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Urteile in Thailand Brutale Menschenhändler müssen ins Gefängnis

Legende: Audio Prozess gegen Menschenschmuggler in Thailand abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
04:55 min, aus Rendez-vous vom 19.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Thailand sind Dutzende Personen wegen Menschenhandels verurteilt worden.
  • Sie hatten Angehörige der burmesischen Rohingyas misshandelt, gefangengehalten und umgebracht.
  • Menschenrechtler hoffen, dass die Urteile den Menschenhandel in Thailand auch in Zukunft eindämmen helfen.

Wer Liya Kat Ali zuhört, fragt sich, wie ein einzelner Mensch so viel Leid aushalten kann. Liya gehört der muslimischen Minderheit der Rohingyas an. Er lebt mit seiner achtköpfigen Familie in Burma in einem zeltähnlichen Verschlag in einer Art Gefangenenlager an der Südwestküste. In dieses Lager wurden vor fünf Jahren 140'000 Rohingyas gesperrt, nachdem es zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen ihnen und den buddhistischen Rakhines gekommen war.

Einen der Söhne freigekauft

Zwei seiner Söhne hätten das Leben im Lager nicht mehr ausgehalten, erzählte Liya bei einem Besuch vor eineinhalb Jahren. Der älteste Sohn verliess das Lager mit Hilfe von Schmugglern auf einem Boot. Nach zwei Monaten habe er einen Anruf erhalten: «Mein Sohn sagte, er habe es zwar nach Thailand geschafft, sei dort aber von Polizisten an Menschenhändler verkauft worden.»

Die Polizisten hätten ihn zusammen mit Hunderten anderen Rohingyas in einem thailändischen Dschungelcamp gefangen gehalten und verlangten 1500 Dollar, um ihn freizulassen. «Ich verkaufte alles, was ich hatte und nahm überall Geld auf. Dann liessen sie ihn frei. Mein Sohn schaffte es nach Malaysia, wo er illegal auf einer Baustelle arbeitete. Doch seither hörten wir nichts mehr von ihm», fährt Liya fort.

In Menschenhändler-Lagern getötet

Tausende Rohingyas versuchten seit 2012 die Flucht übers Meer nach Thailand oder Malaysia. Tausende landeten in Camps an der thailändisch-malaysischen Grenze. Wer sich nicht freikaufen konnte, wurde getötet oder weiterverkauft an thailändische Fabriken oder an Fischer. Andere landeten in Gefängnissen in Malaysia. Trotz der Gefahren floh auch Liyas zweitältester Sohn 2014 übers Meer. Auch er gelangte in die Hände von Menschenhändlern. Der Vater hatte kein Geld mehr, ihn frei zu kaufen. Er wurde umgebracht.

Im Mai 2015 fanden die thailändischen Behörden in jenen Lagern an der Grenze zu Burma Gräber mit Dutzenden von Leichen. Bei Gerichtsverhandlungen in Bangkok wurden die Schuldigen von damals jetzt zur Rechenschaft gezogen. Die meisten von ihnen wurden wegen Menschenhandels schuldig gesprochen. Darunter sind auch so prominente Thais wie der Bürgermeister einer Grenzstadt und ein hoher Polizeibeamter.

Gefängnis aus Baumstämmen im Dschungel.
Legende: In solchen, mit Stacheldraht gesicherten Verschlägen wurden die Rohingyas von den Menschenhändlern festgehalten. Imago Archiv

Drehscheibe für Menschenhandel

Für Puttanee Kangkun der Menschenrechtsorganisation Fortify Rights ist das ein Erfolg im Kampf gegen den Menschenhandel: «Wir sehen eine positive Veränderung», sagt er. Thailand sei eine Drehscheibe für Menschenhändler auf dem Weg von Bangladesch oder Burma nach Malaysia, sowie im Handel mit Frauen und Kindern von Laos und Kambodscha. «Doch seit die Regierung und das Gericht im Fall der Dschungelcamps Ernst gemacht haben, sind keine Fälle von grossen Menschenhändler-Ringen mehr aufgetaucht.»

Doch Menschenrechtler bezweifeln, dass diese kriminellen Organisationen tatsächlich zerschlagen wurden. So setzten etwa die USA Thailand in ihrem jährlichen Menschenhandelsbericht vergangenen Monat auf eine Beobachtungsliste. Thailand mache zu wenig, um den Menschenhandel zu bekämpfen, hiess es. Prayuth Chan-Ocha, der thailändische Premierminister und Chef der Militärjunta, bestritt das jedoch vehement. Und er verteidigte seine Soldaten, von denen nun einige auf der Anklagebank sassen.

Hoffen, dass sich etwas ändert

Der Prozess gegen die Menschenhändler in Bangkok war eine schwierige Angelegenheit. Menschenrechtsorganisationen berichteten davon, dass Zeugen, Übersetzer und Polizeiermittler eingeschüchtert wurden. Ein hoher Polizist floh gar nach Australien, weil er um sein Leben fürchtete. Trotzdem sind der Prozess und die Urteile ein guter Anfang im Kampf gegen den Menschenhandel. Doch ob sich die Menschenhändler von hohen Strafen wirklich abschrecken lassen und wie ernst es die Regierung meint, wird sich erst zeigen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
    NB: es ist nicht alles rosig, weder in Thailand noch sonstwo auf diesem Planeten. Korruption ist, je ärmer ein Land, umso offensichtlicher, in reicheren, zivilisierteren Ländern einfach mehr versteckt. Das Thema Rohingyas ist in thailändischen, zensierten Medien, gar nicht erlaubt, und ist wohl derzeit das schlimmste Flüchtlingsdrama weltweit, da jedes Land sie als Ausländer bezeichnet, sie haben nirgendwo Möglichkeit, offiziell zu leben. Ansonsten: gleiche Hetze wie hier gegen Bootsflüchtlinge.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (sensus communis)
    Ich bin gespannt, wie die CH-Bürger vor Ort die Lage einzuschätzen gedenken. Bis anhin habe ich nur rosiges gelesen (und dass alles erst noch besser als in der Schweiz sei)!
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  • Kommentar von Oliver Schmid (Oliver Schmid)
    Filz und Korruption sind in Thailand gang und gäbe, nur bekommen das die wenigsten Touristen mit. Mir ist sogar schon in Bangkok beim falsch abbiegen (Auto) passiert, dass mir der Polizist mit einem Verhöhr auf dem Posten drohte, wenn ich nich gleich die Busse bar begleiche. In welche Tasche das Geld ging muss man sich nicht fragen.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Komische Geschichte, in Thailand wird selbstverständlich "falsch abgebogen" und keiner stört sich daran. Tipp, fahren Sie in Thailand nur in Begleitung von Einheimischen. Die wissen wie man sowas in Ordnung bringen kann.
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    2. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Ach ja, erinnere mich an eine 'Geschwindigkeitskontrolle' auf einer Autobahn, durchgeführt von einem einzigen Polizisten, ohne technische Hilfsmittel... :-) die 5 Stutz Busse wegen 'Geschwindigketisübertretung' (die nicht stattgefunden hat) war es kaum Wert weiterzuziehen, hätte wohl ausserdem nur mehr Schwierigkeiten gekriegt. Halb so wild, auf der anderen Seite sind die Leute auf dem Land dafür umso hilfsbereiter und gastfreundlicher, sobald sie einen nicht mehr als 'Bloody Tourist' einstufen.
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