Auf der Flucht – aber Zeit für ein Interview

Der mexikanische Drogenboss El Chapo gab dem Hollywoodstar Sean Pean auf seiner Flucht ein Interview. Der Mexikaner sprach mit ihm über seine U-Boot-Flotte, seine Flucht und die Liebe zu seiner Mutter.

 Joaquín «El Chapo» Guzmán und Sean Penn Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Drogenboss und der Hollywoodstar plauderten in Guzmáns Dschungelversteck über dessen Flucht aus dem Gefängnis. Keystone

Der mexikanische Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán, der am Freitag gefasst wurde, hat dem US-Hollywoodstar Sean Penn während seiner Flucht ein siebenstündiges Interview gegeben. Weitere Telefon- oder Videointerviews folgten. Das Magazin «Rolling Stone» veröffentlichte in der Nacht zum Sonntag einen Erfahrungsbericht des Schauspielers.

Zum Beleg, dass sich die beiden Männer wirklich in Guzmáns Dschungelversteck getroffen hatten, veröffentlichte das Magazin ein Foto, das ihn und Penn beim Handschlag zeigt. In dem Gastbeitrag schildert Penn die abenteuerlichen Umstände, unter denen sein Treffen mit «El Chapo» zustande gekommen sei.

Die mexikanische Regierung hatte Kenntnis von der Begegnung der beiden Männern. Sie soll einer Regierungsquelle zufolge geholfen haben, Guzmán zu fassen. Am Freitag hatte der Generalstaatsanwalt angegeben, dass der Drogenboss während seiner Flucht in Kontakt zu Schauspielern und Produzenten gestanden habe. Dieser Austausch habe geholfen, den Aufenthaltsort von Guzmán herauszufinden.

Tweet des Rolling Stone Magazin

«Kein gewalttätiger Mensch»

Im Interview hat Guzmán Fragen zu seinem Aufstieg vom jugendlichen «Orangenverkäufer» zum berüchtigten Drogenbaron beantwortet, über sein «glückliches» Leben nach der Flucht aus dem Gefängnis gesprochen und die Frage verneint, ob er ein gewalttätiger Mensch sei.

Gegenüber Sean Penn hat der Mexikaner laut «Rolling Stone» mit seiner U-Boot, Flugzeug-, Lastwagen- und Schiffsflotte geprahlt. Zwischen zwei Schluck Tequila habe er sich gerühmt, «mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marijuana als irgendjemand sonst in der Welt» ausgeliefert zu haben.

Auch stellte sich der Drogenbaron im Interview als «liebevollen Familienmensch» dar, der eine «perfekte» Beziehung zu seiner Mutter habe. Nie würde er Streit suchen; er sei aber stets bereit, sich zu verteidigen.

Auslieferung an die USA

Der Chef des mächtigen Sinaloa-Kartells war am Freitag in der westmexikanischen Stadt Los Mochis festgenommen worden, ein halbes Jahr nach seiner Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Nach der Festnahme machte die mexikanische Regierung den Weg frei für eine Ausweisung in die USA. Das Auslieferungsverfahren werde nun beginnen, teilte das Justizministerium am Samstag mit.

Wann mit der Überstellung zu rechnen ist, wurde nicht mitgeteilt. Ein mexikanischer Bundesrichter hatte die Überstellung des Kartellchefs an die Vereinigten Staaten bereits genehmigt. Guzmáns Anwälte legten allerdings Einspruch gegen die Entscheidung ein.

Haftbefehl wegen Drogenhandels

Guzmán war zeitweise einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt. Er baute das berüchtigte Sinaloa-Kartell zur mächtigsten Verbrecherorganisation Mexikos auf und schreckte nicht davor zurück, seine Rivalen ermorden zu lassen. Er war 1993 bereits einmal in Guatemala festgenommen worden. 2001 gelang ihm aber die Flucht aus einem Gefängnis im Westen Mexikos.

Gegen den Mexikaner liegen in den USA mehrere Haftbefehle wegen Drogenhandels vor. Nach seiner letzten Festnahme im Februar 2014 hatte Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto einer Auslieferung in die USA noch eine Absage erteilt.