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International «Chilbi-Stimmung» und Ratlosigkeit in Bangkok

Nach Tagen der Konfrontation ist es in Thailand zur überraschenden Kehrwende gekommen. Wo gestern noch Polizeiblockaden waren, finden sich heute offene Türen – zum Erstaunen der Demonstranten. Mangels besserer Ideen wird nun gefeiert, wie SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser berichtet.

Legende: Video Lage in Bangkok entspannt sich abspielen. Laufzeit 03:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.12.2013.

Zwei Tage lang war Bangkok Schauplatz von Strassenschlachten mit Dutzenden Verletzten. Mit einer Taktikwende hat Thailands Polizei nun eine weitere Eskalation der regierungsfeindlichen Proteste verhindert. Statt den Regierungssitz und die Polizeizentrale weiter mit Tränengas und Wasserwerfern zu verteidigen, öffnete sie die Tore und liess die Demonstranten ein.

Florian Inhauser in Bangkok.
Legende: Sonderkorrespondent Florian Inhauser berichtet für SRF aus Bangkok. SRF

Das Kalkül ging auf: Die Regierungsgegner feiern friedlich, wie SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser im Interview mit SRF News Online sagt.

SRF News Online: Wie ist dezeit die Stimmung in Bangkok?

Florian Inhauser: Sie ist wie ausgewechselt, beim Regierungssitz und der Polizeistation herrscht «Chilbi-Stimmung». Die Demonstranten ziehen mit Trillerpfeifen durch die Stadt und feiern sich gegenseitig. Doch es ist auch eine Art Ratlosigkeit zu spüren. Die Oppositionellen wurden von dem Wandel überrollt.

Warum vollzog die Polizei plötzlich eine solche Kehrtwende?

Die Regierung hat immer betont, man wolle ein Blutvergiessen verhindern. Fürs erste ging dieses Vorhaben nun auf: Mit dem einen Schachzug wurde den Demonstranten der Wind aus den Segeln genommen. Zudem feiert der thailändische König Bhumibol am Donnerstag seinen Geburtstag. Es wird wohl kaum jemand wagen, an diesem Tag zu randalieren, das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Die Kehrtwende der Polizei und der Königsgeburtstag könnten dazu führen, dass der Aufstand langsam im Sand versickert. Wenn das nicht geplant war, ist es ein unglaublicher Zufall. Und wenn es geplant war, war es unglaublich clever. Die dritte Möglichkeit wäre ein Deal, hinter den Kulissen, zwischen Oppositionsführung und Regierung. Von dessen Inhalt man vielleicht erst viel, viel später erfahren wird.

Welche Rolle kommt dem Militär zu?

Die Armee hat stets erklärt, man wolle nicht gewalttätig einschreiten. Sie ist bislang gar nicht in Erscheinung getreten und muss es wohl nach dem heutigen Kurswechsel auch nicht mehr.

Geben sich die Demonstranten nun mit der Kehrtwende der Polizei zufrieden?

Im Moment herrscht bei vielen Ratlosigkeit, die Luft scheint raus. Es wird sich zeigen, wie Protestführer Suthep Thaugsuban sich nun verhält. Möglicherweise könnte die Lage morgen nochmals etwas aufflammen. Es dürfte für Suthep aber schwierig werden, den Schwung der letzten Tage bis nach dem Königsgeburtstag aufrecht zu erhalten, beziehungsweise neu zu entfachen. Die Frage stellt sich auch, welche Bedeutung der Chefoppositionelle tatsächlich hat. Er war ja nicht von Anfang her fest in der Oppositionsführung verankert. Doch eines ist gewiss: Bislang haben die Regierungskritiker mit ihrer Forderung nach einem Machtwechsel überhaupt nichts erreicht.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Immer mehr Thais sehen die Probleme die der Thaxin Clan verursacht, der in Ausland lebende verurteilte Thaxin manipuliert die Abgeordneten bis in die Versammlung via Skipe und ist die graue Eminenz. Yinglook ist die Marionette des Multimillionärs und versucht den Bruder via Amnestie ins Land zu holen um die Macht zu übernehmen. Aktuell möcht niemand Thaxin zurück haben, denn dann würde der Machtkampf wieder losgehen. Die Konsumentenpreise sind seit der Regierungsübernam um 12 % gesiegen.
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  • Kommentar von kari huber, surin
    Das ist ja alles nur halb so wild. Immerhin gibt es noch einen Königsgeburtstag zu feiern. Wenn dann der Kronprinz zum König wird, geht der Zug erst richtig ab. Den respektiert nämlich kaum einer in Thailand. Auch wenn man das nicht offen sagen darf, ohne im Gefängnis zu landen. Thaksin wird dann alles daran setzen, eine Rolle ähnlich derer von Putin in Russland einzunehmen: Absolute Macht, Prunk und Willkür. Und das kann ihm gelingen, weil er die arme Bevölkerungsmehrheit gekauft hat.
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  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Was der Inhauser zu verniedlichen versucht ist eine gefährliche Entwicklung: In immer mehr Länder kaufen sich milliardenschwere Oligarchen mit ihrer Entourage ihr Stimmvolk. Das ist eine gefährliche Entwicklung Richtung Feudalismus.
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    1. Antwort von kari huber, surin
      Ich nehme an, Sie leben in Thailand, Herr Planta. Dann wissen Sie auch, dass hier Arme als Stellvertreter von Reichen vorgeschickt werden. Die Roten vertreten den Milliardär Thaksin, die Anderen die übrigen Millonäre und Milliardäre.
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Ich kenne Thailand nur von den Ferien. Auf Schritt und Tritt wird man dort erinnert, dass man sich in einem sozial schwachen Land mit grossen Gegensätzen zwischen Arm und Reich befindet. Wie aus ihren Ausführungen zu entnehmen ist wird auch dieser Milliardär Thaksin kaum zu einer Verbesserung beitragen und das Klima zwischen den beiden Anhängerschaften vergiften. Es wäre Aufgabe dieses SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser gewesen, uns richtig zu informieren.
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