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International Astana 2017: Weltausstellung zur Selbstdarstellung

Astana ist eine boomende Stadt im kasachischen Niemandsland – und Austragungsort der Expo 2017. Vom Reissbrett hat das Regime eine postmoderne Metropole in die Steppe gepflanzt. Die Weltausstellung soll das ungebremste Wachstum weiter beschleunigen. Ein Augenschein vor Ort.

Stets wehen in Astana heftige Steppen-Winde. Die neue Hauptstadt Kasachstans gilt als zweitkälteste Kapitale der Welt. In sowjetischen Zeiten, unter Chruschtschow, wurden von überall her Studentinnen und Studenten in diese Gegend, ins ehemalige Zelinograd beordert, um in ihren Ferien mit Pickel und Spaten die Steppe urbar und zu einer weiteren sowjetischen Kornkammer zu machen.

Seitdem Kasachstans Langzeitpräsident Nursultan Nasarbajew aber vor knapp zehn Jahren die Hauptstadt von Almaty, vom Süden des Landes hierher verlegen liess, hat sich Astana zu einer etwas steril aber zugleich postmodern anmutenden Metropole entwickelt.

Alle paar Monate spriessen im Zentrum von Astana neue Wolkenkratzer in den Himmel. Da gibt's ganz im Zentrum den symbolträchtigen Bajterek, einen Turm, dessen Kuppel ein goldenes Ei symbolisiert, die «Pyramide des Friedens», den Peking-Palast, das Abu-Dhabi-Plaza und so weiter. Überall am Horizont ist ein wildes Sammelsurium von Hochhäusern zu sehen, in allen Farben und Formen.

Die Expo als Wachstumsmotor

Mit dem Bauboom zogen in den letzten paar Jahren rund 400'000 Menschen in die Stadt. Die meisten von ihnen sind im Bauwesen tätig, in der Verwaltung von Konzernen oder Behörden des Landes. Und jetzt, in gut zwei Jahren, wird Astana die Expo 2017 ausrichten.

Zwischen dem Stadtzentrum und dem Flughafen von Astana schwenken 60 Baukräne ihren Ausleger über die riesige Expo-Baustelle. Stolz präsentiert eine Hostess die verschiedenen Projekte: «Hier entsteht das Zentralgebäude der Weltausstellung – der Pavillon von Kasachstan. Die kugelförmige Glaskonstruktion wird einem Durchmesser von 80 Metern haben. Drinnen wird es acht Stockwerke geben.»

Ambitionierte Technologie-Schau...

Der Pavillon werde sich zukünftigen Energie-Technologien widmen, erklärt die Expo-Kuratorin Vera Kobalja, welche für die thematische Umsetzung des Expo-Konzepts verantwortlich ist. Die jugendlich wirkende Kobalja wirkte bis 2012 als Energieministerin Georgiens.

«Entwickelte Länder werden ihr Know-how präsentieren und die teilnehmenden Entwicklungsländer sollen hier Partner finden», führt sie aus. Ausgestattet mit dem gesammelten Wissen sollen sie – mit internationaler Unterstützung und von Finanz-Organisationen – neue angepasste Energiekonzepte bei sich umsetzen können.

...mit handfesten Eigeninteressen

Mit dem grossen Bau- und Ausstellungsprojekt verbindet die kasachische Regierung aber auch handfeste Eigeninteressen. Yerhan Meiramov, der für den Geschäftsbereich zuständige Expo-Direktor, schwärmt davon, dass man mit dem Expo-Projekt nicht nur zahlreiche Teilnehmerstaaten, sondern auch zusätzliche ausländische Investoren habe anlocken können. Allein wegen der Expo würden so in Astana weitere grosse Hotelkomplexe und ein grosses Businesszentrum errichtet.

Auch die Schweiz wird an dieser Expo nicht abseits stehen. Mit einem eigenen Pavillon beteiligt sie sich – gemäss einem Bundesratsentscheid der vorletzten Woche – mit rund 4,7 Millionen Franken an der Show im zentralasiatischen Steppenstaat.

Die Schweiz vertritt denn auch in der sogenannten Helvetistangruppe die kasachischen Interessen in den Weltbankgremien, und die Schweizer Wirtschaft ist seit jeher an Geschäften mit dem zwar autoritär regierten, aber rohstoffreichen Staat interessiert.

Peter Gysling

Porträt von Peter Gysling.

Peter Gysling arbeitet seit 1980 als Journalist für SRF. Während des Mauerfalls war er Korrespondent in Deutschland. Von 1990 bis 2004 und erneut seit 2008 ist er Korrespondent in Moskau.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Sepp Stark, Bühler
    Es ist zu hoffen dass auch den schwer geprüften Menschen um Semey (Semipalatisk) eine auch materielle Genugtuung zukommt. (Ebenfalls Altlast aus der Sowjetzeit) Dass von der Expo in Astana positive Impulse an weitere Entwicklungsländer ausgehen ist auch positiv. Und Astana kann Moskau erst noch Paroli bieten.
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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Offensichtlich hat SRF Mühe mit Kazakhstan weil die dermassen erfolgreich sind. Mittlerweile gehen solche Veranstaltungen eben nicht mehr nach Deutschland oder England. Länder wie Kazakhstan oder Azerbajian können das selbstverständlich. Die haben Astana mehr oder weniger aus dem Nichts erschaffen. Gemessen an Mailand wird Astana auf jeden Fall fertig vor der Eröffnung.
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  • Kommentar von WalterSchwarb, Ueken
    Weltaustellungen: Grossshows für den Ego und die Selbstdarstellung ohne jeden sinnvollen Zweck.
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