Terror in Berlin Bremssystem des Lastwagens verhinderte Schlimmeres

 Zu sehen ist der Tatort des Berliner Attentats. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Tatort: Zwölf Menschen starben am 19. Dezember auf dem Berliner Breitscheidplatz. Keystone

  • Ein automatisches Bremssystem hat laut Medienberichten die Fahrt des Berliner Anschlags-Lastwagens gestoppt.
  • Im Zusammenhang mit dem Anschlag hat es eine neue Festnahme gegeben. Das bestätigte die deutsche Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.
  • Der Verhaftete soll ein Kontaktmann des mutmasslichen Attentäters sein. Die Festnahme erfolgte in Berlin.

Ein automatisches Bremssystem hat die Fahrt des Berliner Anschlags-Lastwagens gestoppt. Nach Informationen von «Süddeutscher Zeitung», NDR und WDR kam das Fahrzeug demnach nur deshalb nach 70 bis 80 Metern zum Stehen, weil die Zugmaschine mit einer Bremsautomatik ausgerüstet war.

Das automatische Bremssystem reagiert dem Medienbericht zufolge auf einen Aufprall und betätigt von selbst die Bremsen. Diese Technik habe nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen Leben gerettet.

Fahrer durch Kopfschuss verwundet

Zu diesem Ergebnis sei denn auch die Ermittlergruppe «City» gekommen, die unter der Leitung des Generalbundesanwalts den Anschlag vom 19. Dezember auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche aufklären soll.

Zunächst war spekuliert worden, der eigentliche Fahrer habe Schlimmeres verhindert, indem er dem Täter ins Lenkrad griff. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde der Pole allerdings schon Stunden vor dem Anschlag durch einen Kopfschuss verwundet.

Attentäter soll Kontakt zu IS gesucht haben

Derweil kommen neue Details zur Planung des Anschlags ans Licht: So soll im gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) in Berlin zwischen Februar und November 2016 mindestens sieben Mal über den Attentäter gesprochen worden sein. Behördenunterlagen, die nur fünf Tage vor der Tat entstanden, würden seinen Werdegang in Deutschland beschreiben. Demnach suchte er im Internet Anleitungen für den Bau von Rohrbomben und die Herstellung von Sprengstoffen wie etwa TNT.

Zudem suchte er im Februar offenbar Kontakt zur Terrormiliz Islamischer Staat und soll sich als Selbstmordattentäter angeboten haben. Mindestens zwei Mal wurde dem Bericht zufolge im GTAZ die Frage diskutiert, ob der mutmassliche Täter einen konkreten Anschlag in Deutschland plane. Beide Male wurde dies als unwahrscheinlich eingestuft.

Kontaktmann festgenommen

Der mutmassliche Attentäter hatte offenbar auch in seinem Mobiltelefon die Rufnummer eines mittlerweile verhafteten Kontaktmanns gespeichert. Die Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Mann in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte, so die Behörden.

Inwieweit sich der Verdacht erhärten lasse, bleibe abzuwarten. Bis Donnerstag werde geprüft, ob ein Haftbefehl beantragt werde, hiess es. Zuerst hatte «Spiegel Online» darüber berichtet. Demnach durchsuchten am frühen Morgen Kriminalpolizisten Wohn- und Geschäftsräume des Mannes im Quartier Tempelhof.

Die Vorgeschichte

  • Der mutmassliche Attentäter war letzte Woche mit einem gekaperten Laster in den Weihnachtsmarkt beim Berliner Breitscheidplatz gerast.
  • Dabei starben zwölf Menschen, knapp 50 wurden zum Teil schwer verletzt.
  • Der mutmassliche Attentäter wurde am Freitag, vier Tage nach dem Anschlag, in Mailand bei einer Routinekontrolle der Polizei erschossen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Terrorist in Mailand erschossen

    Aus 10vor10 vom 23.12.2016

    Die Flucht des mutmasslichen Täters von der Breitscheidstrasse in Berlin endete heute Morgen. Er wurde nördlich von Mailand von italienischen Polizisten erschossen. Es stellen sich die Fragen, wie der Täter unerkannt zwei Grenzen überqueren und trotz Beobachtung zuschlagen konnte?