Boykott überschattet Parlamentswahlen in Jordanien

Zwei Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings will Jordaniens König Abdullah II. das Land mit kleinen Reformschritten aus der Krise bringen – und wohl seine Macht sichern. Die Wahlberechtigten scheint es kaum zu kümmern – die Beteiligung liegt bei rund 50 Prozent.

Ein Mann schaut sich Wahlplakate an Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Abgeordneten sollen das Recht bekommen die Regierungsmitglieder auszuwählen. Das war bisher dem König vorbehalten. Reuters

Boykottaufrufe der islamistischen Opposition und Klagen über Rechtsverstösse prägten die erste Parlamentswahl seit Beginn des Arabischen Frühlings.

Nach Angaben der Wahlkommission lag die Beteiligung am späten Nachmittag bei gut 50 Prozent. Die Schliessung der Wahllokale wurde daher um eine Stunde auf 20 Uhr Ortszeit verschoben.

Die Islamisten warfen der Wahlkommission eine Beschönigung der Zahlen vor und betonten, dass nach ihren Erkenntnissen die Wahlbeteiligung deutlich geringer sei als offiziell verkündet.

Der Arabische Frühling hatte auch Jordanien erfasst, die Proteste fielen aber deutlich geringer aus als in anderen Ländern. Nun will der König den Volksvertretern etwas mehr Einfluss geben und dadurch seine Macht sichern.

Beobachter gehen jedoch nicht davon aus, dass die Wahl die politische Situation in Jordanien – wo auch die Energiekrise und die Lage der syrischen Flüchtlinge für Zündstoff sorgen – entscheidend verändern wird.