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Dänische Polizisten beobachten Flüchtlinge, welche auf der Autobahn marschieren.
Legende: Solche Bilder haben in Dänemark eine Solidaritätswelle innerhalb der Bevölkerung ausgelöst. Keystone
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International Dänemark lenkt etwas ein

Die Szenen ähneln jenen in Ungarn. Doch dieses Mal spielten sie sich in Dänemark ab: Flüchtlinge, die im Land festsitzen und eigentlich nach Schweden weiterreisen wollten. Nun lässt Dänemark die Flüchtlinge jedoch weiterziehen.

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Dänemarks Flüchtlingspolitik irritiert
04:11 min, aus Rendez-vous vom 10.09.2015.
abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.

SRF News: Dänemark hat die Grenze zu Deutschland vorübergehend dicht gemacht. Unterdessen fahren aber offenbar wieder Züge: Wie sieht es aktuell aus?

Bruno Kaufmann: Die Lage an den Grenzstationen hat sich spürbar entspannt. Viele Menschen sitzen nicht mehr dort fest. Sie sind in Kopenhagen auf dem Hauptbahnhof oder auch auf dem Flughafenbahnhof von Kopenhagen Kastrup und warten dort auf eine Möglichkeit, mit dem Zug nach Schweden weiterreisen zu können.

Heisst das also, dass Dänemark diese Menschen weiterreisen lässt?

Ja, dieser Entscheid wurde heute Morgen gefällt. Jedoch nicht von der politischen Führung in Kopenhagen, sondern fast ein bisschen eigenmächtig vom Polizeichef persönlich. Er sagte, er könne diese Flüchtlinge nicht mehr aufhalten, weshalb die Weiterreise ermöglicht wurde.

Die Situation hat in Dänemark eine grosse Solidaritätswelle ausgelöst.

Dänemark wäre eigentlich dazu verpflichtet, die Flüchtlinge im Land zu registrieren. Warum lässt man sie nun doch ziehen?

Der Polizeichef hat an der Pressekonferenz von rechtlichen, aber auch von humanitären Gründen gesprochen. Rechtlich in dem Sinn, dass man die Flüchtlinge, die nicht in Dänemark bleiben wollen, nicht festhalten dürfe. Zudem hat es für die Flüchtlinge unhaltbare Zustände gegeben: Menschen sassen in den Zügen fest oder sie marschierten auf den Autobahnen weiter. Dies könne man nicht zulassen. Deshalb habe man sich zu diesem Entscheid durchgerungen.

Man hat Bilder von Flüchtlingen gesehen, die zu Fuss über die Autobahnen Richtung Schweden marschierten. Kümmert sich jemand um diese Menschen?

Diese Situation hat in Dänemark tatsächlich eine Solidaritätswelle ausgelöst, die ich so in den letzten Jahrzehnten nie erlebt habe. Sehr viele Private sind noch in der Nacht an die Grenzstationen gekommen und haben Transporte angeboten. Viele Menschen sind auch zu den Bahnhöfen gegangen und haben den Flüchtlingen Tickets für die Weiterreise finanziert. Viele Däninnen und Dänen sind bereit, direkt zu helfen.

Wenn jetzt jemand diese Flüchtlinge privat weiterfährt, riskiert er dann als Schlepper bestraft zu werden?

Was das Formale betrifft, gibt es ganz viele Einschränkungen. Es wurde auch gemutmasst, ob man dafür festgesetzt werden könnte, aber es ist momentan ganz klar, dass man auch von den Behörden her jetzt sicher nicht noch weitere Hindernisse aufbaut. Die Menschen, die jetzt helfen, werden also sicher keine Konsequenzen zu ziehen haben.

Es sieht danach aus, dass Dänemark nun eine grössere Last mittragen wird.

Dänemark hat eine sehr restriktive Flüchtlingspolitik, setzt ganz offen auf Abschreckung: Angesichts der aktuellen Krise – macht die Regierung irgendwelche Anstalten, daran etwas zu ändern?

Ja, die Haltung hat sich innerhalb von Stunden gewandelt. Noch gestern Abend hatte Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen jeder weiteren Öffnung eine Absage erteilt. Heute Morgen klingt es schon ganz anders: Er hat zu Gesprächen mit den anderen Parteichefs im Parlament geladen.

Es wird nun darüber diskutiert, ob Dänemark weiter daran festhalten möchte, niemanden aufnehmen zu wollen oder eine Mitverantwortung in dieser Krise zu übernehmen und weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Es sieht danach aus, dass Dänemark nun vielleicht doch, wie seine Nachbarländer, dazu bereit ist, eine grössere Last mitzutragen.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Bruno Kaufmann

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Bruno Kaufmann

Bruno Kaufmann lebt in Schweden und berichtet als freier Korrespondent für Radio SRF über die nordischen und baltischen Staaten. Der Politikwissenschaftler forscht ausserdem zu Fragen der modernen Demokratie.

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Die Glückskette ruft zu Spenden für die Flüchtlinge auf. Diese können auf das Konto 10-15000-6 (Vermerk «Flüchtlinge»), auf www.glueckskette.ch oder via App «Swiss Solidarity» überwiesen werden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Dominik Jörger  (Dominik Jörger)
    Gott sei Dank gibt es immer wieder Menschen, die sich trotz der Flut von Angst und Egoismus über andere erbarmen. Stellen wir uns vor, morgen wäre ein riesiges Erdbeben in der Schweiz (und das ist tatsächlich möglich!) mit Tausenden von Toten und Obdachlosen und niemand würde uns helfen. Versuchen wir uns mal in die Lage von Notleidenden zu versetzen, die zu Hause alles verloren haben.
  • Kommentar von K Käser  (Vedic.Hindu)
    Australien ist schlau und darf sich gegen die Flutung von Asylanten wehren. Europa muss Aussie folgen . Eben gerade weil sie eine strenge Immigrationspolitik führen, haben sie diesen Lebensstandard.
  • Kommentar von K Käser  (Vedic.Hindu)
    Schau dir mal Schweden , UK , Belgien und Frankreich an. Wir sollten uns ein Beispiel an den Osten nehmen (Polen, Ungarn , australien und Slowakei)
    1. Antwort von Markus Berner  (Markus Berner)
      Polen, Ungarn, Australien, Slowakei wehren sich heftig gegen die Einwanderer - ist ja klar, herrscht ja jede Menge Dichtestress dort...