Atomstreit: Hoffnung auf Fortschritte nach jahrelangem Stillstand

Im Atomstreit mit Iran haben die Aussenminister zum ersten Mal direkt verhandelt. Nach dem fulminanten Auftakt soll es jetzt schnell gehen: Mitte Oktober wollen Iran und die Weltmächte bereits Details erörtern.

Schaltraum der iranischen Atomanlage Fordo bei Qom. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In der Atomanlage Fordo bei Qom nahe Teheran reichert Iran Uran an. Keystone

Nach jahrelangem Stillstand soll der Atomstreit mit Iran nun rasch beigelegt werden: Die Aussenminister der fünf UNO-Vetomächte und Deutschlands haben erstmals direkt mit ihrem iranischen Amtskollegen gesprochen. Sie vereinbarten, die Atomgespräche wiederaufzunehmen. Die erste Runde soll Mitte Oktober in Genf stattfinden.

Verhandlungen stehen erst bevor

Das Gespräch mit Iran fand am Rand der UNO-Vollversammlung in New York statt. Es habe ein gutes Klima geherrscht, sagte EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton, die die Atomgespräche koordiniert. Die nächste Runde in Genf müsse jetzt dazu genutzt werden, das gute Klima auch «in praktische Details umzusetzen», sagte sie. «Wir haben einen ehrgeizigen Zeitrahmen und wollen sehen, dass wir schnell Fortschritte machen.»

Als besonders positives Zeichen gilt auch, dass sich US-Aussenminister John Kerry mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif zu einem Gespräch unter vier Augen zurückzog. Regierungsvertreter der beiden Länder sprechen äusserst selten direkt miteinander, denn seit der Islamischen Revolution von 1979 unterhalten die USA und Iran keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Iraner leiden unter Sanktionen

Die Atomgespräche mit Iran laufen bereits seit 2006 und waren etliche Male abgebrochen worden. Der Westen und einige andere Staaten verdächtigen den Golfstaat, am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Iran bestreitet den Vorwurf. Es gehe lediglich um die friedliche Nutzung der Atomkraft. Gleichwohl hat der Westen verschiedene Strafmassnahmen und Sanktionen gegen das Land verhängt. Iran leidet inzwischen massiv darunter.

Die Öl-Einnahmen haben sich wegen der Strafmassnahmen mehr als halbiert. Die Sanktionen behindern auch massiv den Export von Erdgas, von dem Iran weltweit die grössten Vorräte besitzen soll. Seit Ende 2011 ist das Land zudem weitgehend vom internationalen Bankensystem abgeschnitten; die Inflation ist sehr hoch.

Die neue Regierung in Teheran unter Präsident Hassan Rohani macht keinen Hehl daraus, dass es ihr bei dem Entgegenkommen im Atomstreit in erster Linie darum geht, die Sanktionen abzuwenden.