Brasiliens Präsidentin geht auf die Demonstranten zu

Nach den Massenprotesten will Staatschefin Dilma Rousseff die Forderungen der Strasse aufnehmen. Zugleich machte sie klar, dass Gewalt und Krawalle inakzeptabel seien. Unbeeindruckt vom Appell der Regierung gehen die Proteste gegen Korruption und soziale Missstände weiter.

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Rousseff reagiert auf Proteste

1:30 min, aus Tagesschau vom 22.6.2013

Die Organisatoren der vor anderthalb Wochen begonnenen Sozialproteste in der brasilianischen Metropole Sao Paulo wollen trotz einer Rücknahme von Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Verkehr weiter protestieren, bis ein Gratis Verkehr eingerichtet werde.

Präsidentin reicht die Hand

Kopf einer Frau als Silhouette vor dunklem Hintergrund Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dunkle Sturmwolken haben sich über Präsidentin Rousseff zusammengezogen. Jetzt kündigte sie einen grossen Pakt an. Reuters

Rousseff signalisierte am Freitag in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache Dialogbereitschaft: «Die Stimme der Strasse muss gehört und respektiert werden und kann nicht verwechselt werden mit dem Krach und der Grausamkeit einiger Rabauken.»

Sie kündigte einen «grossen Pakt» an, um die Mängel bei den öffentlichen Dienstleistungen zu beseitigen. Das öffentliche Transportwesen solle verbessert, mehr Geld aus den Öleinnahmen in die Bildung investiert und Ärzte aus dem Ausland nach Brasilien geholt werden.

Die friedlichen Proteste zeigten «die Kraft unserer Demokratie und den Wunsch der Jugend, dass Brasilien vorankommt», so Rousseff. Die direkte Botschaft der Strasse sei friedlich und demokratisch.

Kampf gegen Korruption

Sie fordert einen systematischen Kampf gegen die Korruption und die Veruntreuung öffentlicher Gelder. «Alle kennen mich. Davon (von diesem Kampf) werde ich nicht ablassen.»

Zur Korruptionsbekämpfung sei vor allem Transparenz und Strenge wichtig. Sie kündigte an, Gouverneure, Bürgermeister und die Anführer der friedlichen Protestgruppen zusammenzurufen.

Brasilien kommt nicht zur Ruhe

7:54 min, aus Echo der Zeit vom 21.06.2013

Neue Protestwellen

In der Nacht zum Samstag gingen in mehreren Städten erneut zehntausende Menschen auf die Strasse. Es kam zu Konfrontationen mit der Polizei. In Curitiba waren nach Polizeiangaben 15'000 Menschen auf der Strasse, in Sao Paulo mindestens 10'000.

In Rio setzte die Polizei in der Nacht wieder Tränengas ein. Es kam zu Protesten in Barra da Tijuca im Westen der Metropole, wo derzeit das Olympische Dorf für die Sommerspiele 2016 entsteht. Einige Randalierer plünderten Geschäfte. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Respekt und Freude

Die Proteste richten sich auch gegen die Milliarden-Ausgaben für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014. Rousseff verteidigte die hohen Investitionen

Sie betonte die Chance des Sportgrossereignisses für Brasilien. «Fussball und Sport sind Symbole für Frieden und ein friedliches Zusammenleben», sagte sie.

Brasilien sei fünffacher Weltmeister und bei den Turnieren immer gut empfangen worden. Auch Brasilien müsse seinen Gästen einen grosszügigen Empfang bereiten: «Respekt, Warmherzigkeit und Freude – so müssen wir unsere Gäste behandeln. Brasilien wird eine grossartige WM ausrichten.»