Australische Buschbrände: Alle zwei Jahre kommt's zur Katastrophe

Gestern meldete die Feuerwehr erste Erfolge gegen die Flammen. Heute machen ihnen die sengende Hitze und die heftige Winde einen Strich durch die Rechnung. SRF-Korrespondent Urs Wälterlin analysiert die prekäre Lage im Südosten von Australien.

Buschbrände in Australien. Ein Feuerwehrmann im Vordergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: SRF-Korrespondent: «Früher hätte man von einem Jahrhundert-Brand gesprochen.» Keystone

Im Südosten von Australien im Bundesstaat New South Wales sind wieder neue Buschbrände ausgebrochen. Tausende Australier sind aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen.

Buschbrände in Australien (unkommentiert)

0:51 min, vom 23.10.2013

Die Brände westlich von Sydney haben gemäss Angaben der Feuerwehr eine kritische Phase erreicht. Die Temperatur stieg auf 35 Grad und die Windgeschwindigkeit betrug 100 Stundenkilometer. Damit steige die Gefahr einer Ausbreitung der Brände erheblich, sagte der Chef der ländlichen Feuerwehr. «An Tagen wie diesen kommt es auf Minuten an.»

«Ein Wetterumschwung würde zu einer Beruhigung der Situation führen», sagt SRF-Korrespondent Urs Wälterlin zu SRF News Online. Momentan sei es aussergewöhnlich heiss für diese Jahreszeit. Aufgrund des Klimawandels müsse sich Australien in den nächsten Jahrzehnten vermehrt auf Buschbrände gefasst machen. «Früher wäre ein solches Feuer als Jahrhundert-Brand in die Geschichte eingegangen. Mittlerweile wird es laut Forschern alle zwei Jahre solche Buschbrände geben», so Wälterlin.

75'000 Menschen in Gefahr

Immer noch besonders gefährdet war die Region Blue Mountains westlich von Sydney, wo 75'000 Menschen leben. Dort lodern seit Tagen riesige Feuer. In Springwood, wo vergangene Woche hundert Häuser abbrannten, wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.

Kritisch war die Lage auch in Minmi nahe Newcastle nördlich von Sydney. «Wenn Sie in Minmi sind, folgen Sie ihrem Überlebensplan», erklärte die Feuerwehr. «Wenn Ihr Plan ist, zu fliehen, dann fliehen Sie jetzt.»

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Zur Person

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Der gebürtige Basler Urs Wälterlin lebt seit 1992 in der Nähe der australischen Hauptstadt Canberra. Für SRF berichtet er über Australien, Neuseeland und Ozeanien.

«Kommunikation markant verbessert»

Die Buschbrände in Australien haben bereits mehr als 120'000 Hektar Land und mehr als 200 Häuser zerstört. Menschen kamen bisher nicht zu Schaden.

Laut Wälterlin hat die Feuerwehr aus den dramatischen Erfahrungen bei den Bränden in Viktoria 2009 gelernt. Die gravierenden Kommunikationsprobleme konnten reduziert werden. In Viktoria starben 170 Menschen.

«Die Kommunikation zwischen der Feuerwehr und Polizei konnte inzwischen markant verbessert werden. Das ist ein Grund weshalb beim aktuellen Feuer noch keine Toten zu beklagen sind.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Kampf gegen die Flammen in Australien geht weiter

    Aus Tagesschau vom 23.10.2013

    Trotz Gluthitze und heftigem Wind hat die Feuerwehr die Buschbrände in Australien am Mittwoch unter Kontrolle bringen. Ein Verschmelzen mehrerer Brandherde zu einem Superfeuer wurde verhindert. Erste Bewohner können in ihre Häuser zurück. Entwarnung gibt es trotzdem noch nicht.

  • Weitere Brände in Australien

    Aus Tagesschau vom 23.10.2013

    In Australien sind neue Brandherde dazugekommen. Diese werden aus der Luft und auch am Boden bekämpft. Die australische Feuerwehr macht das mit konventionellen Mitteln. Aber zum Teil auch mit überraschend unkonventionellen, in dem sie selber Brände legt.

  • Die Wirtschaft am Boden - Hoffnung auf «Georgischen Traum»

    Aus Rendez-vous vom 23.10.2013

    Der bisherige Amtsinhaber Georgiens, Mikhail Saakaschwili, einst Held der «georgischen Rosenrevolution», muss wegen der Amtszeitbeschränkung abtreten. Bereits vor einem Jahr hat in Georgien eine neue politische Kraft die Mehrheit im Parlament übernommen, das Bündnis «Georgischer Traum».

    Das Bündnis dürfte auch siegreich sein bei der Wahl ums Staatspräsidium vom Sonntag - obwohl viele Georgierinnen und Georgier noch wenig vom versprochenen Wirtschaftsaufschwung spüren. Eine Reportage.

    Peter Gysling