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Weniger Atomwaffen Atom-Arsenal schrumpft weltweit – doch kein Staat will verzichten

Laut Friedensforschungsinstitut Sipri verfügen Russland und die USA über 93 Prozent der weltweiten Atomwaffen.

Nuklearbombe des Typs B53
Legende: 460 Atomwaffen weniger als im Vorjahr – die Reduzierung verlangsamt sich. Im Bild: Eine Bombe des Typs B53. Reuters

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Zahl der weltweiten Atomwaffen ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen, die Bestände schrumpften um 460 Waffen. Dies geht aus dem Bericht des Friedensforschungsinstitut Sipri hervor.
  • Weltweit besitzen neun Staaten insgesamt 14'935 Atomsprengköpfe.
  • Indien und Pakistan weiteten ihre Produktionskapazitäten für die Herstellung von spaltbarem Material aus.
  • Keiner der Atomwaffenstaaten will sein Atom-Arsenal in absehbarer Zeit aufgeben.

Die Zahl der Atomwaffen wurde in den letzten 30 Jahren drastisch reduziert. Das ist aber kein Grund zum Aufatmen: Friedensforschern zufolge investieren die Atommächte zurzeit alle enorme Summen in die Modernisierung. «Das legt den Schluss nahe, dass keiner dieser Staaten bereit sein wird, seine nuklearen Arsenale in absehbarer Zukunft aufzugeben», sagte Sipri-Forscher Shannon Kile.

Sipri sieht auch keine Anzeichen dafür, dass auch nur eine Atommacht weltweit auf ihre Nuklearwaffen verzichten will. Im Gegenteil: Alle Staaten mit Atomwaffen modernisieren ihre Arsenale.

Das legt den Schluss nahe, dass keiner dieser Staaten bereit sein wird, seine nuklearen Arsenale in absehbarer Zukunft aufzugeben.
Autor: Shannon KileSipri-Forscher

Zugleich belegt der Bericht, dass die Zahl der Atomsprengköpfe weiter zurückgegangen ist. Anfang 2017 waren neun Staaten – die USA, Russland, Grossbritannien, China, Pakistan, Indien sowie Frankreich, Nordkorea und Israel – insgesamt im Besitz von geschätzten 14'935 Atomwaffen.

Im Vergleich zu Mitte der 1980er Jahre, als es 70'000 Atomsprengköpfe gab, ist die Zahl damit deutlich reduziert worden. Der Rückgang zum Vorjahr betrug 460 Atomwaffen. Die Reduzierung kam damit langsamer voran als noch vor zehn Jahren.

USA investieren 400 Milliarden

Sowohl die USA (6800) als auch Russland (7000), die insgesamt über 93 Prozent der Atomwaffen verfügen, haben umfangreiche Modernisierungsprojekte gestartet. Die USA wollten bis 2026 rund 400 Milliarden Dollar in die Instandhaltung und Erneuerung ihrer nuklearen Waffen investieren.

Der geplante Anstieg der US-Ausgaben kommt nicht unerwartet. Die derzeitige US-Regierung setzt die ehrgeizigen nuklearen Modernisierungspläne fort, die von Präsident Obama gestartet wurden.
Autor: Hans KristensenSipri-Forscher

Auch die Staaten mit wenigen Sprengköpfen investieren in die Erneuerung. Frankreich verfügt über 300 Atomwaffen, gefolgt von China mit 270 und Grossbritannien mit 215. Die Friedensforscher schätzen, dass Nordkorea inzwischen zehn bis 20 nukleare Sprengköpfe besitzt. Nordkorea hat offenbar technische Fortschritte beim Ausbau seines Atomwaffenprogramms erzielt.

Auch Indien und Pakistan weiteten ihre Produktionskapazitäten für die Herstellung von spaltbarem Material aus. Dies könne zu einer deutlichen Ausweitung der Produktion von Atomwaffen im kommenden Jahrzehnt führen.

Infografik Atomwaffen

9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    Die Zählmethoden von Sipri sind komplett veraltet. Die zählen einzelne Waffen aber nicht Sprengköpfe. Sprich 1 Atomwaffe mit 10 Sprengköpfen zählt bei Sipri nur als 1 Waffe. Diese 10 Sprengköpfe sind individuell steuerbar mindestens bei USA und Russland. Ebenfalls fehlen bei Sipri rund 200 Atomwaffen von Israel die nicht dem Sperrvertrag angehören. Atomwaffen bringen klar mehr Sicherheit - deshalb ist diese Idee ohne A-Waffen ein teurer Fehler.
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    1. Antwort von Philipp Etter (Philipp Etter)
      Israel besitzt offiziell ja auch keine Atomwaffen...In der Grafik kommen sie aber mit etwa 200 vor...Heikle Sache...
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  • Kommentar von daniel schulz (schulzi)
    Absolut nachvollziehbar, dass diese Länder ihre Atomwaffen behalten wollen. Etwa 200 mal sollte man schon die Erde in die Luft jagen können, wenn man die eigene nationale Souveränität und Sicherheit gewährleisten will.. Ähnliches haben wir Jungs in der 6. Klasse mit dem Lineal auf dem WC gemacht..
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Wenn nur ein kleiner Teil der veralteten mit Bombern ans Ziel zu fliegenden ungelenkten Freifallbomben neu in präzisionsgelenkte Kurz- Mittel- oder Langstreckenraketen verbaut werden, handelt es sich insgesamt um eine Aufrüstung und nicht um eine Abrüstung, auch wenn einige hundert Sprengköpfe verschrottet werden!
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