Blutvergiessen in Ägypten nimmt kein Ende

Nach der Absetzung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi kommt das Land nicht zur Ruhe. Mursis Anhänger fordern hartnäckig seine Rückkehr. Dabei ist es im ganzen Land erneut zu gewalttätigen Zusammenstössen gekommen. Allein in den letzten Tagen starben über ein Dutzend Menschen.

Polizisten mit Gewehren bereiten sich auf einen Einsatz vor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Dauereinsatz – Polizisten machen sich am 23. Juli in Kairo bereit. Wieder ist eine Demonstration angekündigt. Reuters

Knapp drei Wochen nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi steht Ägypten weiterhin vor einer Zerreissprobe. Fast täglich kommt es zu Ausschreitungen zwischen Anhängern und Gegnern von Mursi.

Bei einem Bombenanschlag in der Stadt Al-Mansura im Nildelta ist ein Polizist getötet worden. 28 Menschen, unter ihnen Polizisten und Zivilisten, wurden verletzt. Das bestätigte der ägyptische Ambulanzdienst in Kairo.

Vor dem Polizeikommissariat in der Hauptstadt der Provinz Dakahlija waren unmittelbar hintereinander zwei Bomben explodiert. Drei Tage zuvor hatten in Al-Mansura Unbekannte eine Demonstration von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi angegriffen und dabei drei Frauen getötet.

Unbekannte schiessen auf Demonstranten

Bereits in der Nacht zum Mittwoch wurde ein Protestmarsch der Mursi-Anhänger im Stadtteil Heliopolis in Kairo angegriffen. Unbekannte schossen in die Menge der Demonstranten. Zwei Teilnehmer der Kundgebung wurden getötet, drei weitere verletzt, teilte der Ambulanzdienst mit.

Am Tag zuvor wurden nach amtlichen Angaben wurden neun Menschen getötet, 33 weitere seien verletzt worden, berichtete die staatliche Zeitung «Al-Ahram» auf ihrer Internetseite unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, um die Gewalt zu unterdrücken.

Muslimbrüder glauben an den Sieg

Hunderte Anhänger Mursis hätten in der Nähe der Kairoer Universität demonstriert, als es zu Zusammenstössen mit Anwohnern, Strassenverkäufern und anderen Personen gekommen sei, hiess es in Polizeikreisen. Dabei seien Gewehrschüsse abgegeben und Steine geworfen worden. Mindestens 15 Autos wurden demoliert und angezündet.

Die Muslimbrüder haben sich nach dem Sturz von Mursi am 3. Juli in einem Protestcamp verschanzt. Die Führung glaubt nach wie vor an einen Sieg. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Bis Mursi wieder auf freiem Fuss ist, wollen sie im improvisierten Camp ausharren.

Dialog wird verweigert

Unterdessen erklärte ein Sprecher der Muslimbrüder, dass sie das vom ägyptischen Übergangspräsidenten Adli Mansur angeregte Versöhnungstreffen boykottieren wollen.

Auch die mit den Muslimbrüdern verbündeten Gruppen würden sich dem Dialog verweigern. Der Sprecher begründete die Haltung damit, dass sie die Übergangsregierung nicht anerkennen würden. Mansur hatte angesichts der tiefen Spaltung der ägyptischen Gesellschaft in einer Fernsehansprache erneut zu einer nationalen Aussöhnung aufgerufen.