Zum Inhalt springen

Attentat in Kuala Lumpur Das weiss man über Kim Jong Nams Tod

Legende: Audio «Das weiss man über das Attentat in Kuala Lumpur» abspielen. Laufzeit 5:22 Minuten.
5:22 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.02.2017.
  • Kim Jong Nam, der Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un, wurde gestern in Malaysia ermordet.
  • Kim Jong Nam soll vergiftet worden sein.

Es könnte die Geschichte eines Agententhrillers sein: Auf dem Weg in die chinesische Kasinostadt Macau klagt Kim Jong Nam am Flughafen von Kuala Lumpur über Unwohlsein. Wenig später stirbt er im Krankenwagen. Laut südkoreanischen Medien wurde er vergiftet. Grosse Teile der Geschichte beruhen noch immer auf Spekulation oder sind unklar. Martin Fritz, Journalist in Tokio, hat die wichtigsten Antworten.

Was weiss man wirklich über Kim Jong Nams Tod?

Südkoreas Geheimdienstchef hat am Mittwoch bestätigt, dass Kim Jong Nam vergiftet wurde. Der genaue Ablauf ist aber noch unklar. Entweder wurde ihm eine giftige Flüssigkeit ins Gesicht gesprüht oder ein giftgetränktes Tuch auf das Gesicht gedrückt. Im Moment werden die Flughafenkameras ausgewertet und es findet eine Obduktion an der Leiche statt.

Kim Jong Un hält eine Rede
Legende: Hat schon andere Familienmitglieder hingerichtet: Kim Jong Un, der nordkoreanische Machthaber. Reuters

Hat Kim Jong Un den Mord angeordnet?

In Südkorea sind alle Experten davon überzeugt, dass dieses Attentat nur in seinem Auftrag verübt worden sein kann. Es gibt schon seit fünf Jahren das Gerücht, dass ein Auftragsmörder auf Kim Jong Nam angesetzt sei. Zudem zeigt die Hinrichtung von Chang Song Thaek vor drei Jahren, dass der nordkoreanische Diktator auch bei Familienmitgliedern nicht zurückschreckt. Er war Kims Onkel und die damalige Nummer zwei im nordkoreanischen Regime.

Welches Motiv hätte Kim Jong Un, seinen Halbbruder umbringen zu lassen?

Das stärkste Motiv ist, dass Kim Jong Nam der einzige direkte Rivale in der Herrscherfamilie war. Im Konfuzianismus ist es üblich, dass zuerst der ältere Bruder Thronfolger wird. In Nordkorea wäre das eigentlich Kim Jong Nam. Nach dessen Ermordung gibt es nun niemanden, der Kim Jong Un seinen Platz streitig machen könnte.

Ein zweites Motiv offenbart der Zeitpunkt des Attentats. So etwas ist in Nordkorea selten Zufall. Womöglich wollte Kim Jong Un damit ein Signal an die USA und ihren neuen Präsidenten senden und zeigen, wie brutal er ist und dass man ihn als Gegner ernstnehmen sollte.

Hätte Kim Jong Nam seinem jüngeren Halbbruder gefährlich werden können?

Ja. Kim Jong Nam hatte sehr gute Beziehungen zum chinesischen Geheimdienst. Er soll sogar von China finanziert worden sein. Seit langem gab es die Vermutung, dass die Chinesen Kim Jong Nam als neuen Führer installieren würden, sollten sie Kim Jong Un einmal wegputschen lassen. Dieses Szenario hat sich jetzt erledigt – möglicherweise war es das genau das, was Kim Jong Un wollte.

4 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Ich finde den Beitrag sogar sehr gut und informativ. Kim hat erreicht, dass niemand aus der Familie mehr über ihm steht. Er hat seinen Rivalen aus dem Weg geschafft ? Mehr kann man dazu nicht sagen, die Spekulationen, wer mit wem wird die Geheimdienste jetzt beschäftigen. Ob es am Ende die Wahrheit ist, bleibt vielleicht ein Geheimnis.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    "ist vermutlich einem Giftmord zum Opfer gefallen" Man kann es mit Verschwörungstheorien halten wie man will. Obwohl manchmal die unglaublichsten Sachen ans Licht kommen. Wer hätte schon gedacht, dass die "NSU-Dönermorde" in Wirklichkeit unter staatlicher Aufsicht stattfanden. Nur wenige hätten sich träumen lassen, dass auch noch reihenweise Zeugen (7) unter fragwürdigen Umständen ums Leben kommen. Das kann natürlich auch in Nordkorea bzw. Malaysia passieren. Ausschliessen kann man es nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von elize naude (elize)
    ein unwichtige nachricht
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Ich teile Ihre Meinung. Derweil erreichen US-Kampfhubschrauber Bremerhafen. Eine Entspannung der Beziehungen zwischen Russland und den USA ist nicht zu erkennen. Am Samstag wurde erneut Kriegsgerät aus den USA nach Deutschland überstellt - als "Abschreckung" gegenüber Russland. Die Operation "Atlantic Resolve" ist in vollem Gange - schweres Kriegsgerät wird nach Deutschland und dann weiter nach Osteuropa geliefert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen