Gräueltaten in Aleppo Assads Soldaten richten 82 Zivilisten hin

Das Grauen in Aleppo kennt keine Grenzen: Laut UNO haben Regierungstruppen Dutzende syrische Bürger getötet.

Video «Aleppo: Des einen Freud ist des anderen Leid» abspielen

Aleppo: eine tief zerrissene Stadt

1:05 min, aus Tagesschau am Mittag vom 13.12.2016
  • Nach UNO-Angaben haben Regierungstruppen in Aleppo 82 Zivilisten getötet. Männer, Frauen und Kinder. Die Hinrichtungen sollen auf den Strassen, aber auch in den Häusern der Bürger geschehen sein.
  • In der Stadt, die fast vollständig wieder in Regime-Hand ist, harren noch immer Tausende Menschen in Ost-Aleppo aus.
  • Damit Verletzte aus der Stadt geborgen werden können, müssten das Regime und Russland eine Feuerpause zulassen, so die Forderung der UNO.
  • Während Tausende Zivilisten auf Schutz vor den Regierungstruppen hoffen, feiern Anhänger des Regimes in Aleppo den offenbar kurz bevorstehenden Sieg.
Zusatzinhalt überspringen

Merkel und Hollande entsetzt

Merkel und Hollande entsetzt

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande haben vor dem EU-Gipfel am Donnerstag ein klares Signal für die Unterstützung der leidenden Menschen in Aleppo gefordert. Der Appell richtete sich an das syrische Regime, aber auch an dessen Unterstützer Russland und Iran.

In Aleppo sind nach Informationen der Vereinten Nationen mindestens 82 Menschen von regimetreuen Truppen ermordet worden. Unter den Opfern in insgesamt vier Stadtvierteln befänden sich elf Frauen und 13 Kinder, teilte das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf mit.

Soldaten sollen nach den Berichten Zivilisten auf den Strassen, auf ihrer Flucht aus Aleppo und selbst in ihren Häusern in Ost-Aleppo getötet haben. Die wirkliche Zahl der Todesopfer dürfte nach Einschätzung der UNO noch viel höher sein.

Noch immer Tausende in Ost-Aleppo gefangen

Einige Flüchtende sollen von Regierungstruppen auch verhaftet worden sein. «In Aleppo gibt es überhaupt keine Menschlichkeit mehr», sagte UNO-Sprecher Jens Laerke.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sollen immer noch Tausende Zivilisten in den Kampfzonen in Ost-Aleppo gefangen sein. Mindestens 37'000 hätten den letzten umkämpften Stadtteil verlassen.

Angesichts der Situation rief der UNO-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland, Russland und die syrische Führung dazu auf, eine Feuerpause in der umkämpften Stadt Aleppo zuzulassen.

Dann könnten Verletzte und andere gefährdete Gruppen aus den Trümmern der Metropole geholt werden, schrieb Egeland auf Twitter. Moskau und Damaskus seien rechenschaftspflichtig für alle Gräueltaten, die Regierungstruppen und verbündete Milizen derzeit in Aleppo verübten.

Tweet Jan Egeland

Aleppo kurz vor der Eroberung durch Regime

Die seit Jahren umkämpfte nordsyrische Metropole steht kurz vor der vollständigen Eroberung durch die syrische Armee. Diese wird unterstützt von mit ihr verbündeten Milizen und durch russische Luftangriffe.

Der offenbar kurz bevorstehende Sieg des Regimes rief in der Stadt Aleppo auch Jubelrufe hervor. Anhänger von Baschar al-Assad sollen laut Augenzeugenberichten aus Freude so oft in die Luft geschossen haben, dass es zeitweise Kugeln vom Himmel geregnet hätte.

In der zentralsyrischen Stadt Hama wurden nach einem Bericht der Hilfsorganisation Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) bei einem Giftgasangriff 93 Zivilisten getötet. Der Angriff mit der geruchs- und farblosen Chemikalie habe sich in den östlichen Vororten ereignet, wie die Organisation mitteilte. Viele Opfer seien Kinder.

Nach der Eroberung Aleppos «eine Friedhofsruhe herstellen»

Nach der Eroberung Aleppos «eine Friedhofsruhe herstellen»
Wie Jürgen Stryjak vom ARD-Büro in Kairo gegenüber SRF berichtet, wird der Sieg in Aleppo der wichtigste militärische Erfolg Assads seit Ausbruch des Krieges 2014 sein. «Der Sieg hat grosse symbolische Bedeutung für das Regime. Denn Aleppo ist die zweitgrösste Stadt nach Damaskus.» Auch die Aufständischen hätten dort «eine Art Modellgebiet schaffen wollen, in dem sie ohne Assad regieren». Doch sei ihnen das nicht gelungen.

Gefragt, ob die syrische Armee Aleppo denn halten könne, wenn es vollständig zurückerobert sei, streicht Stryjak die Bedeutung der Partner heraus: «Die syrische Armee gilt seit einiger Zeit als relativ schwach und als sehr korrupt. Auch viele (...) Vertreter des Regimes haben immer wieder gesagt, dass man sich auf die syrische Armee nicht verlassen könne. Aber man hat ja die Verbündeten aus dem Iran, z.B. die Revolutionsgarden, man hat die schiitischen Milizen aus dem Irak, und man hat die Hisbollah-Einheiten, die aus dem Libanon kommen. Mit ihrer Hilfe wird man versuchen, Aleppo zu beherrschen.»

Der Journalist führt weiter aus: «Man wird dort, aber auch in anderen vom Assad-Regime kontrollierten Landesteilen versuchen, eine Art Friedhofsruhe herzustellen. Mehr ist aus meiner Sicht nicht möglich. Denn dazu ist der Riss durch die Gesellschaft viel zu gross. Nach Hunderttausenden von Toten kann auch die Regierung von Assad nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Sie wird damit rechnen müssen, dass Oppositionelle, Aufständische, ein Widerstand im Untergrund das Regime auch weiterhin bekämpfen.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Rückeroberung in Aleppo

    Aus Tagesschau vom 13.12.2016

    In Aleppo gehen die syrischen Truppen mit grosser Härte gegen die verbliebenen Rebellen vor. Die UNO hat erneut eine Feuerpause gefordert. Im Westen von Aleppo jubeln währenddessen die Anhänger Assads.