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International Attentäter von Ansbach sollte nach Bulgarien abgeschoben werden

Ein 27-jähriger Syrer hat vor einem Festival-Gelände im bayrischen Ansbach einen Rucksack mit Sprengstoff gezündet Die Behörden schliessen einen islamistischen Hintergrund nicht aus, konkrete Hinweise darauf gebe es aber nicht. Beim Täter handelt es sich um einen abgewiesenen Asylbewerber.

Legende: Video Glück im Unglück? Täter ohne Eintrittskarte abspielen. Laufzeit 1:46 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 25.07.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Täter handelt es sich um einen abgewiesenen Asylbewerber aus Syrien. Er hätte laut dem Innenministerium nach Bulgarien abgeschoben werden sollen.
  • Der 27-Jährige zündete Sprengstoff im Eingangsbereich eines Festivals.
  • Ein islamistischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen.
  • Der Mann kam bei der Explosion ums Leben, mindestens 12 Personen wurden verletzt.
  • Die Asylunterkunft, in der der Täter wohnte, wurde untersucht.

Ein 27-jähriger Syrer hat am Sonntagabend im bayrischen Ansbach im Eingangsbereich eines Musikfestivals einen Sprengsatz zur Explosion gebracht. Er starb bei der Detonation, mindestens 12 weitere Menschen wurden verletzt, einige davon schwer.

Legende: Video Rettungsverantwortlicher bei der Medienkonferenz abspielen. Laufzeit 1:58 Minuten.
Vom 25.07.2016.

Asylantrag vor einem Jahr abgelehnt

Über den Täter ist bis jetzt bekannt, dass er vor zwei Jahren als Asylbewerber nach Deutschland kam. Sein Asylantrag war vor einem Jahr abgelehnt worden. Der Mann hätte offenbar nach Bulgarien ausgeschafft werden sollen, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte. Es habe eine entsprechende «Abschiebeandrohung» gegeben.

Grund sei, dass der Mann zuvor in den EU-Staaten Bulgarien und Österreich registriert worden sei. Nach Syrien direkt könne derzeit wegen des Bürgerkriegs niemand abgeschoben werden. Warum der Mann sich noch in Deutschland aufgehalten habe, könne er derzeit nicht sagen, sagte der Sprecher.

Laut dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann hat der 27-Jährige schon zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Er ist deswegen schon in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden. Er sei auch schon wegen anderer Vorfälle polizeibekannt gewesen.

Weitere Fragen sind noch offen. Unklar ist gemäss den Behörden, ob der Mann in suizidaler Absicht handelte oder andere Menschen mit in den Tod reissen wollte. Innenminister Herrmann betonte aber, ein islamistischer Hintergrund sei nicht auszuschliessen.

Es ist naheliegend, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat
Autor: Joachim HerrmannBayrischer Innenminister

«Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat», sagte Herrmann. Der Inhalt des Rucksacks, den der Täter bei sich trug, sei geeignet gewesen, noch mehr Menschen zu töten. Der Sprengstoff war mit scharfkantigen Metallteilen versetzt.

Motiv des Täters noch unklar

Das Bundesinnenministerium teilte indes mit, es gebe noch keine konkreten Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund des Täters. «Bisher ist es einfach so, dass wir dafür keinen belastbaren Hinweis haben», sagte Sprecher Tobias Plate in Berlin.

Der Syrer hatte gemäss Polizeiangaben am Sonntagabend versucht, auf eine Open-Air-Musikveranstaltung in Ansbach zu kommen. Er sei aber zurückgewiesen worden, weil er keine Eintrittskarte hatte. «Wenn er mit dem Rucksack in die Veranstaltung gelangt wäre, hätte es bestimmt mehr Opfer gegeben», meinte Bayerns Innenminister Hermann weiter.

Legende: Video Adrian Arnold: «Flüchtlingsdebatte wird massiv verschärft» abspielen. Laufzeit 3:02 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 25.07.2016.

Das Festival besuchten rund 2500 Menschen. Ansbach hat rund 40'000 Einwohner und ist rund 40 Kilometer von Nürnberg entfernt.

Ende einer traurigen Woche

Es ist das dritte blutige Ereignis innerhalb einer Woche in Bayern. Am Freitagabend hatte ein Amokläufer ganz München in Angst und Schrecken versetzt. Der 18-jährige Täter schoss in und vor einem Einkaufszentrum sowie in einem Schnellrestaurant um sich, tötete neun Menschen und schliesslich sich selbst. Die Behörden gehen davon aus, dass es bei der Tat keinen islamistischen Hintergrund gibt.

Zuvor hatte ein 17-Jähriger am vorigen Montag in Würzburg mit einer Axt Fahrgäste in einem Zug schwer verletzt. Polizisten erschossen den Attentäter, der sich in einem Video als Kämpfer der Terrormiliz IS bezeichnete.

Karte: Attentat in Bayern

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116 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    "Abgeschoben" tönt schon mal sehr negativ. Der Täter schon in Bulgarien einen Asylantrag gestellt, sollte wieder dorthin zurück & Punkt. Und die EU hält immer noch am Verteilerschlüssel fest. Doch die Menschen, welche sich auf eine gefährliche Flucht einlassen, haben durch gute Vernetzungen eben genaue Vorstellungen, in welchem Land sie zukünftig leben wollen. Deshalb ist es unerlässlich, dass die Grenzen zu & innerhalb Europas wieder kontrolliert werden.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Schon wieder......! Warum und wieso, darf hier nicht realistisch und faktisch beschrieben werden, was die Willkommenskultur negativ auslöst! Ich versuche es nach 4 zensurierten Aeusserungen zu den (zunehmenden) IS-Terror-Anschlägen gar nicht mehr! Ich frage mich bloss: Warum lässt die SRF-Redaktion keine Meinungsäusserung gelten, die nicht der Leutschenbach-Ideologie entspricht und dafür aber laufend reingedöggelte, unsachliche Sprüche von den bekannten Vielschreiber(innen) aufgeschaltet werden?
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    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Na Biel liegt doch nahe von Lyss? Oder? ;-D
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    2. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Die klaren Worte sind nicht sehr geschaetzt.. es kommt auch auf den Zensor an... und SEINE Einstellung, das ist nicht nur in der Turkei so, sondern auch bei uns.
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    3. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Man schreibe ueber die CH Probleme, nenne aber Merkel anstatt Sommaruga und es mag durchgehen...
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    4. Antwort von Adrian Flükiger (Ädu)
      @Bolliger: Sie müssen sich wirklich nicht beklagen und andern Vielschreiberei vorwerfen (gilt an guten Tagen auch für mich -:)). Sie kommen oft zu Wort und nicht gerade wenig davon ist teilbar, schon gar nicht vorbehaltlos. Das gilt auch für den hier geäusserten Vorwurf der unsachlichen Sprüche in den Antworten auch auf ihre Kommentare... "E so, wie i Wald iche päget wird, chunnts halt o zrugg". Fazit: cool bleiben, die Temperaturen sind hoch genug ...-:).
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    5. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "Das gilt auch für den hier geäusserten Vorwurf der unsachlichen Sprüche in den Antworten auch auf ihre Kommentare... "E so, wie i Wald iche päget wird, chunnts halt o zrugg". Fazit: cool bleiben, die Temperaturen sind hoch genug ...-:)." Immer wieder toll, wenn noch etwas von Mani Matters Geist da gewesen sein könnte. In dem Falle das Lied.: "Schimpfwörter sy Glückssach" ;)
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Wenn man jetzt die komfortablen Unterkünfte sieht, die man auf Kosten des Steuerzahlers für diese Flüchtlinge bereitstellt, reibt man sich schon die Augen. Wir haben in D Tausende Obdachlose, um die kümmern sich vielleicht notdürftig im Rahmen der Armenfürsorge ein paar durch freiwillige Spenden finanziert caritative Organisationen. Die meisten dieser Wohnungslosen schlagen sich einfach so durch. Für diese Leute gab es noch nie sowas wie eine "Willkommenskultur". Finde das als eine Schande.
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Halte nichts davon, derart Leute gegeneinander auszuspielen. Aber ist auch in der Schweiz ein bekanntes Muster.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @Ursula Schüpbach: Hat nichts mit "gegeneinander auszuspielen" zu tun, wenn jetzt leider auffällig wird, dass man sich um die Ärmsten der Armen im eigenen Land wenig gekümmert und wenig für sie übrig hat und jetzt auf einmal zig-Milliarden für fremde Flüchtlinge sozusagen aus dem Ärmel schütteln kann.
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    3. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Diese Realität, Herr Chauvet, besteht auch bei uns in der Schweiz! Ich halte mich sehr oft in Bergdörfer auf oder in abgelegenen Landdörfchen. Wer sich dort umhört und umsieht, ist oft schockiert, wie viele (vorallem ältere) Menschen dahinserbeln müssen. Für die jungen Einwanderer im ganzen "Asyl(un)wesen", wird alles unternommen, dass eine anständige und komfortable Wohneinheit und Versorgung gewährleistet ist! Nur die sogenannten Obdachlosen haben sich diese Lebensart meist selber eingebrockt!
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    4. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "... dass man sich um die Ärmsten der Armen im eigenen Land wenig gekümmert und wenig für sie übrig hat und jetzt auf einmal zig-Milliarden für fremde Flüchtlinge sozusagen aus dem Ärmel schütteln kann." Ich ticke ganz einfach nicht in Ihren Kategorien. Es gibt auch noch so was wie Personen, woher sie auch kommen und warum auch immer nicht.
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    5. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @Frau Schüpbach: Ich bin der Meinung, dass man sich primär um das Wohl der eigenen Familie einschl. des eigenen Volkes kümmern sollte. Selbst die christliche Nächstenliebe verlangt nicht Selbstverleugnung, dass man selbst zu Grunde geht. An diesem Scheideweg ist man in D dank Merkel jetzt angelangt. Bei soviel Armut und exzessiver Steuer-Knechtschaft im eigenen Land finde ich es einen Hohn, wenn man das Argument bringt, D wäre ein reiches Land, das Flüchtlinge ohne Ende vertragen könnte.
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    6. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "Ich bin der Meinung, dass man sich primär um das Wohl der eigenen Familie einschl. des eigenen Volkes kümmern sollte." Es gibt auch Schicksalsschläge, wo manche Eltern- oder Geschwisterteile früh sterben. Dann können Sie sich nicht mehr um sie kümmern (und umkehrt), Marcel Chauvet, denn da gibt es keine konkrete Kommunikation mehr zwischen dem Leben und dem Tod.
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    7. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Hätte nie gedacht Herr Chauvet, dass wir in einer Sache gleicher Meinung sein könnten. Besten Dank für Ihr Statement.
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    8. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      AHV-Rentner sind eine Staatssache, keine Familiensache. Und manche sind froh, wenn sie nicht ihre alten und verbitterten Väter ständig selber pflegen müssen.
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