Brüsseler Terroristen hatten eigentlich Frankreich im Visier

Die Brüsseler Attentäter hatten nach Angaben der Ermittler einen weiteren Anschlag in Frankreich geplant. Lediglich aus Zeitnot hätten sich die Terroristen für die belgische Hauptstadt entschieden. Die Verbindungen zwischen den Pariser und den Brüsseler Tätern werden derweil immer deutlicher.

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Frankreich als ursprüngliches Ziel der Anschläge

0:51 min, aus Tagesschau vom 10.4.2016

Die Verantwortlichen für die Terroranschläge in der belgischen Hauptstadt Brüssel vom 22. März wollten ursprünglich erneut Frankreich angreifen. Dies hätten zahlreiche Aspekte der Ermittlungen ergeben, teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit. Angesichts des immensen Fahndungsdrucks sei den Extremisten aber die Zeit davon gelaufen, so dass sie sich für Brüssel als Anschlagsziel entschieden.

Formeller Haftbefehl gegen «Mann mit Hut»

Gegen den am Freitag festgenommenen Mohamed Abrini wurde der Mitteilung zufolge von einem Untersuchungsrichter formell Haftbefehl erlassen. Der 31-jährige Belgier war nach seiner Verhaftung als der auf Videoaufnahmen vom Brüsseler Flughafen zu erkennende «Mann mit Hut» identifiziert worden, der seit den Anschlägen vom 22. März gesucht worden war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm terroristische Morde, versuchte terroristische Morde und Teilnahme an Aktivitäten einer Terrorgruppe vor.

Auch in die Pariser Anschläge vom vergangenen November soll Abrini verwickelt gewesen sein. Seine genaue Rolle dabei ist zwar noch unklar. Was die Ermittler bisher bekanntgegeben haben, legt aber zumindest eine logistische Unterstützung der Mordserie mit 130 Toten nahe.

Weitere Verbindung zwischen Pariser und Brüsseler Attentätern

Inwieweit die Zelle schon konkrete Planungen für weitere Anschläge in Frankreich hatte, blieb zunächst offen. Die französische Polizei hatte im vergangenen Monat unweit von Paris einen mutmasslichen Extremisten namens Reda Kriket verhaftet und in einer von ihm genutzten Wohnung Waffen und Sprengstoff sichergestellt.

Zwei Porträts von Osama Krayem. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch Osama Krayem hat offenbar Verbindungen zur Zelle der Pariser Attentäter gehabt. Keystone

Dadurch sei ein «extremer Gewaltakt» eines «Terrornetzwerkes» verhindert worden, hatte die französische Staatsanwaltschaft damals erklärt. Im Zusammenhang mit dem Kriket-Fall waren in Belgien zwei weitere Verdächtige festgenommen worden. Am Freitag wurden dann neben Abrini noch drei weitere Männer festgenommen. Darunter ist Osama Krayem, ein 23-jähriger Schwede.

Er ist der zweite überlebende Terrorverdächtige, der an einem der Brüsseler Tatorte beobachtet worden war. Er konnte als Begleiter des Attentäters, der sich in der Metro in die Luft sprengte, identifiziert werden.

Krayem wurde nach den bisherigen Ermittlungen am 3. Oktober vergangenen Jahres vom mutmasslichen Paris-Terroristen Salah Abdeslam in Ulm in Baden-Württemberg abgeholt und nach Belgien gebracht.

Mit den Identifizierungen Abrinis und Krayems wird immer deutlicher, dass die Täter der Brüsseler und Pariser Terroranschläge in äusserst enger Verbindung standen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Weiterer Verdächtiger in Brüssel verhaftet

    Aus Tagesschau vom 9.4.2016

    Die belgischen Behörden haben offenbar den zweiten Attentäter von der Metro in Brüssel festgenommen. Ein Erfolg - aber keine Entwarnung.

  • Brüssel: Hauptverdächtiger der Anschläge gefasst

    Aus 10vor10 vom 8.4.2016

    Bei der Suche nach den Attentätern von Brüssel kann die belgische Polizei einen weiteren Erfolg verbuchen. Zwei mutmassliche Terroristen sind verhaftet worden. Bei einem der Festgenommen handelt es sich um den seit längerem gesuchten, 31-jährigen Belgier Mohamed Abrini.