Bericht zeigt auf: Die Kölner Polizei war früh informiert

Allmählich werden weitere Details zur Silvesternacht in Köln bekannt, und sie lassen aufhorchen: Die Kölner Polizei war womöglich schon früh über die Übergriffe informiert, wie es in einem Bericht heisst.

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Merkel kündigt harte Massnahmen an

1:05 min, aus Tagesschau vom 7.1.2016
Kölner Polizisten untersuchen Verdächtige vor dem Dom. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Kölner Polizei wusste offenbar mehr, als sie zugab. Keystone / Archiv

Seit wann wusste die Kölner Polizeispitze vom Ausmass der Übergriffe in der Silvesternacht? Und warum wurden Details erst so spät bekannt? Ein interner Bericht der Bundespolizei gibt Einblick in die dramatische Lage vor dem Hauptbahnhof der Domstadt.

Die deutsche Polizei war nach Angaben eines leitenden Beamten frühzeitig über Ausmass und Dramatik der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht informiert.

Frauen suchten Schutz bei der Polizei

Während der Ausschreitungen am Hauptbahnhof hätten Frauen Schutz bei der Polizei gesucht, heisst es unter anderem in einem internen Einsatzbericht des Bundespolizisten, den die Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag publik machte.

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16 Tatverdächtige

Inzwischen konnte die Polizei 16 Verdächtige ausfindig machen. Zurzeit werde geprüft, ob sie tatsächlich in Zusammenhang mit den Taten stehen. Die meisten der 16 Verdächtigen konnten via Bild- und Videoaufnahmen ausfindig gemacht werden. Die Zahl der Strafanzeigen ist unterdessen auf 121 gestiegen.

Im Gespräch mit einem führenden Landespolizisten habe er sogar befürchtet, dass das «Chaos noch zu erheblichen Verletzungen wenn nicht sogar zu Toten führen würde», schreibt der Beamte.

In der ersten Pressemitteilung der Polizei am Neujahrsmorgen war die Stimmung in der Innenstadt dagegen als «friedlich» bezeichnet worden. Erst zwei Tage nach Silvester hatte die Polizei über die Übergriffe informiert.

Hohe Anzahl an Migranten

Dagegen schreibt der Bundespolizist, ein Leiter der an dem Einsatz beteiligten Hundertschaft, über die Zeit vor Mitternacht: «Frauen mit Begleitung und ohne durchliefen einen ‹Spiessrutenlauf› im wahrsten Sinne durch die stark alkoholisierten Männermassen, wie man es nicht beschreiben kann». Viele weinende und schockierte Frauen und Mädchen hätten den Beamten von sexuellen Übergriffen berichtet.

Auffällig sei die «sehr hohe Anzahl an Migranten innerhalb der polizeilichen Massnahmen» gewesen. Da die Polizei «nicht jedem Opfer einer Straftat helfen und den Täter dingfest machen konnte, kamen die eingesetzten Beamten an die Grenze der Frustration», schreibt der Bundespolizist im Bericht.

Darin wird zudem eine viel zu geringe Zahl eingesetzter Beamter beklagt. Alle diensttuenden Polizisten seien «ziemlich schnell an die Leistungsgrenze gekommen». Wegen der zahlreichen Vorfälle hätten sich die Beamten «auf die Lagebereinigung mit den notwendigsten Massnahmen» beschränkt.

Die Kölner Polizei wollte sich zunächst nicht zum Bericht des Bundespolizisten äussern.

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