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International Co-Pilot war am Absturztag krankgeschrieben

Der Co-Pilot war für den Unglückstag krankgeschrieben und hat dies verheimlicht. Dies ergab die Durchsuchung der Wohnorte des Mannes. Laut Medienberichten sollen die Hinterbliebenen 50'000 Euro erhalten. Die Suche nach der Blackbox und die Bergung von Opfern verlief auch heute den ganzen Tag.

Haus mit Polizeiauto
Legende: In der Wohnung des Co-Piloten in Rheinland-Pfalz suchten die Ermittler nach Hinweisen auf ein Motiv. Keystone

Über den Copiloten von Unglücksflug 4U 9525 werden neue schockierende Erkenntnisse bekannt. Er war am Absturztag krankgeschrieben. Germanwings erreichte diese Information aber offensichtlich nie.

Der Copilot des abgestürzten Airbus hat nach Erkenntnissen der Ermittler vor seinem Arbeitgeber Germanwings eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder entdeckten bei dem 27-Jährigen zu Hause «zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen», wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mitteilte. Ein Abschiedsbrief oder ein Bekennerschreiben wurden nicht gefunden.

Legende: Video Einschätzung von SRF-Korrespondent Adrian Arnold abspielen. Laufzeit 00:44 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.03.2015.

Co-Pilot verheimlichte Krankheit

Ermittler hatten zwei Wohnungen des Mannes durchsucht, der aus Montabaur bei Koblenz stammte und seit 2013 als Copilot für Germanwings flog. Sichergestellt wurden Dokumente, «die auf eine bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen hinweisen», erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. Über die Art der Erkrankung wurde nichts mitgeteilt, die Ermittler hatten aber nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden gesucht.

Das Universitätsklinikum Düsseldorf bestätigte, dass der Co-Pilot dort Patient war. «Meldungen, wonach Andreas L. wegen Depressionen in unserem Haus in Behandlung gewesen sei, sind jedoch unzutreffend», erklärte eine Sprecherin.

«Bild berichtet von schweren Depressionen

Der Fluggesellschaft Germanwings lag nach eigenen Angaben keine Krankschreibung des Copiloten vor. Das deutsche Luftfahrt-Bundesamt bat das Aeromedical-Center der Lufthansa um Akteneinsicht.

Zuvor berichtete «Bild», dass sich der 27-Jährige vor sechs Jahren insgesamt eineinhalb Jahre in psychiatrischer Behandlung befand. Er sei in seinen Flugschulkursen mehrfach wegen Depressionen zurückgestuft worden. Bei Abschluss seiner Ausbildung 2009 wurde dem Bericht zufolge eine «abgeklungene schwere depressive Episode» diagnostiziert.

Auch vor dem Flugzeugabsturz habe er sich in «besonderer, regelmässiger medizinischer Betreuung befunden», zitiert «Bild» unter Berufung auf nicht näher beschriebene interne Unterlagen.

Gauck an Gedenkgottesdienst

Bundespräsident Joachim Gauck nahm am Vormittag an einem Gedenkgottesdienst im westfälischen Haltern teil. 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des dortigen Gymnasiums waren an Bord des Airbus, der am Dienstag auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen an einem Bergmassiv zerschellte.

Gauck versprach den Angehörigen der Absturzopfer Unterstützung. Es entstehe ein «Band des Mitleidens und Mittrauerns», sagte er nach dem Gottesdienst in Haltern. Er wurde von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft begleitet.

Einsatzkräfte auf dem Trümmerfeld in Südfrankreich
Legende: Dutzende Einsatzkräfte durchkämmen das Trümmerfeld. Sie suchen nach Leichen und der Blackbox. Keystone

Fieberhafte Suche nach Blackbox

Bei den Bergungsarbeiten am Absturzort konnten die Einsatzkräfte bislang nur Leichenteile sammeln. «Wir haben bisher keinen einzigen intakten Körper geborgen», sagte ein Sprecher der Gendarmerie in Seyne-les-Alpes.

Er sprach von rund 400 bis 600 gefundenen Leichenteilen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Suche nach dem zweiten Flugschreiber, der weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit liefern könnte. Die Suche wurde am Abend für die Nacht unterbrochen.

Germanwings eröffnet am Samstag in der Nähe der Absturzstelle ein Betreuungszentrum für Angehörige. Von den etwa 50 Angehörigen, die am Donnerstag die Unglücksstelle besucht hatten, flogen die meisten wieder zurück nach Deutschland. Der Bundesrat gedachte zu Beginn seiner Sitzung der Opfer, unter denen laut Auswärtigem Amt 75 Deutsche sind.

Legende: Video Co-Pilot hat Arbeitsunfähigkeit verheimlicht abspielen. Laufzeit 03:34 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.03.2015.

Hinterbliebene der Opfer sollen eine finanzielle Überbrückungshilfe von jeweils bis zu 50'000 Euro bekommen. Eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte einen entsprechenden «Tagesspiegel»-Bericht.

Pilotenverband klagt über Verrat

Der französische Pilotenverband SNPL will derweil im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Absturz Anzeige wegen Verrats von Berufsgeheimnissen erstatten.

Grund sind Berichte der «New York Times», die Informationen auf Basis des Stimmrekorders des Airbus noch vor der Medienkonferenz des Staatsanwalts verbreitet hatte. Das bedeute, dass es eine undichte Stelle gegeben habe, sagte der Präsident der Pilotenvereinigung.

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84 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ich glaube diese Geschichte nicht. Ich bin überzeugt, dass man uns die Wahrheit vorenthält. Ich glaube aber, dass die meisten genau wissen was die Wahrheit wäre. In diesem Fall ist die Wahrheit wohl zu gefährlich, als dass man sie ausspricht. Ob das aber der richtige Weg ist, bezweifle ich. Früher oder später wird es wieder geschehen.
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    1. Antwort von Johnny Torturo, Zürich
      Was soll die Wahrheit sein? Ihrer Meinung nach.
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    2. Antwort von Christa wüstnet, Reinach
      Frau Roe, Ich glaube die angebliche Wahrheit der psych.. Erkrankung auch nicht mehr. Es macht keinen Sinn auf all die Spekulationen einzugehen. Warten wir die nächsten Tage ab, was da noch für Überraschungen kommen werden. Man soll eben doch manchmal auf sein Bauchgefühl hören.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Nicht wegen Depressionen in Behandlung aber bei einem Neurologen, das kann Kopfweh sein oder auch ein Tumor, und wenn der Arzt den Copiloten als Arbeitsunfähig einstuft ist er auch Fluguntauglich, und das war auch schon in den USA bei seiner Ausbildung der Fall. Wer schützt die Fluggäste ? Da besteht eine Informationslücke, die hunderte von Menschenleben kosten könnte. 150 waren es in diesem Fall, mein Beileid an die Angehörigen.
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Die Untersuchungsbehörden und Spezialisten haben bis jetzt eine ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Eltern des Copiloten trifft bei weitem keine Schuld, denn sie haben nicht zu beurteilen ob ihr Sohn berufstauglich ist oder nicht. Die weiteren Untersuchungen werden den bekannten Hergang erhärten, das brauch aber viel Zeit und Geduld so wie die Trauer und Verarbeitung bei den Hinterbliebenen.
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