Zum Inhalt springen
Inhalt

International Burkhalter in Japan: Ist die Todesstrafe ein Thema?

150 Jahre dauern die offiziellen Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan bereits an. Bundespräsident Didier Burkhalter weilt zur Feier dieses Jubiläums zurzeit in Japan. Amnesty International ist der Meinung, dass er Japan auf das Thema Todesstrafe ansprechen soll.

Es ist die andere Seite des «Land des Lächelns». In Japans Todeszellen warten rund 130 Menschen auf ihre Hinrichtung durch Erhängen. Diese Zahl basiert auf Beobachtungen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. «Besonders grausam in Japan ist, dass die zum Tode Verurteilten oft sehr lange in Haft sitzen und sehr lange auf die Vollstreckung des Urteils warten. Es gibt Leute, die über 40 Jahre im Todestrakt sind.» Das sei an sich schon eine grausame und unmenschliche Behandlung, sagt Patrick Walder von Amnesty International Schweiz. Die Todesstrafe gehöre abgeschafft.

Amnesty International hat ganz grosse Erwartungen an Bundespräsident Didier Burkhalter und dessen Japan-Reise: «Wir hoffen, dass Bundesrat Burkhalter dieses Thema anspricht. Denn es ist die eine Sache, zu Hause Erklärungen abzugeben und es ist eine andere Sache, mit Ländern wie Japan dann dieses Thema zu diskutieren.»

Schweiz ächtet die Todesstrafe

In der Tat sind die Worte des Aussendepartements deutlich: «Die Schweiz lehnt die Todesstafe ab. Dies unter allen Umständen und demzufolge auch überall auf der Welt.»

So steht es in der offiziellen Strategie des Bundesrats für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe. Der Bundesrat veröffentlichte die Strategie letzten Herbst. Demnach will die Schweiz Staaten unter anderem dazu ermutigen, ein Moratorium zu erlassen, als kleinen Schritt auf dem langen Weg bis zur definitiven Abschaffung der Todesstrafe. Die Schweiz setzt in ihrer Strategie sowohl auf internationale Gremien wie die UNO als auch auf bilaterale Gespräche. Eine Gelegenheit dazu böte der präsidiale Besuch in Japan.

Beim Aussendepartement gibt man sich wortkarg, bestätigte aber, dass Burkhalter das Thema Todesstrafe in den Gesprächen mit der japanischen Regierung ansprechen wolle. In welcher Form, bleibt unklar. Neben Gesprächen auf Regierungsebene könnte die Schweiz noch mehr tun, ist Walder von Amensty International Schweiz überzeugt. Eine Delegation aus Japan könnte in die Schweiz kommen und sich das Schweizer Strafrecht und Justizsystem anschauen und dann konkrete Schritte unternehmen um die Todesstrafe in Japan abzuschaffen.

Die Schweiz könne Japan bei diesem Prozess begleiten, so der Amnesty-Experte. Genau dies sieht die offizielle Strategie des Bundes vor. Die Strategie hat ein ehrgeiziges Ziel: Die Todesstrafe soll überall auf der Welt bis 2025 abgeschafft sein. Zurzeit wird sie weltweit noch in 58 Ländern vollstreckt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Wenn sich unser (?) Bundespräsident doch nur auch für das Wohl SEINES Volkes mit Herzblut einsetzen würde! Wir wären ihm sehr dankbar.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
    Mal sehen ob der Burkhalter wenigstens eine Spur mehr Rückgrat hat, als Maurer – dieser hätte vermutlich irgend einen naivdummen Spruch abgelassen und hätte sich dann kindlich über das Abendessen mit lecker Delfinfleisch gefreut. Aber ich denke, auch Burkhalter wird sich hüten, die Japaner zu verstimmen, schliesslich ist man ja neutral und möchte in Wirklichkeit einzig und allein Geschäften.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      G.L./Eine reine Anmassung,sich in traditionelle,kulturelle Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen.Was nehmen sich die Westeuropäer das Recht heraus,dem Rest der Welt die eigene Weltsicht vorschreiben zu wollen?Diese Staaten organisieren und verwalten sich selbständig.Wie sie im Kollektiv mit dem Leben umgehen und welche Wertungen sie treffen,ist ihre ureigenste,private Angelegenheit.Und nochmals,der Tod ist keine Strafe.Die Umstände wie ein Mensch stirbt,können eine Strafe sein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
      @Käser: Sie beschreiben genau die traurige Einstellung, die dem skrupellosen Geschäftsverhalten der CH (natürlich auch dem anderer Staaten) den Weg ebnet. Es ist auch die typische Auffassung der Rechten. Man versteckt sich hinter angeblichem Respekt vor der Kultur anderer Länder, um ungeniert dem Business nachgehen zu können. Wir können u. wollen anderen Ländern nicht unsere Sichtweise aufzwingen, aber wir können u. sollten gewisse Themen ansprechen. Ethik ist nur lästig... typische Einstellung!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen