Atompoker mit Iran geht in die nächste Runde

In Wien haben die UNO-Vetomächte plus Deutschland mit dem Iran keine Einigung erzielen können. Eigentlich galt eine Frist bis Mitternacht. Klar ist aber: Die Gespräche werden fortgeführt. Die neue Frist endet am 1. Juli.

Bis Mitternacht sollte die selbst gesetzte Frist für eine Einigung im Atomstreit zwischen den fünf Veto-Mächten des UNO-Sicherheitsrats, Deutschland und dem Iran laufen. Diese ist nun hinfällig. Die Atomgespräche führten zu keiner Einigung, werden aber fortgesetzt. Neu gilt eine Frist bis zum 1. Juli 2015.

Putin will sich einschalten

Am Vormittag kam es zunächst zu mehreren bilateralen Treffen. So sprach Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius. US-Aussenminister John Kerry verhandelte erneut unter vier Augen mit dem iranischen Chefdiplomaten Mohammed Javad Zarif. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Als letzter Aussenminister traf heute Montag Wang Yi aus China in Österreich ein. Gegen Mittag sollten sich erstmals alle sieben Aussenminister in grosser Runde treffen. Auch der russische Präsident Wladimir Putin will sich in die Verhandlungen einschalten. Geplant ist nach Angaben der Agentur Itar-Tass am Montag ein Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani.

Keine Lösung für iranisches Atomprogramm

0:47 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.11.2014

Der Verhandlungsmarathon begann bereits gestern. Bis tief in die Nacht hinein hatten die Aussenminister in Wien Gespräche geführt. Ziel ist ein Abkommen, in dem sich der Iran verpflichtet, Teile seines Atomprogramms aufzugeben und Kontrollen zuzulassen. Im Gegenzug würde der Westen die Wirtschaftssanktionen lockern.

Umfassende Streitpunkte

Gestritten wird vor allem noch über die Anzahl der Zentrifugen, die der Iran zur Urananreicherung behalten darf. Gestritten wird auch über den Zeitplan zur Beseitigung der Sanktionen und über die Kontrollen durch die UNO-Atombehörde IAEA.

Der dritte Streitpunkt schliesslich betrifft die Kontrollen: Da geht es um die Frage, wie umfassend die Kontrollen der IAEA sein dürfen. Aus internationaler Sicht möchte man natürlich lückenlose Kontrollen, sagt Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent von SRF. Der Iran sperre sich aber dagegen. Auch die Frage, in welchen Schritten die Sanktionen gelockert werden, sei ein Streitpunkt.

Für all diese Punkte liegen Lösungsvorschläge auf dem Tisch – die beiden Seiten müssten sie bloss noch gutheissen. US-Präsident Barack Obama erhofft sich von einer Einigung den Anfang einer grundsätzlichen Verbesserung des Verhältnisses zwischen dem Iran und der Welt, wie er im Fernsehsender ABC sagte.

Irans Aussenminister Mohammad Javad Zarif seinerseits sagte, man könne das iranische Atomprogramm nicht einfach wegsanktionieren.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Atomprogramm: Iran-Gipfeltreffen in Wien

    Aus Tagesschau vom 13.7.2014

    Während der Westen das iranische Atomprogramm einschränken will, hofft der Iran auf eine Lockerung der Sanktionen. Die Positionen sind verhärtet. In Wien ringen die Aussenminister der USA, Frankreichs, Grossbritanniens und Deutschlands um eine Lösung im Atomstreit.

  • Mögliche Allianz zwischen USA und Iran

    Aus Tagesschau vom 14.6.2014

    Wegen dem rasanten Vormarsch der Dschihadisten im Irak zeigt sich Irans Staatspräsident Hassan Rohani bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten, um die Terroristen im Irak zu bekämpfen. Unterdessen schickt die irakische Regierung Freiwillige in den Krieg. So konnten kurdische und irakische Einheiten einige Städte zurückerobern. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Pascal Weber.

  • Auswirkungen von Sanktionen im Iran

    Aus Tagesschau vom 9.6.2014

    Die Atomverhandlungen mit dem Iran gehen in die entscheidende Phase: Bis zum 20. Juli soll ein Abkommen zur Lösung des Konflikts auf dem Tisch liegen. Für den Iran ist ein Abkommen äusserst wichtig, weil das Land dann wieder Handel treiben kann. Die Sanktionen des Westens haben die islamische Republik hart getroffen.