37 Jahre Berufspolitiker Bei der CSU sticht nur die Trumpfkarte Seehofer

Er will es nochmal wissen: Horst Seehofer will 2018 noch nicht in Pension gehen, sondern in seinen beiden Spitzenämtern als CSU-Parteichef und Ministerpräsident in Bayern bleiben.

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Bildlegende: Er will's nochmal wissen: Horst Seehofer. imago

«Ich habe dem Parteivorstand mitgeteilt, dass ich bereit bin, auch in den nächsten Jahren mich für das Amt des Parteivorsitzenden und für das Staatsamt des bayerischen Ministerpräsidenten zu bewerben.» Das sagte der 67-Jährige Horst Seehofer am Montag in München.

Fast vier Stunden hatte das Parteigremium hinter verschlossenen Türen über die personelle Situation beraten. Mit Seehofer setzt die CSU nun in unruhigen Zeiten auf personelle Konstanz.

Seehofer hatte in den vergangenen Jahren oftmals angekündigt, zur bayerischen Landtagswahl im Herbst 2018 nicht mehr anzutreten. Doch in jüngster Zeit war er von mehreren CSU-Spitzenpolitikern zum Weitermachen gebeten worden. Als populärster Vertreter seiner Partei gilt Seehofer vielen als Garant dafür, dass die CSU bei der Bundestagswahl am 24. September gut abschneidet und ein Jahr später in Bayern ihre absolute Mehrheit verteidigt.

Herrmann und Dobrindt am Start

Gleichzeitig brachte Seehofer den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann in Stellung. Er soll Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl im September werden. Die CSU-Parteispitze sähe den 60-Jährigen bei einem Wahlerfolg gerne als neuen Bundesinnenminister.

Auf Platz zwei der Spitzenkandidaten steht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Offiziell wird die Landesliste der Kandidaten für die Bundestagswahl Anfang Mai von der Parteileitung beschlossen.

Der bayerische Finanzminister Markus Söder, der seit längerem als aussichtsreichster Nachfolgekandidat von Seehofer gilt, muss sich nun noch weiter in Geduld üben. Er gilt zwar als Dauerrivale von Seehofern, aber auch als dessen aussichtsreichster Nachfolger. Söder sagte, es sei gut, dass jetzt Klarheit
herrsche.

Seehofer mit Merkel gegen Schulz

Seit Oktober 2008 ist Seehofer CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident des Freistaats Bayern. In der Partei wird er als wichtiges politisches Gegengewicht zu Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel gesehen – nicht zuletzt, um gemeinsam die Regierungsmacht gegen die SPD unter Kanzlerkandidat Martin Schulz zu verteidigen.

Erst im Februar suchten die beiden Spitzenpolitiker nach monatelangem Dauerstreit über die Flüchtlingspolitik demonstrativ einen Schulterschluss. So sagte Seehofer erst kürzlich über die Kanzlerin: «Wir werden nur mit Angela Merkel diesen Wahlkampf gewinnen. Das ist unser grösster Trumpf. Und mit niemandem sonst.»

Seehofer regiert unangefochten in Bayern und in der CSU

Horst Seehofer (67) blickt bereits auf vier Jahrzehnte Politik zurück: 1980 zog er in den Bundestag ein, 1992 wurde er Bundesgesundheitsminister. Nach der Wahlniederlage der Union 1998 gab er im Streit den Sitz als Vize-Fraktionsvorsitzender ab. Ein Jahr vor der Bundestagswahl 2005 war Seehofer – wie er selbst sagte – «politisch tot». Doch er kam wieder: als Bundesagrarminister von Edmund Stoibers Gnaden.

Auf dem CSU-Parteitag 2007, als es um das Erbe Edmund Stoibers ging, unterlag er gegen Erwin Huber. Erst ein Jahr später schlug Seehofers grosse Stunde, als er innert weniger Tage CSU-Parteichef und Ministerpräsident von Bayern wurde.

Seither durchlebte Seehofer Höhen und Tiefen. Die Rückeroberung der absoluten Mehrheit in Bayern 2013 war sein bislang grösster Triumph. Doch schon bei der Europawahl ein Jahr später liess eine missglückte Wahlkampfstrategie von Seehofer die CSU wieder dramatisch absacken.