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International CIA-Boss gibt Fehler zu

Schlafentzug, Waterboarding, Schläge und Drohungen: Die Liste der grausamen Verhörmethoden des US-Geheimdienstes ist erschreckend. Nach der Publikation des Folterberichts muss Geheimdienstchef John Brennan Fehler einräumen, spricht aber von Einzelfällen.

CIA-Chef John Brennan.
Legende: «CIA-Agenten haben widerrechtliche Verhörtechniken angewendet», sagte John Brennan. Keystone

In einer «begrenzten Zahl von Fällen» hätten CIA-Agenten «nicht genehmigte» und «widerliche» Verhörtechniken angewendet, sagte CIA-Chef John Brennan als Reaktion auf den US-Senatsbericht über die Methoden des Geheimdienstes.

Die Agency habe «eine Reihe von Reformen umgesetzt, um sicherzustellen, dass diese Fehler nie wieder passieren».

Brennan wies den Vorwurf zugleich zurück, dass die CIA die Regierung und die Öffentlichkeit über das Ausmass des Verhörprogramms getäuscht habe. Ob der Einsatz der brutalen Methoden dem Geheimdienst nützliche Informationen geliefert habe, könne er nicht sagen. Dies sei seiner Ansicht nach «unmöglich» herauszufinden.

Der Geheimdienstausschuss des US-Senats hatte am Dienstag die Ergebnisse seiner mehrjährigen Untersuchung über die Misshandlung von Terrorverdächtigen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 veröffentlicht.

Trotz einiger geschwärzter Passagen gibt der Bericht einen detaillierten Einblick, wie die CIA unter Ex-Präsident George W. Bush ein weltweites System von Geheimgefängnissen aufbaute. In ihnen wurden mutmassliche Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida ohne richterlichen Beschluss festgehalten und mit Foltermethoden verhört.

Aufzeichnung des Grauens

Tagelanger Schlafentzug, simuliertes Ertränken, Todesdrohungen und Schläge sollten Häftlinge demnach zum Reden bringen. Der mehr als 500 Seiten lange Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Verhörmethoden kaum brauchbare Geheimdiensterkenntnisse geliefert hätten.

Bushs Nachfolger Barack Obama hatte das Programm nach seinem Amtsantritt Anfang 2009 eingestellt. Nach der Veröffentlichung des Berichts wurden weltweit Forderungen nach einer Strafverfolgung der Verantwortlichen für die Folterverhöre laut.

16 Kommentare

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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Die "führende westliche Nation?" hat wieder einmal gezeigt, was sie unter Menschenrecht versteht. Nicht durch ein Gericht verurteilte, unschuldige Menschen wurden auf grässlichste Weise gefoltert. So was tut nur ein Schurkenstaat. Alle anderen Staaten, die Folterung von Menschen befürworten, sind auch Schurkenstaaten. So einfach ist das.
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  • Kommentar von Martin Honegger, Zumikon
    Zitat:"Ob der Einsatz der brutalen Methoden dem Geheimdienst nützliche Informationen geliefert habe, könne er nicht sagen. Dies sei seiner Ansicht nach «unmöglich» herauszufinden." Wenn die gewonnenen Informationen nicht zwischen Wahrheit und Lüge unterscheidet werden kann, bringt es nichts. Und ist somit nur zum Quälen und sich aufgeilen gedacht. Hoffe das die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Wobeib das eine Utopie ist leider.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      M.H./Eine Utopie,genau.Sie haben Recht.Seit Urzeiten wandeln immer wieder die selben"Geister"auf diesem Planeten herum.Triebgesteuert,verängstigt,sadistisch.Dracula-Effekt?Was waren die Gladiatorenkämpfe in den römischen Arenen?Die Konzentrationslager?Es geschieht nur,was durch das Kollektiv zugelassen wird.Wieso wird es zugelassen.Weil"dieses Tier"in jedem von uns steckt?Kadavergehorsam?Wie kommt er zu Stande?Machtsysteme und ihre Auswirkungen?Wie entstehen und behaupten sich Machtsysteme?
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Bemerkenswert ist dabei eine doppelte Verbindung der Folterprogramme zu 9/11. Zum einen basiert die offizielle Darstellung der Anschläge auf erfolterten Aussagen, zum anderen wurden diese Folterprogramme selbst ja erst durch 9/11 möglich. Der Senatsbericht erwähnt auf Seite 11, dass die CIA bereits drei Tage nach den Anschlägen, am 14. September 2001, nach einem geeigneten Ort für ein Geheimgefängnis suchte. Der Geheimdienst schuf schneller Fakten, als die Ermittler aufklären konnten.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Danke für Ihre fundierten, detailierten, sachlichen Beiträgen! Die Reaktion - rasch, zielgerichtet, Heftigkeit - der USA nach 9/11 wie auch nach dem MH17-Absturz lassen darauf schliessen, dass diese Erreignisse geplant waren. Es sind keine Reaktionen einer von den Erreignissen völlig überraschten Regierung, welche zuerst die Lage analysieren muss und zu einem Konsens kommen muss, wie reagiert werden soll.
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