Bewaffnete Milizen machen Tripolis unsicher

Nach dem Sturz und dem Tod von Machthaber Ghadhafi blieb es zuerst relativ ruhig in Libyen. Doch jetzt kommt es zu immer mehr Gewalt. In den letzten Tagen gingen rivalisierende Milizen in der Hauptstadt Tripolis aufeinander los.

10 Menschen kamen bei den jüngsten Ausschreitungen in Libyen ums Leben, rund 100 wurden verletzt. Verteidigungsminister Mohammed al-Berghathi musste nach den blutigen Gefechten seinen Sessel räumen. Dies zeige, dass sich die Sicherheitslage in dem Land in letzter Zeit dramatisch verschlechtert habe, erklärt Maghreb-Korrespondent Beat Stauffer gegenüber SRF.

Druck auf die libysche Regierung

Die bewaffneten Milizen scheinen dabei der Kern des Problems zu sein. Die Regierung unter Ministerpräsident Ali Seidan kündigte an, sie aus Tripolis vertreiben zu wollen. Doch das könnte schwierig werden, sagt Stauffer: «Der Grund liegt darin, dass die Milizen aus Sintan monatelang keinen Sold mehr erhalten haben und in den letzten Tagen in die Hauptstadt gezogen sind, um Druck auf die Regierung zu machen.»

In Tripolis seien sie dann mit einer anderen Miliz zusammengestossen. Es kam zu Schiessereien. «Es handelt sich aber nicht einfach um eine private Rivalität verschiedener Milizen, sondern beide sind dem Verteidigungsministerium unterstellt. Das macht die Sache viel schwieriger», weiss der Nordafrika-Kenner.

Die Milizen misstrauen der Regierung. Das liegt laut Stauffer daran, «dass immer mehr Figuren aus dem alten Regime neu in der Regierung auftauchen». Zudem herrsche krasse Misswirtschaft: «Offenbar sind grosse Summen unterschlagen worden, die für den Aufbau der Armee wie auch für zivile Zwecke bestimmt waren. Das führt zu Frustration in der Bevölkerung – aber auch unter den Milizen.»

Drei ausgebrannte Autowracks nach Unruhen auf einer Strasse in Tripolis Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die libysche Regierung hat Mühe damit, die frustrierten Milizen unter Kontrolle zu behalten. Reuters

Anschläge in Sebha und Bengasi

Libyens Regierung kämpft seit dem Ende des Ghadhafi-Regimes im Herbst 2011 darum, die staatliche Autorität gegenüber militanten Gruppen aufrechtzuerhalten und die Sicherheit in dem nordafrikanischen Land zu gewährleisten.

Erst am Mittwochabend waren in der südlibyschen Stadt Sebha mehrere Autobomben explodiert. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Lana wurden dabei zwei Zivilisten getötet und 17 verletzt. Die Anschläge hatten sich vor einem Café, in der Nähe eines Hotels und auf einer Strasse mit Geschäften ereignet. Zu der Anschlagserie bekannte sich zunächst niemand. In der Stadt Benghasi wurde am gleichen Tag ein Offizier des Militärgeheimdienstes ermordet.