiert, das Gericht sei für das laufende Verfahren nicht zuständig.

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Markus Allemann, Greenpeace Schweiz

0:55 min, vom 22.11.2013
«Arctic Sunrise». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Russland muss die «Arctic Sunrise» freigeben. Dies hat der Internationale Seegerichtshof entschieden. Keystone

Der Internationale Seegerichtshof hat Russland zur Herausgabe des Schiffes «Arctic Sunrise» und der Freilassung der gesamten Besatzung aufgefordert. Die Kaution in Höhe von 3,6 Millionen Euro sollen die Niederlande als Bankgarantie in Russland hinterlegen.

Die Massnahmen seien bindend und unverzüglich umzusetzen. Das Gericht sah die Dringlichkeit, dass diese vorläufigen Anordnungen getroffen werden. Alle Besatzungsmitglieder müssten Russland verlassen dürfen.

Geht Russland auf das Urteil ein?

Russland hat in einer ersten Reaktion gemacht, dass das Urteil keinen Einfluss habe auf das laufende Verfahren gegen die Greenpeace-Aktivisten. Der Seegerichtshof sei in der Sache nämlich gar nicht zuständig.

Rainer Lagoni, Professor für Seerecht an der Universität Hamburg, geht allerdings davon aus, dass Moskau der Verfügung des Gerichts folgen wird: «Russland ist eigentlich rechtstreu auf völkerrechtlicher Ebene», stellt er fest. Die Russen hätten versucht zu verhindern, dass sich das Seegericht überhaupt zuständig erkläre, seien damit aber gescheitert.

Aktivisten müssen mit Strafen rechnen

Allerdings müssten die Greenpeace-Aktivisten durchaus damit rechnen, von Russland zur Verantwortung gezogen zu werden, so Lagoni. Denn es sei eindeutig, dass Greenpeace mit der Aktion an der Bohrplattform russisches Recht verletzt habe: Um die russische Plattform bestehe eine Sicherheitszone, innerhalb der russisches Recht gilt. Nur seien die Massnahmen die Russland gegen Greenpeace ergriffen habe, vom Hamburger Seegerichtshof als übertrieben beurteilt worden.

Trotzdem hält Greenpeace in ihrer Reaktion den Gerichtsentscheid für einen «Riesenschritt zur sofortigen Freilassung» der Aktivisten. Laut einem Sprecher geht die Umweltschutzorganisation davon aus, dass die russische Regierung der Entscheidung folgt und alle Anklagepunkte gegen die 30 Aktivisten fallen lassen wird.

Schiff unter niederländischer Flagge

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Internationaler Seegerichtshof

Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg ist seit 1996 zuständig für die Anwendung und Auslegung der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen. Er kann nicht nur von den 166 Vertragsstaaten angerufen werden, sondern unter Umständen auch von natürlichen und juristischen Personen. Die Entscheide sind bindend, weitere Rechtsmittel gibt es nicht.

Die Niederlande hatten als Flaggenstaat der «Arctic Sunrise» den Internationalen Seegerichtshof nach der Festnahme am 19. September angerufen.

Russland boykottierte das Verfahren vor dem Seegerichtshof und begründete dies damit, die Seerechtskonvention nur unter Vorbehalten ratifiziert zu haben. Und vor allem: Es keine Instanz, welche allenfalls die Freilassung von Schiff und Mannschaft erzwingen könnte.

Russland droht mit langer Haft

In den vergangenen Tagen hatte die russische Justiz für fast alle der im September festgenommenen 30 Männer und Frauen bereits die Freilassung gegen Kaution angeordnet. Das Verfahren läuft allerdings weiter.

Die internationale Besatzung der «Arctic Sunrise» hatte an einer Ölplattform des russischen Gasmonopolisten Gazprom gegen Umweltzerstörung protestiert. Dabei verletzten die Greenpeace-Aktivisten unter anderem eine international festgelegte Sicherheitszone von 500 Metern für Plattformen auf See. Russland wirft ihnen Rowdytum vor – dafür sind bis zu sieben Jahren Haft möglich.

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