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International Blauhelm-Chef wirbt um Schweizer Soldaten

Die UNO braucht immer mehr Blauhelmsoldaten, doch die westlichen Länder halten sich zunehmend zurück. Jetzt bittet der oberste Blauhelm-Chef Hervé Ladsous im Gespräch mit SRF News erstmals ganz spezifisch um Schweizer Truppen. Seine Forderung verpackt er in Watte – und spart nicht mit Lob.

Ja, er würde sehr gerne mehr mit Schweizer Blauhelmen zusammenarbeiten, Hervé Ladsous, der Chef der UNO-Blauhelme. Denn die UNO habe beste Erfahrungen gemacht mit unbewaffneten UNO-Blaumützen, Militärbeobachtern und Ausbildnern der Schweizer Armee. Nur: Das seien bloss einige wenige.

Tatsächlich sind es nur ein paar Dutzend weltweit. Wobei die Swisscoy-Truppen im Kosovo nicht mitgerechnet sind, da es sich dort nicht um einen UNO-Einsatz handelt.

Das Problem von Ladsous: Heute stammen deutlich mehr als 90 Prozent der Friedenssoldaten aus Ländern der Dritten Welt. Nötig wären aber mehr gut ausgebildete und gut ausgerüstete Truppen aus modernen, westlichen Armeen.

Soldaten auch, die sensibilisiert wurden für Frauen- und Korruptionsfragen. Denn hier hat die UNO ein weiteres Problem. Immer wieder sorgen Skandale um sexuelle Missbräuche durch Blauhelme für Negativschlagzeilen.

Friedenssicherende Operationen im Vordergrund

Der Politiker und Diplomat Ladsous weiss, dass Auslandeinsätze in der Schweiz ein politisch heisses Eisen sind. Aber er verspricht, dass sich schon Blauhelm-Missionen finden liessen, die für Schweizer geeignet und auch mit der Neutralität vereinbar wären. Also eher Operationen, wo Waffeneinsätze wenig wahrscheinlich sind, wo eine Friede gesichert wird und nicht erst erzwungen werden muss.

Das käme ganz direkt auch der Kampfkraft der Schweizer Armee zugute.
Autor: Hervé LadsousChef der UNO-Blauhelme

An die Adresse des Verteidigungsministeriums in Bern wirbt der Franzose wie folgt: «Multinationale Einsätze, die Zusammenarbeit mit ausländischen Armeen, die Erfahrung in heiklen Situationen – all das käme ganz direkt auch der Kampfkraft der Schweizer Armee zugute.»

Romands besonders gefragt

Dass Ladsous jetzt ganz spezifisch um Schweizer buhlt, hat noch einen weiteren Grund: Zurzeit ist die UNO stark engagiert in Konflikten im Kongo, in Zentralafrika, in Mali, in Haiti – also in frankophonen Ländern. Auch da kämen Schweizer, vor allem Westschweizer Friedenssoldaten, gelegen.

Ob Ladsous‘ Bitte in Bundesbern auf offene Ohren stösst, ist offen. Aber unterstützt wird sie ganz entschieden von jenen Schweizern, die bereits unter der hellblauen UNO-Flagge dienen.

Einer von ihnen ist der Westschweizer Generalstabsoberst Patrick Gauchat. Er ist der höchstrangige Schweizer im Hauptquartier der Blauhelme in New York.

Die neutrale Schweiz geniesse in der UNO einen hervorragenden Ruf, sagt Gauchat. Ausserdem wären nach seinen Worten Schweizer Blauhelme in allen Konfliktgebieten unproblematisch, weil die Schweiz keine koloniale Vergangenheit hat. Als Kleinstaat stehe sie auch nicht im Verdacht stehe, primär eigene politische Interessen zu verteidigen. Er ist deshalb überzeugt: Eine Schweizer Armee, in der manche Soldaten UNO-Blauhelmeinsätze hinter sich haben, wäre eine bessere, stärkere Armee.

International Peace Institut: «kein Widerspruch»

Arthur Boutellis, Experte für Friedenseinsätze bei der New Yorker Denkfabrik International Peace Institute, stimmt zu. Er sehe keinen Widerspruch zwischen Neutralität und aktivem, auch militärischem Friedensengagement.

Mehr Schweizer Friedenseinsätze würden – im Gegenteil – das Image der Schweiz abrunden und stärken: Als Land, das sich auf der Weltbühne nach Kräften für Frieden, Vermittlung und diplomatische Lösungen einsetzt.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Zurzeit ist die UNO stark engagiert in Konflikten im Kongo, in Zentralafrika, in Mali, in Haiti - also in frankophonen Ländern." Es ist wahnsinnig schwierig. Auch in Burundi: "Burundi stehe am Rande eines Völkermordes, warnen die UN." (Deutsche Welle unter "UN-Delegation auf Vermittlungsmission in Burundi"). Pascal Couchepin war in seiner neuen Funktion schon dort. Aber unabhängig von ihm weiss ich, dass es vorher in Burundi viel Hoffnung gab. Aber jetzt ist quasi alles wieder kaputt.
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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Mischet euch nicht in fremde Händel, sagte Bruder Klaus. Wir wurden seit 150 Jahren von Kriegen verschont. Sollen sich nun unsere Söhne von einer Teufelbrut die Köpfe abhacken lassen?
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      In Burundi würden viele gerne auf einen "Präsidenten" verzichten, der sich als wiedergeborener Christ versteht und findet, er hätte einen Auftrag Gottes.
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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    In der heutigen Zeit mit den radikalen Gruppen (Terroristen) ist es nur ein Frage der Zeit bis die ersten toten Blauhelm-Schweizersoldaten zurückgeholten werden müssen. Es ist ein Unterschied zwischen UNO-Beobachter oder bewaffnete Blauhelmsoldaten.
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