Atomschlag: Kim Jong Uns Drohungen werden schriller

Alljährlich halten die USA und Südkorea ein Manöver ab, alle Jahre wird das von Nordkorea mit martialischen Drohungen quittiert – begleitet von Raketentests. So sind auch dieser Tage gleich zwei Geschosse abgefeuert worden. Die Welt bleibt dennoch gelassen.

Die undatierte Aufnahme der nordkoreanischen Zentralnachrichten-Agentur zeigt den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un von hinten an der Balustrade einer Terrasse stehend, während vor ihm aus dem Nebelmeer eine Rakete in den Himmel startet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kim Jong Un ist kein Freund dezenter Drohgebärden. Dennoch dürfte ihm nicht an einem Krieg gelegen sein. Keystone / undat.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un regiert nicht zuletzt dank starker Gesten. Das von den USA und Südkorea in den vergangenen Tagen unverhohlen als Angriffskrieg inszenierte Militärmanöver – quasi im maritimen Vorgarten des Diktators – hat denselben zu kraftvollen Reaktionen inspiriert.

Zweite Rakete rasch vom Radar verschwunden

Nach Angaben der USA hat das nordkoreanische Militär erneut zwei Raketen ins Meer geschossen. Es handle sich vermutlich um Mittelstreckenraketen vom Typ Rodong, die eine maximale Reichweite von 1300 Kilometern haben sollen.

Südkorea hatte zuvor von einer Rakete gesprochen, die nach rund 800 Kilometern vor der Ostküste Nordkoreas ins Meer gestürzt sei. Das Geschoss sei in Sukchon im Südwesten des international isolierten Landes abgefeuert worden, teilte Südkoreas Verteidigungsministerium mit.

Etwa zwanzig Minuten später wurde laut den USA eine zweite Rakete abgefeuert, die aber bald vom Radar verschwand. Dessen ungeachtet liess Südkorea nicht lange auf die obligate Gegenreaktion warten.

Die Region reagiert geharnischt

Ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums sagte in Seoul, das Militär seines Landes sei jederzeit bereit, auf eine Bedrohung der nationalen Sicherheit durch Nordkorea zu reagieren.

Der japanische Regierungschef Shinzo Abe verurteilte den Raketentest ebenfalls. Sein Land werde eine Antwort mit den USA, Südkorea und anderen betroffenen Ländern koordinieren, sagte der Ministerpräsident.

Das US-Aussenministerium rief Pjöngjang auf, auf jede weitere Handlung zu verzichten, die «die Spannungen weiter anheizen» könnte. Am Donnerstag hatten auch die USA ihre Sanktionen gegen Nordkorea verschärft.

Und schliesslich hat auch die UNO reagiert. Der Sicherheitsrat beschloss Anfang März die bislang schärfsten Sanktionen gegen Pjöngjang, nachdem das Land mit seinem vierten Atomwaffentest seit 2006 und dem Start einer ballistischen Rakete gegen mehrere UNO-Resolutionen verstossen hatte. Beeindruckt hat das den jungen Kim scheinbar wenig.

Das übliche Kläffen

Nur Tage vor den neusten Raketenabschüssen hat Kim Jong Un angekündigt, «in Kürze» einen neuen Atomwaffentest abzuhalten. Neben einem neuen Atomsprengkopf sollten auch «mehrere Arten» ballistischer Raketen getestet werden, sagte Kim laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Die Tests sollen demnach die Fähigkeiten Nordkoreas zu «nuklearen Angriffen» erhöhen. Zuvor hatte er auch mit einem präventiven Atomschlag gedroht.

Kriegsdrohungen gehören zur Rhetorik des isolierten Staates, wann immer die Spannungen wachsen, doch sind sich die meisten Experten einig, dass der Norden kein Interesse an einem militärischen Konflikt hat.