Barack Obama trifft sich mit Stammeshäuptlingen

US-Präsident Barack Obama, selbst ein Vertreter einer Minderheit in den Vereinigten Staaten, trifft sich bereits zum sechsten Mal mit Häuptlingen der Indianerstämme Nordamerikas. Sie haben eine lange Liste von Wünschen und Forderungen.

Barack Obama inmitten von Indianern Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schon 2013 traf Barack Obama mit den Häuptlingen der Indianerstämme zusammen. Keystone/Archiv

Es sind über 500 Vertreter von Stämmen und indianischen Organisationen, zusammen mit 36 ausgewählten indianischen Jugendlichen, die im Weissen Haus mit dem US-Präsidenten Barack Obama und Ministern aus dem Kabinett zusammentreffen. Wie Thomas Accola, Spezialist für Indigene Völker bei SRF, sagt, sind unter anderem die Minister für Gesundheit, Erziehung, Justiz und Verkehr anwesend, um den Indianervertretern Antworten zu geben. Es ist bereits die sechste derartige Konferenz.

Mehr als ein Drittel der indigenen Amerikaner leben in Armut und Arbeitslosigkeit. Dagegen soll etwas unternommen werden. Zumindest habe Obama ein offenes Ohr für die Anliegen der Indigenen. «Unter seinem Vorgänger George W. Bush waren die indigenen Amerikaner kaum ein Thema. Indianer waren für Bush politisch eine vernachlässigbare Grösse», sagt Accola. Obama beziehe die Indianer aber nicht aus Mitleid mit ein, sondern aus der Überlegung heraus, dass sie sich als früher vernachlässigte Gruppe nun ernstgenommen fühlen sollen.

Indianer als politischer Faktor

Denn anders als Bush sieht Obama die Indianer als einen politischen Faktor an. «Es gibt Stämme, die durch den Betrieb von Casinos sehr reich geworden sind», sagt Accola, und diese Stämme böten Arbeitsplätze und seien ein wirtschaftlicher Mitspieler geworden. «Sie beginnen auch, via Parteispenden politischen Einfluss zu nehmen.»

Obama will die Indianer unterstützen

3:53 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.12.2014

Weiter gibt es Staaten, in denen die Stämme als Bevölkerungsgruppe stark genug sind, um bei Wahlen das Zünglein an der Waage spielen zu können. «Zum Beispiel, wenn ein Senator gewählt wird. In der Vergangenheit haben sie dies oft mit Erfolg gemacht, zum Beispiel in Alaska, Montana, New Mexico und South-Dakota.»

Lange Wunschliste

Die Wunschliste der Stämme ist etwa 90 Seiten lang und betrifft fast alle Bereiche, in denen die amerikanische Regierung tätig ist. In den meisten Fällen handle es sich um Verfügungen und Verordnungen, also Entscheide, die die Regierung in eigener Kompetenz – also ohne Zustimmung des Kongresses – fällen könne, sagt Accola.

Anliegen seien die Sicherheit, die Gesundheitsversorgung in den Reservaten, bessere Schulen, Wirtschaftsförderung und der Wunsch, dass indianische Kinder aus schwierigen Verhältnissen in indianischen Pflegefamilien auswachsen können, anstatt von Weissen adoptiert zu werden. Und schliesslich fordern die Indianer auch Schutz für ihre heiligen Stätten. Diese sind zum Teil von Tourismusprojekten bedroht.