Brennendes Öllager: Regierung fordert Hilfe an

In Libyen sind die Brände der Öl-Tanks offenbar ausser Kontrolle geraten. Die Regierung bittet um internationale Hilfe bei den Löscharbeiten. Es droht eine Umweltkatastrophe. Islamisten haben am Freitag einen Öl-Tank im grössten Öllager des Landes in Brand geschossen.

Der Machtkampf zwischen Milizen in Libyen eskaliert. Im grössten Öllager des Landes breitet sich ein von einem Granateinschlag ausgelöstes Feuer aus. Die Regierung bat nach Angaben örtlicher Medien um internationale Hilfe bei den Löscharbeiten.

Feuer, Rauch, einige Männer mit Wasserschläuchen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Feuer hat sich immer mehr ausgebreitet. Die libyschen Löschkräfte sind nicht mehr Herr der Lage. Reuters

Zudem griffen Kampfflugzeuge erstmals den Flughafen der Stadt Misrata an, wie der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete. Von dort stammt eine der grössten Milizen des Landes, die auf der Seite der Islamisten kämpft.

Nach Angaben von Anwohnern wurden Ziel nahe des Flughafens von Misrata, der Hafen und ein Stahlwerk bombardiert. Berichte über mögliche Opfer liegen bisher nicht vor.

Machtkampf zweier Regierungen

Libyens bewaffnete Gruppen sind aus den Revolutionsbrigaden hervorgegangen, die einst gemeinsam den Aufstand gegen den Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi probten. Inzwischen bekämpfen sich vor allem ein Bündnis islamistischer Gruppen und nationalistische Kräfte um die selbst ernannte Libysche Armee des pensionierten Generals Chalifa Haftar.

Es gibt zwei Parlamente und zwei Regierungen. Die Islamisten unterstützen die in Tripolis, die anderen die in Tobruk. Die im östlichen Tobruk ist auch international anerkannt. Deren Innenminister Omar al-Sinki bat nach Angaben der Zeitung «Libya Herald» nun um amerikanische und italienische Hilfe bei den Löscharbeiten am Al-Sidra-Öl-Lager.

Gezielte Angriffe auf Ölanlagen

Dort griffen die Flammen laut Medienportal «Al-Wasat» bereits auf einen fünften Tank über. Experten gehen davon aus, dass die Löscharbeiten mindestens eine Woche andauern werden. Im Depot befinden sich insgesamt 17 Öltanks.

Islamisten hatten vor zwei Wochen mit Angriffen auf Ölanlagen der Region mit wichtigen Ölhäfen begonnen. Die UNO-Mission in Libyen warnte vor Konsequenzen für Wirtschaft und Umwelt. Der Ölexport ist Libyens wichtigste Einnahmequelle. Angesichts der fortwährenden Kämpfe wurde die Produktion deutlich gedrosselt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Libyens Kampf gegen Flüchtlinge

    Aus 10vor10 vom 25.8.2014

    In Tripolis hat sich die Lage nach der Eroberung des internationalen Flughafens vom Wochenende noch weiter zugespitzt. Derweil ist auch die Lage der Flüchtlinge prekär. Viele sind in Libyen gestrandet, auf dem Weg nach Europa. «10vor10» berichtet aus Libyen, wo den Flüchtlingen Ausschaffungshaft und Elend droht.

  • Immer mehr Menschen flüchten aus Libyen

    Aus Echo der Zeit vom 3.8.2014

    In Libyen verlassen wegen der Kämpfe zwischen verfeindeten Milizen immer mehr Menschen das Land. Tunesien hat seine Grenzübergänge zu Libyen jedoch zeitweise geschlossen. Dies stellt vor allem für ägyptische Gastarbeiter ein Problem dar. Morgen sollte das neue Parlament zusammen treten.

    Eine politische Lösung ist aber nicht in Sicht. Ein Gespräch mit Maghreb-Spezialist Beat Stauffer.

    Simone Fatzer

  • Die Gewalt in Libyen eskaliert

    Aus Echo der Zeit vom 28.7.2014

    Seit Wochen bekämpfen sich in Libyen verschiedene Milizen. Aktuell hat ein Raketeneinschlag beim Flughafen Tripolis einen Grossbrand ausgelöst. Verschiedene Länder haben ihre Botschaftensangestellten ausser Landes gebracht und fordern ihre Staatsangehörigen auf, es ihnen gleich zu tun.

    Peter Steffe

  • Libyen wählt ein neues Parlament

    Aus 10vor10 vom 24.6.2014

    Über drei Jahre ist es inzwischen her, dass auch Libyen von der Aufbruch Stimmung des Arabischen Frühlings erfasst wurde. Der Aufstand gipfelt im Sturz des langjährigen Machthabers Gaddafi. Morgen wählt das libysche Volk bereits zum zweiten Mal ein neues Parlament.