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International «Das ist ganz klar ein Sieg für die Eurogruppe»

Die Eurogruppe und Griechenland haben sich im Schuldenstreit in letzter Minute geeinigt. Doch Athen musste grosse Zugeständnisse machen. Eine Einschätzung unserer Korrespondenten in Athen und Brüssel.

Legende: Video ««Die Eurogruppe hat sich durchgesetzt»» abspielen. Laufzeit 3:25 Minuten.
Vom 20.02.2015.

Die Eurogruppe und Griechenland haben sich im Schuldenstreit geeinigt. Das Hilfsprogramm wird um vier Monate verlängert. Im Gegenzug muss Athen bis Montag Reformpläne auf den Tisch legen.

«Das ist ein Rückschlag für Griechenland, denn Griechenland wollte sofort ein neues Programm mit neuen Bedingungen, sagt SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck in Brüssel. «Das hat man Griechenland nicht zugestanden.»

Auch die betroffenen Sparmassnahmen und Reformen dürften nicht angetastet werden. Und nur wenn die Reformpläne von Athen den Wünschen den Geldgebern entsprechen würden, fliesse auch tatsächlich Geld.

«Die Eurogruppe hat sich eigentlich mit allen Forderungen durchgesetzt», erklärt Ramspeck weiter. Griechenland sei es nicht gelungen, die eigenen Forderungen einzubringen und die Eurostaaten zu den eigenen Gunsten auseinander zu dividieren. «Das ist ganz klar ein Sieg der Eurogruppe und vor allem von Deutschland.»

«Griechenland hatte keine Alternative als einzulenken»

Ein Punkt falle auf, sagt der Korrespondent. Die Troika, das Gremium der internationalen Geldgeber, sei sehr verhasst in Athen – jedoch existiere sie weiter, jedoch unter einem neuen Namen. «Das ist doch nicht mehr als ein Trostpflaster für Griechenland», meint Sebastian Ramspeck.

«Offenbar hatte Griechenland keine andere Alternative als Einzulenken», sagt Ruth Bossart in Athen. Zu klar seien die Kräfteverhältnisse gewesen. Die Idee, dass Russland oder China in die Bresche springen könnte und dem Land unter die Arme greifen, sei wohl auch eher Wunschdenken gewesen als Realität.

Doch die Leute hätten dies wohl noch nicht ganz realisiert, denn im Moment finde in Griechenland der Karneval statt, berichtet die Korrespondentin. «Es wird sicher keine Feiern geben, doch der eine oder andere dürfte ein bisschen froh sein, dass ein Eklat abgewendet werden konnte.»

16 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Kein Familienvater, kein Unternehmen oder KMU-Betrieb würde eine solche "Lösung" als Erfolg werten! Um das marode (aber selbstherrlich geführte) Grossgebilde EU nicht zu negativen Schlagwörter oder sogar "NOCH MEHR" Skepsis anwachsen zu lassen, schreiben die ideologisierten Medien von "einem klaren Sieg der Eurogruppe", nachdem weitere Milliarden von Steuergelder der Normalbürger nach Athen verschoben werden! Realisten sehen, dass so verschiedene Mentalitäten, langfristig, nie eine Chance haben!
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  • Kommentar von Angela Keller, Sirnach
    Wer hätte vor einem Jahr an einen Staatsbankrott von Griechenland und Irland geglaubt? Daran, dass Portugal, Spanien und sogar Grossbritannien kurz davorstehen? Auch in Deutschland ist der Staatsbankrott bereits vorprogrammiert. Er ist nur noch eine Frage der Zeit. Langsam haben es auch die grössten medialen Realitätsverweigerer und politischen Schönredner begriffen: Nichts ist mehr sicher. Der Euro ist eine tickende Zeitbombe und der Countdown läuft.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Die EU Grössten haben den Griechen ganz ganau gesagt wie sie das nennen dürfen, was sie wollen. Mit dem was sie jetzt ausgesprochen haben, werden sich wahrscheinlich noch keine andern Länder der EU auf die gleiche Art wehren. Jedenfalls sind wir in 4 Monaten wieder gleich weit, ausser die EU gibt es nicht mehr. Ich würde gerne wissen, warum unser Bundesrat (jedenfalls die Mehrheit) immer noch in diesen Verein eintreten will? Eines Tages werden wir es erfahren.
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