Bekannter Journalist stirbt bei Explosion einer Autobombe in Kiew

Mitten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist der bekannte Journalist Pawel Scheremet getötet worden. Als er mit seinem Auto losfuhr, detonierte eine Bombe. Es ist das Ende eines ewig Gejagten. Und ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Pressefreiheit in der Ukraine unter Druck gerät.

Zerstörtes Auto, in dem Scheremet drin sass. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mitten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist der bekannte Journalist Pawel Scheremet mit einer Bombe getötet worden. Keystone

Pawel Scheremet hatte viele Feinde. In Weissrussland geboren, musste er seine Heimat verlassen. Der Journalist hatte sich mit Staatspräsident Alexander Lukaschenko angelegt. Mehrere Jahre arbeitete er daraufhin in Russland.

Doch auch dort wurde der Raum für freie Geister wie ihn immer enger. 2014 zog Scheremet in die Ukraine. Hier konnte er noch Journalismus machen, wie er sich das vorstellte: kritisch, unabhängig, unbestechlich. Jetzt ist Scheremet tot.

Scheremet im Jahre 2004. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Scheremet galt als eng vernetzt, vor allem mit der Führung des prowestlichen Staatspräsidenten Poroschenko. Keystone

War Sprengsatz ferngeszündet?

Als er heute Morgen mit seinem Auto losfuhr, detonierte eine Bombe. Er habe allein im Wagen einer Kollegin gesessen, als das Fahrzeug explodiert sei, berichtete die «Ukrainskaja Pravda», das unerschrockene Internetportal, das den Volksaufstand auf dem Maidan unterstützt hatte, und bei dem Scheremet im Führungsgremium sass.

«Ob die Bombe selbstgebaut war oder nicht, müssen Experten klären», sagte ein Behördensprecher. «Der Sprengsatz war entweder ferngezündet oder hat zeitverzögert angesprochen», sage ein Sprecher des Innenministeriums weiter.

Ein unbequemer Journalist

Der Mord erschüttert die Ukraine. Obwohl noch nicht lange in dem Land, gehörte der 44-Jährige zu den bekanntesten Journalisten. Neben der Tätigkeit für die «Ukrainska Pravda» sass er auch bei «Radio Westi» als Moderator am Mikrofon. Bis zu seinem Tod hat sich Scheremet zudem für eine Gruppe von jungen Politikern engagiert, die das Land zu einer Demokratie nach europäischem Vorbild machen wollen.

Die Tat sei ein «Anschlag auf die Pressefreiheit», erklärte der stellvertretende Generalstaatsanwalt. Tatsächlich kann man diesen Mord nur so lesen: Hier wurde ein unbequemer Journalist aus dem Weg geräumt. Wer dahinter steckt, ist bisher völlig offen. In Kiew wird spekuliert, ob die Spuren der Mörder nach Weissrussland oder nach Russland führen. Aber auch in der Ukraine selbst hat sich Scheremet bei vielen Mächtigen unbeliebt gemacht. Er recherchierte zuletzt offenbar über korrupte Machenschaften ukrainischer Beamter.

Es ist nicht die erste Attacke auf Journalisten in der Ukraine. Und auch nicht der erste Mord. Erst vor gut einem Jahr war der regierungskritische Journalist Oles Busina in Kiew erschossen worden. Im Jahr 2000 war der Gründer der «Ukrainskaja Prawda», Georgi Gongadse, ermordet worden. Der Auftraggeber wurde nie gefasst.

Rückschlag für Medienfreiheit

Die Ukraine hat zwar im Vergleich etwa zu Russland eine äusserst lebendige Medienlandschaft. Doch noch immer kontrollieren Oligarchen die wichtigsten TV-Kanäle. Zudem polarisiert der Konflikt mit prorussischen Separatisten im Osten die Gesellschaft. Kürzlich hat ein nationalistisches Portal Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Journalisten veröffentlicht, die aus den Rebellengebieten berichtet haben. Sie wurden als «Schurken» und «Kollaborateure» verunglimpft.

Seit der Maidan-Revolution ist die Pressefreiheit in der Ukraine zwar grösser geworden. Der Mord an Scheremet bedeutet aber einen schweren Rückschlag für ein Land, das gerade seinen Weg in die Zukunft sucht.