Welche Temperatur werden in Frankreich gemessen? Am Dienstag – so vermeldet Méteofrance – wurden die höchsten in Frankreich je gemessenen Durchschnittstemperaturen gemessen: Durchschnittlich wurden (Tags und Nachts) 29.9 Grad gemessen. Die Höchstwerte liegen bei 40 bis 42 Grad. In mehr als der Hälfte des Landes gilt die Hitzewarnstufe Rot.
Wie geht man in Frankreich mit der Hitze um? Der französische Premierminister Lecornu hat am Dienstag eine Hitze-Krisensitzung einberufen. Das Ziel ist, Massnahmen zu treffen, dass nicht wie im Hitzesommer 2003 15'000 ältere Leute an der Hitze sterben. Bereits sind erste Tote aufgrund der Hitze gemeldet worden: Drei ältere Personen sind im Departement Gironde gestorben und zwei Kinder wurden im Departement Vaucluse tot in einem Auto gefunden, wie französische Zeitungen berichten. Auch schon 40 Todesfälle nach Badeunfällen in Gewässern wurden registriert.
Gibt es Schäden an der Infrastruktur? Aufgrund hitzebedingter Zwischenfälle an Infrastrukturen fiel auf dem Höhepunkt der Krise in rund 120'000 Haushalten im Departement Finistère der Strom aus. Zurzeit sind gemäss dem dortigen Energieministerium noch rund 68'000 Haushalte ohne Strom. Auch im Departement Vaucluse haben rund 5000 Haushalte hitzebedingt keinen Strom.
Was macht die Stadt Paris, um die Hitze erträglich zu machen? Zoe Geissler, SRF-Frankreich-Korrespondentin, sagt: «Paris versucht vor allem, den Zugang zur Kühle zu erleichtern.» Parks blieben in der Nacht geöffnet und an vielen Orten in der Stadt seien Sonnendächer oder Vernebelungsanlagen installiert worden. «Auf der Website der Stadt Paris kann man alle Orte, die Abkühlung bieten, nachschauen.» Sie berichtet weiter von der Idee des zehnten Arrondissements: «Personen unter 25 Jahren und über 65 Jahre dürfen gratis ins Kino, um von der Klimaanlage zu profitieren.»
Gibt es Unterstützung für die Obdachlosen? In Paris leben gemäss Schätzungen rund 3500 Personen ohne Obdach. Für sie ist die Hitzewelle besonders gefährlich. «Sozialteams und Hilfsorganisationen bleiben länger auf der Strasse und verteilen Wasser.» Das seien aber alles Notfallmassnahmen, so die Korrespondentin: «Das Grundproblem, nämlich der Mangel an Unterkünften, ist damit nicht gelöst.»
Wie bereitet sich Frankreich jeweils mittelfristig auf die Klimaveränderung vor? Geisslers Eindruck ist, dass das Land jedes Mal wieder eher unvorbereitet in die Hitzewellen hineinschlittere. «Es handelt sich dann eher um Krisenmanagement.» Die längerfristige Anpassung sei schwieriger, es gehe ja darum, Schulen, öffentliche Gebäude, Zuggleise und Stromleitungen hitzetauglicher zu machen, was Milliarden Euro kostet. Präsident Emmanuel Macron habe vor drei Jahren versprochen, rund 40'000 Schulen innerhalb von zehn Jahren deshalb zu sanieren. Dass dieses Ziel erreicht wird, bezweifelt Zoe Geissler.
Wie sieht Frankreichs Plan zur Anpassung an den Klimawandel aus? Frankreich hat einen nationalen Plan zur Anpassung an den Klimawandel verabschiedet, der Frankreich auf eine Erwärmung von bis zu 4 Grad bis zum Jahr 2100 vorbereiten soll. 85 Prozent dieser Massnahmen seien in Angriff genommen worden, sagte die Ministerin für den ökologischen Wandel erst kürzlich. Gelder für die Finanzierung dieses Plans stammen zum Teil aus den Fonds verts. Geissler sagt jedoch: «Dieser Fonds soll den Gemeinden etwa bei der Anpassung an die Hitze helfen. Doch die Gelder für diesen Fonds sind drastisch gekürzt worden.»