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International Balkanländer fordern «europäische Antwort» auf Flüchtlingskrise

In Wien hat die eintägige Westbalkan-Konferenz begonnen. Angesichts des gewaltigen Flüchtlingsstroms aus dem Nahen Osten fordern die Balkanstaaten die EU zum Handeln auf. Thematisiert werden soll aber auch die Emigration aus den Balkanstaaten selbst.

Legende: Video Westbalkan-Konferenz in Wien abspielen. Laufzeit 1:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.08.2015.

Die Teilnehmer der Westbalkan-Konferenz haben in Wien mit ihren Beratungen über weitere Schritte zur Bewältigung der aktuellen Flüchtlingskrise begonnen. Mit deutlichen Worten haben Serbien und Mazedonien die Europäische Union zum Handeln aufgefordert. Die Transitländer seien mit der grössten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert, sagte Serbiens Aussenminister Ivica Dacic.

Jeder ganz allein, erst recht gegen den Anderen, werden wir diese Herausforderung nicht lösen können
Autor: Werner FaymannÖsterreichischer Bundeskanzler

Von den Transitländern werde ein Aktionsplan erwartet, sagte Dacic. Dabei gehe es um ein Problem der EU, daher müsse zuerst die EU einen Plan vorlegen, so Dacic zum Auftakt der Konferenz. «Solange es keine europäische Antwort auf das Problem gibt, sollte sich niemand die Illusion machen, dass das gelöst wird», erklärte der mazedonische Aussenminister Nikola Poposki.

Österreich regt Debatte über Asylprüfung in Heimatländern an

Dass angesichts des Ausmasses des Zustroms eine europäische Strategie unumgänglich ist, räumten in Wien auch der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz ein. Es sei beschämend, dass Griechenland als EU-Land die Flüchtlinge einfach ins benachbarte Nicht-EU-Land Mazedonien durchwinke, sagte Kurz. Die EU müsse über ganz neue Wege im Asylverfahren nachdenken.

Dazu könne auch die Möglichkeit gehören, bereits im Heimatland der Flüchtlinge eine Asylprüfung vorzunehmen, so der österreichische Aussenminister. Bundeskanzler Werner Faymann rief zudem zu einem verstärkten Kampf gegen Schlepper auf. «Wir haben gemeinsam die Pflicht, etwa jene, die an diesem Leid auch noch verdienen, in die Schranken zu weisen», sagte der Sozialdemokrat in seiner Eröffnungsrede.

Deutschland kritisiert ungarischen Grenzzaun

Leise Kritik an Ungarns Reaktion auf den Migranten-Zustrom über die Balkan-Route gab es von der deutschen Regierung. «Wir sind keine Verfechter von Grenzzäunen. Wir glauben auch nicht, dass Grenzzäune am Ende das Thema Migration lösen werden», sagte Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier zum Auftakt der Konferenz.

Neben dem Umgang mit dem Zustrom von Flüchtlingen aus den Krisengebieten des Nahen Ostens, will die deutsche Bundeskanzlerin in Wien auch den Exodus aus dem Balkan thematisieren. Im laufenden Jahr stammten fast 45 Prozent aller Asylanträge in Deutschland von Menschen aus den sechs Balkan-Staaten.

Westbalkan-Konferenz

Die Westbalkan-Konferenz wurde 2013 ins Leben gerufen und findet mindestens jährlich statt. Zum Dialog mit EU-Vertretern sind jeweils die Staats- und Regierungschefs sowie die Aussen- und Wirtschaftsminister der Nachfolgestaaten Jugoslawiens und Albaniens eingeladen.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Schlemihl Wrobel (Peter Schlemihl)
    Die Herausforderungen des Asylwesens lassen sich nur gesamteuropäisch lösen. Die EU-Kommission hat hierzu gute und sinnvolle Vorschläge gemacht. Leider wird die Asylthematik in vielen europäischen Staaten (auch in der Schweiz) von rechtspopulistischen Parolen dominiert, so dass die klugen Vorschläge der EU bisher in den Nationalstaaten einen schweren Stand hatten. All jene die glauben, man könne diese Herausforderungen mit Mauern oder Grenzkontrollen meistern, irren!
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Solange Kriege in Afrika und dem nahenund mittleren Osten geführt werden, werden die Flüchtlingsströme weiter anhalten und anwachsen. Europa sollte sich endlich von den Kriegsherren ennet dem Ozean emanzipieren - und sich wagen, Krigsherren anzuklagen und zur Verantwortung zu ziehen. "Menschenrechte und Demokratie" mit Kriegen bringen zu wollen wird IMMER scheitern.
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    1. Antwort von Kim Hansson (Freddy Tobler)
      Sie haben im Iran einen gewählten Präsidenten geputcht (weil er Öl verstaatlichen wollte), ihre Mann wurde dann von Aiatola Komeni gestürzt. Dann rüsteten sie Sadam auf gegen Komeni, bis der nach 7J selber über Nacht zum Bösewicht wurde den es zu bekämpfen galt. Es ging ihnen noch nie um Demokratie oder Menschenrechte, einzig um Schürfrechte.
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  • Kommentar von Verena Eberhard (Verena Eberhard)
    80 % der sogenannten Flüchtlinge sind aus wirtschaftlichen Gründen unterwegs (ich zähle die Eritreer auch dazu) und die Menschen, welche Schutz bedürfen haben kein Geld für die Reise (Famillien aus Syrien). Das Asylwesern ist nicht nur in der EU aus dem Ruder gelaufen bei uns schon lange.
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