«Beckenbauer ist längst kein Kaiser mehr»

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Franz Beckenbauer. Es geht um Geldwäsche, Veruntreuung und um dubiose Zahlungen. In Deutschland sei das erwartet worden, sagt Johannes Aumüller von der «Süddeutschen Zeitung».

Franz Beckenbauer, rechts Hand im Gesicht Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ermittlungen gegen Beckenbauer? Das haut in Deutschland niemanden mehr vom Hocker. Keystone

Im Zusammenhang mit der Fussballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen Franz Beckenbauer ein Strafverfahren eröffnet. Beckenbauer war damals Präsident des WM-Organisationskomitees und ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Fussball-Bundes.

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Johannes Aumüller

Johannes Aumüller arbeitet seit 2008 für die «Süddeutsche Zeitung». Er ist dort für die Sportpolitik zuständig.

SRF News: Wie gross ist der Schrecken in Fussball-Deutschland?

Johannes Aumüller: Er ist da, aber er ist nicht so gross. Die Affäre schwelt inzwischen schon sehr lange, seit Herbst vergangenen Jahres. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis so eine Meldung kommt wie jene vom Donnerstag, wonach auch die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen Beckenbauer direkt ermittelt.

Was heisst das für die Legende Beckenbauer, den sogenannten Kaiser?

Der Kaiser ist schon länger kein Kaiser mehr. Es gibt Leute, die ihn nie als Kaiser empfunden haben. Die Kollegen vom «Spiegel» haben schon vor fast 20 Jahren einmal einen langen Artikel mit dem Titel «Der Firlefranz» publiziert. Spätestens seit letztem Herbst, als wiederum der «Spiegel» als erstes über merkwürdige Zahlungen berichtete, und seit den ganzen Sachen, die seitdem herausgekommen sind, muss man sagen, dass der Status Beckenbauers arg ramponiert worden ist.

«Der Status Beckenbauers ist arg ramponiert»

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Welche Rolle spielt der Deutsche Fussball-Bund, der DFB, in der Affäre?

Der DFB – das ist eine zweischneidige Sache. Einerseits muss man konstatieren, dass es ein gewisses Aufklärungsbemühen von Seiten des neuen Führungspersonals gab. Andererseits hat man auch das Gefühl, dass die neue Spitze den Skandal und die Nachforschungen am liebsten für beendet erklären würde. Man hat eine externe Kanzlei beauftragt, die hat im März einen Untersuchungsbericht vorgelegt, der einige interessante Details beinhaltet. Er klärt aber längst nicht alle Fragen. Man hatte das Gefühl, dass der DFB nun hofft, dass mit diesem Bericht die Sache geklärt sei. Doch das war, hat es denn existiert, ein trügerisches Gefühl. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt, die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt, und das FBI – so zumindest unsere Information – untersucht das Sommermärchen auch. Von daher herrscht noch lange keine Ruhe.

Übt der DFB denn keine Selbstkritik?

Zu wenig. Trotz des Berichts findet keine richtige Distanzierung von denen, die damals verantwortlich waren, statt. Auch Beckenbauer ist durch den neuen Präsidenten als Teil der Familie eingebunden worden. Es ist ein Spannungsfeld. Man merkt den neuen Verantwortlichen beim DFB an, dass sie einerseits eine klare Grenze ziehen wollen, aber andererseits eben nicht eine komplette Trennung vollziehen können oder wollen.

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Offenbar hat Beckenbauer mit den Schweizer Behörden kooperiert. Wie reagiert er, wenn er in die Ecke gedrängt wird?

Ich glaube, dass er so reagieren wird, wie er seit Anbeginn der Affäre vergangenen Herbst reagiert hat, nämlich mit weitestgehendem Schweigen. Er hat seitdem fast durchgehend geschwiegen. Er hat der «Süddeutschen Zeitung» einmal ein grösseres Interview gegeben, aber ansonsten hat er geschwiegen. Ich vermute, dass dies so bleiben wird.

Das Gespräch führte Romana Costa.

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