Britische Labour-Partei verliert – aber nicht die Hochburgen

Nachdem zwei Drittel der Stimmen ausgezählt sind, zeigt sich: Die Labour-Party verliert bei den Regional- und Kommunalwahlen zwar deutlich an Rückhalt. Verglichen mit den desaströsen Resultaten bei den Parlamentswahlen 2015 macht sie aber Boden gut.

Corbyn mit Anhängern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Labour-Chef Corbyn hat im Wahlkampf kaum eine Rolle gespielt. Steht er nun unter Druck? Reuters

Bei den Regional- und Kommunalwahlen in Grossbritannien fallen die Verluste der Labour-Partei wohl geringer aus als erwartet. Zudem dürfte die Partei wahrscheinlich den Konservativen die Hauptstadt London wieder abnehmen. Dies legt die Auszählung von fast zwei Dritteln aller Stimmen nahe.

Zwar hat Labour Dutzende Mandate in den örtlichen Parlamenten verloren. Aber selbst im konservativ geprägten Süden des Landes hat sie einige ihrer wenigen Hochburgen verteidigen können. Im Hinblick auf das desaströse Ergebnis der nationalen Parlamentswahl 2015 gewinnt die Arbeiterpartei wohl gar wieder etwas an Boden.

Die Tories dagegen schneiden etwas schlechter ab als im vergangenen Jahr. Namentlich in England und Wales haben die Konservativen von Premierminister David Cameron voraussichtlich nicht gross zulegen können.

Bei den britischen Regional- und Kommunalwahlen bestimmen Schottland, Wales und Nordirland neue Volksvertreter. Dabei stehen in einigen Grosstädten auch die Bürgermeister zur Wahl. So in London.

Brexit-Befürworter Ukip in England und Wales auf dem Vormarsch

Denkzettel für «Brexit»-Gegner

0:28 min, aus Tagesschau am Mittag vom 6.5.2016

Der euroskeptische Partei Ukip (UK Independence Party) gelang es bei den Kommunalwahlen in England, Labour Stimmen abzujagen. Bei der Abstimmung zum Regionalparlament im traditionell linken Wales konnte die Partei des EU-Gegners Nigel Farrage ferner erstmals Sitze gewinnen. Ukip könne mit fünf Mandaten rechnen, berichtete der Sender BBC.

Das gute Abschneiden der Ukip gerade ausserhalb ihrer Stammlande müsse den Brexit-Gegnern im Hinblick auf das Referendum über einen EU-Austritt in sechs Wochen zu denken geben, meint SRF-Korrespondent Urs Gredig.

Gebanntes Warten auf Bürgermeisterwahl in London

Mit Ergebnissen für die Bürgermeisterwahl in London ist erst am Freitagabend zu rechnen. Letzten Umfragen zufolge lag in der britischen Hauptstadt indes Labour-Kandidat Sadiq Khan deutlich vor seinem konservativen Tory-Rivalen Zac Goldsmith.

Khan könnte den seit acht Jahren amtierenden Konservativen Boris Johnson beerben und so der erste muslimische Bürgermeister Londons werden. Die Auszählung der Stimmen dauerte aber noch an.

Goldsmith mit heikler Kampagne

Kurz nach Schliessung der Londoner Wahllokale zeichnet sich in der konservativen Partei ein Streit über den Wahlkampf von Bürgermeisterkandidat Zac Goldsmith ab. Der Tory-Kandidat hatte seinem Labour-Rivalen Khan mehrfach Nähe zu radikalen Muslimen vorgeworfen.

Goldsmith muss sich nun von einem Parteifreund heftige Vorwürfe anhören: Khan in Zusammenhang mit Extremisten zu bringen, habe «Brücken gesprengt», die zwischen der konservativen Partei und den Muslimen Londons gebaut worden seien, sagte der führende konservative Kommunalpolitiker Andrew Boff im BBC-Fernsehen.

Sadiq Khan könnte Bild aufhellen

Sadiq Khan könnte Bild aufhellen
SRF-Korrespondent Martin Alioth zieht mit Blick auf die Regional- und Gemeindewahlen folgende Zwischenbilanz: «Als Opposition gegen eine zerstrittene und pannenanfällige konservative Regierung hätte Labour unter dem linken Jeremy Corbyn eigentlich zulegen müssen. Das ist nicht geschehen. Doch die vorhergesagten Verluste blieben aus. Die Partei hofft, dass ihr Kandidat Sadiq Khan für das Londoner Bürgermeisteramt heute Abend das Bild noch etwas aufzuhellen vermag.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Labour im Elend

    Aus Tagesschau vom 6.5.2016

    Die Labour Partei unter dem neuen Chef Jeremy Corbyn schneidet bei den Regionalwahlen in Grossbritannien sehr schlecht ab. Auch die bis anhin siegreiche schottische Nationalpartei muss Verluste hinnehmen. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Urs Gredig in London.