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International «Boris wurde ermordet – es ist kaum zu glauben»

Verschiedene Regierungschefs und russische Oppositionelle reagieren bestürzt auf die Ermordung des Kreml-Kritikers Boris Nemzow. Der erklärte Putin-Gegner war im Westen beliebt – mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko verband ihn eine Freundschaft.

Legende: Video «Nemzow - der gnadenlose Kritiker» abspielen. Laufzeit 0:41 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 28.02.2015.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko äusserte sich schockiert über den Mord an Boris Nemzow. «Boris wurde ermordet. Es ist kaum zu glauben. Ich habe keine Zweifel, dass die Täter bestraft werden. Früher oder später», schrieb der prowestliche Staatschef in der Nacht zum Samstag bei Twitter.

Poroschenko ist «schockiert»

Der russische Oppositionelle wurde am Freitag im Zentrum von Moskau erschossen. Laut der obersten russischen Ermittlungsbehörde wurde der 55-Jährige durch vier Schüsse in den Rücken getroffen.

Petro Poroschenko
Legende: Mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko verband Nemzow eine Freundschaft. Reuters

Nemzow war ein glühender Unterstützer der Maidan-Proteste gegen den ehemaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Mit dem heutigen Staatschef Poroschenko verband ihn eine Freundschaft.

In der Ukraine gab es im Fernsehen eine Gedenkminute. Auch das russische Staatsfernsehen brachte Trauermusik mit Bildern eines bewegten Politikerlebens

Gorbatschow: «Destabilisierung Russlands»

Der Friedensnobelpreisträger und frühere Kremlchef Michail Gorbatschow warnte vor einer Destabilisierung der Lage in Russland. Es gehe jeden im Land etwas an, wenn gegen Andersdenkende so vorgegangen werde, sagte Gorbatschow Medien zufolge am Samstag in Moskau.

Der 83-Jährige warnte aber auch davor, die Bluttat im Westen zum Schüren antirussischer Tendenzen zu missbrauchen. Die Hintermänner hätten offenkundig darauf gesetzt, den Druck auf Russland zu erhöhen. «Natürlich versuchen gewisse Kräfte, das Verbrechen für ihre Ziele zu nutzen, sie denken doch alle darüber nach, wie sie Putin loswerden können», sagte Gorbatschow.

Russland hat «Verteidiger der Rechte» verloren

Westliche Regierungschefs verurteilen den Mord an Nemzow scharf: US-Präsident Barack Obama forderte die russische Führung zu einer unvoreingenommenen Aufklärung des Verbrechens auf. Obama sprach der Familie Nemzows sein Beileid aus, ebenso wie dem russischen Volk, das «einen der engagiertesten und eloquentesten Verteidiger seiner Rechte» verloren habe.

Legende: Video «Was bedeutet der Nemzow-Mord für die russische Opposition?» abspielen. Laufzeit 0:34 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.02.2015.

Auch die offizielle Schweiz reagierte: Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) «verurteilt die brutale Ermordung eines unermüdlichen Verteidigers der Demokratie und Kämpfers gegen die Korruption und spricht den Angehörigen seine aufrichtige Anteilnahme aus», heisst es in der Mitteilung vom Samstag.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Aussenminister Frank-Walter Steinmeier äusserten sich ebenfalls bestürzt über die Ermordung des russischen Oppositionspolitikers. Merkel forderte Putin auf zu gewährleisten, dass der Mord aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen würden.

Hollande: «Niederträchtige» Tat

Der französische Staatspräsident François Hollande bezeichnete den Mord an Nemzow als «niederträchtig». Der frühere Vize-Ministerpräsident sei ein mutiger und unermüdlicher Verteidiger der Demokratie gewesen, teilte der Élysée-Palast am Samstag mit. Hollande würdigte Nemzow zugleich als erbitterten Kämpfer gegen die Korruption.

28 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli, Burgdorf
    Obama ist ein richtiger Träumer:!!!! Ist in Russland je ein Verbrechen gegen einen Oppositionellen aufgeklärt worden??? Nur die "Ganz Schweren Verbrechen" wie gegen Michael Chodorkowsky, Pussy Riot oder die Navalny-Brüder werden sofort aufgeklärt. Das nenne ich russische Effizienz??? Da können wir noch was lernen IM WESTEN!
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @B.Häberli. Herr Obama, Friedensnobelpreisträger und "Drohnenbomberkönig" steht diesbezüglich Herrn Putin in nichts nach. Ich finde, beide Seiten tun alles, sogar Kriege führen, zu ihrem Machterhalt. Wie E.Snowden - ein freier Journalist - von den USA gejagt wird, im Gegnsatz dazu wie George W.Busch mit seiner "Alt-Administration" der Kriegsverbrechen nicht angeklagt, sondern geschützt wird, zeigt doch die US-Amerikanische Scheinheiligkeit.
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  • Kommentar von Markus bach, Basel
    Jaschko, vergessen sie net, dass Russland eine Uno Resolution in Syrien verhindert hat. Putin wollte lieber Waffen verkaufen als Frieden. Somit sind heute mehr als 200'000 Menschen getötet worden! Und er trägt hier die grösste Mitschuld am schlimmsten Disaster des 21. Jh!
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    1. Antwort von B. Bedi, Alpnach
      @Markus bach: Quatsch! Klar hat er die UNO (USA) Resolution verhindert. Wie würde es jetzt in Syrien aussehen, wenn nicht? Keine lebenden Christen, Aleviten, Jesiden usw.! Nicht zu vergessen den russischen Marinestützpunkt in Syrien. Wer hätte wohl ein Interesse, dass Syrien aufgeteilt wird?
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      @M.Bach. Putin war federführend in der Vernichtung der syrischen chem. Waffen. Er hatte sich gegen Obama und Kerry durchgesetzt, die hätten in Syrien einmarschieren wollen - natürlich nur, um Demokratie zu bringen!
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  • Kommentar von c.jaschko, Bern
    Jedes Leben zählt und so auch ist es sehr traurig dass dieses ausgelöscht wurde. Was mir allerdings sorgen macht sind z.B. Hippokratische-Politiker wie Merkel die Geld für einen Krieg an der Ost-Ukraine bereitstellen wo tausende qualvoll sterben und zur gleichen Zeit lautstark einen einzigen Mord verurteilen :-) Täglich sterben 10 000 Kinder Weltweit am Hunger und dass juckt wirklich Keinen. Unsere Weltordnung macht absolut keinen Sinn, die anderen Zivilisationen im Universum lachen über uns :-)
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Leider ist für diese Politiker, sich solidarisch mit hungernden Kindern, oder unschuldig getöteter Zivilisten durch diesen Konflikt in der Ukraine, durch Attentate von Terroristen usw.zu zeigen, nicht so medienwirksam. Obama geht ja auch erst nach der Hinrichtung eines EINZIGEN amerikanischen Journalisten gegen die IS vor. Die schon vielen unschuldigen Toten, die vielen auf der Flucht, das Leid, die Not dieser bis dahin interessierte ihn & seine Mitstreiter vorher nicht.
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    2. Antwort von Markus bach, Basel
      Wieder vom Thema ablenken? Jaschko und stanic, bleien sie doch mal beim eigentlichen Thema und geben sie eine ehrliche Meinung ab! Das Regime in Russland ist für sie immer noch fehlerfrei und menschenfreundlich? Machen sie doch mal die Augen auf!?!!
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    3. Antwort von B. Bedi, Alpnach
      @Markus bach: Noch was: warum sind in den USA am 12. u. 13. Febr. innerhalb von 24 Stunden, 3 amerikanische anerkennte und bekannte Journalisten innerhalb von 24 Stunden zufällig gestorben? Machen Sie mal die Augen auf.
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