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International Auch 25 Jahre nach Lockerbie bleiben Zweifel

Am 21. Dezember 1988 explodiert eine Maschine der amerikanischen Fluggesellschaft Pan Am über dem schottischen Städtchen Lockerbie. Ein libyscher Geheimagent verbüsst wegen des Bombenanschlags eine jahrelange Haftstrafe. Doch auch heute ist das Attentat nicht restlos geklärt. Eine Chronologie.

  • 21. Dezember 1988

    Es geschieht kurz vor Weihnachten: Eine Boeing 747 der amerikanischen Airline Pan Am explodiert auf dem Weg von London nach New York über dem schottischen Städtchen Lockerbie. Sie befindet sich auf einer Höhe von etwa 9400 Metern. 270 Menschen sterben – alle 259 Flugzeuginsassen und 11 Anwohner. Die Ursache ist rasch entdeckt: Eine Bombe mit etwa 400 Gramm Plastiksprengstoff hat das Flugzeug zerstört. Ein Auschnitt aus dem «DOK»-Film von SRF zeigt den Unfallhergang.

  • Die beiden Tatverdächtigen
    Legende: . SRF

    14. November 1991

    Die Tat wird als Anschlag auf ein Symbol der USA gedeutet. Die amerikanischen und die schottischen Justizbehörden machen zwei libysche Geheimagenten, Abdel Basset Ali al-Megrahi und Lamen Chalifa Fhimah, für den Anschlag verantwortlich. Sie erlassen Haftbefehle. Doch die Forderung nach einer Freilassung stösst beim libyschen Staatschef, Muammar al-Gaddafi, auf taube Ohren.

  • UNO-Sicherheitsrat
    Legende: . Reuters

    21. Januar 1992

    Nun wird der UNO-Sicherheitsrat aktiv. Er fordert die libysche Regierung einstimmig zur Auslieferung der Beschuldigten auf. Im April werden Sanktionen gegen Tripolis verhängt.

  • 27. August 1998

    Der Sicherheitsrat akzeptiert den Vorschlag Grossbritanniens und der USA, einen Prozess nach schottischem Recht und vor schottischen Richtern auf niederländischem Boden zu halten. Das libysche Parlament akzeptiert die Bedingungen im Dezember 1998. Vier Monate später entscheidet Gaddafi, die Verdächtigen auszuliefern. Nachdem die Verdächtigen in den Niederlanden eingetroffen sind, beendet der UNO-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Libyen. Die «Tagesschau» berichtet am 21. Dezember 1998 über den Kampf der Angehörigen.

  • Edwin Bollier
    Legende: . Keystone

    26. April 2000

    Auch der Schweizer Geschäftsmann Edwin Bollier ist in die Lockerbie-Affäre verwickelt. Bollier führte jahrelang beste Geschäftsbeziehungen zu Libyen. Seine Firma soll den libyschen Verdächtigen eine Schaltuhr geliefert haben, die beim Bombenanschlag auf die Pan-Am-Maschine zum Einsatz gekommen sein soll. Bollier widerspricht dieser Vermutung heftig.

  • 3. Mai 2000

    In Kamp Zeist, einem niederländischen Luftwaffenstützpunkt, beginnt der Prozess. SRF-Korrespondent Heiner Hug berichtet am ersten Prozesstag in der «Tagesschau». Beide Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück. Als Kronzeuge der Anklage belastet ein früherer Doppelagent die Angeklagten schwer. Die Angklage bekräftigt ihren Mordvorwurf. Die Verteidigung macht hingegen palästinensische Terroristen für das Attentat verantwortlich und bestreitet eine Schuld der Angeklagten.

  • 31. Januar 2001

    Nach fast neunmonatiger Verhandlung spricht das Gericht al-Megrahi wegen Mordes schuldig und verhängt eine lebenslange Haftstrafe. Fhimah wird freigesprochen. Die «Tagesschau» berichtet am selben Abend darüber. Im August 2003 übernimmt Libyen formell die Verantwortung für den Anschlag. Das Land verpflichtet sich zu einer Entschädigungszahlung an die Hinterbliebenen. Insgesamt fliessen 2,46 Milliarden US-Dollar.

  • 21. August 2009

    Bei al-Megrahi wird Prostata-Krebs im Endstadium diagnostiziert. Er wird in Schottland vorzeitig aus der Haft entlassen und kehrt in seine Heimat zurück. Auf einem Militärflughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis wird er von tausenden Menschen jubelnd begrüsst. Grossbritannien und die USA reagieren empört, wie ein Bericht der «Tagesschau» zeigt.

  • 9. September 2009

    Edwin Bollier schreibt Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und bittet sie, den Lockerbie-Attentäter al-Megrahi aufzunehmen. Das Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA bestätigt entsprechende Informationen der «Rundschau».

  • Sind die Libyer wirklich die Täter?

    Trotz der Verurteilung al-Megrahis und der Entschädigungs-Zahlung bestehen Zweifel an der Schuld Libyens. Eine Spur führt zu den Palästinensern, eine andere in den Iran. Die «Rundschau» rollt am 9. September 2009 den Fall neu auf, mit neuen Bildern und mit Aussagen der Opfervereinigung.

  • 29. August 2011

    Nach dem Umsturz in Libyen fordern die USA die Auslieferung des Lockerbie-Attentäters al-Megrahi nach Grossbritannien. Die «Tagesschau» berichtet darüber. Der frühere libysche Justizminister Mustafa Muhammad Abd al-Dschalil bekräftigte im Februar in einer schwedischen Zeitung Libyens Schuld in der Affäre: «Ich habe Beweise dafür, dass Gaddafi den Befehl zum Anschlag von Lockerbie gegeben hat.»

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  • Kommentar von Urs Schmidlin, Riehen
    Im neuen Beobachter findet sich eine Recherche von Otto Hostettler die der Frage nachgeht, ob der Iran in das Attentat verwickelt sein könnte: „Zwei Tage nach Lockerbie wurden Millionen aus dem Iran auf ein Konto in Lausanne überwiesen und an palästinensische Extremisten weitergeleitet. Was unternahm die Schweiz?“ Titel: „Lockerbie; Das Schweizer Schweigen“ Findet man unter dem genannten Titel online.
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